Formel 1

Formel 1, Teamchefs über Grid-Strafen: Ballast ungeeignet

Wegen des Tauschs von Motorteilen werden viele Strafen vergeben. Das System ist umstritten, doch Ballast ist für Formel-1-Teamchefs keine Lösung.
von Daniel Geradtz

Motorsport-Magazin.com - Das Ergebnis der Qualifikation vom Samstag unterscheidet sich nicht selten von der Startreihenfolge, die die Piloten am Sonntag einnehmen. Der Grund: Strafen für Regelverstöße durch die Fahrer oder für ausgetauschte Motorenteile werfen die Reihenfolge durcheinander. Hinzu kommt, dass häufig nicht so leicht nachzuvollziehen ist, wie sich die Startaufstellung zusammensetzt. Werden mehrere Fahrer bestraft, ist ein tiefer Blick ins Regelbuch nötig, um herauszufinden, in welcher Reihenfolge die Strafen angewandt werden. Das war unter anderem in diesem Jahr am Red Bull Ring der Fall .

Auch die Regelhüter wollen das System überarbeiten. Anlässlich des neuen technischen Reglements im Jahr 2021 gibt es unterschiedliche Ideen, wie sie die Strafenflut umgehen wollen. Es soll ein übersichtlicheres und gerechteres System geben. Zur Debatte steht unter anderem, die Fahrzeuge durch eine Zuladung von Ballastgewicht zu bestrafen.

Von dieser Idee sind einige Teamchefs allerdings nicht angetan. Alfa-Romeo-Teamchef Frederic Vasseur bevorzugt das bisherige System: "Wenn du nach einer Strafe von hinten startest, kann das etwas Würze ins Rennen bringen." Wenn ein Fahrer allerdings durch eine Ballaststrafe geschwächt würde, sei das für das Rennen schlechter.

Zustimmung erhält Vasseur von Günther Steiner. Er sagt, dass es den Zuschauern schwieriger zu erklären sei, warum ein Fahrzeug durch Zusatzgewicht geschwächt werde und deswegen langsamer sei. "Das aktuelle System funktioniert nicht so schlecht. Deswegen finde ich, dass wir es einer Bestrafung durch Ballast-Gewicht vorziehen sollten", erklärt der Haas-Teamchef.

Sowohl vor der vergangenen als auch vor der laufenden Saison ist das System der Grid-Strafen bereits vereinfacht worden. Seitdem gilt: Beträgt die Rückversetzung wegen eines Tauschs von Motorkomponenten mehr als 15 Plätze, wird der Fahrer automatisch ans Ende der Startaufstellung versetzt.

Fahrern sollte ein Anreiz gegeben werden, sich trotz Strafe gut zu qualifizieren"

Das führt dazu, dass Top-Fahrer in der Qualifikation zum Teil frühzeitig die Segelstreichen. Denn auch wenn sie eine Pole-Position einfahren würden, hätte das denselben Startplatz zur Folge wie ein schlechteres Abschneiden in der Qualifikation. Dass die Show darunter leidet, weiß auch Christian Horner. "Wenn wir zurück auf Monza schauen, sehen wir, dass Max ein paar Runden in Q1 gefahren ist, aber in Q2 nicht mehr auf die Strecke gehen wollte. Ich denke, dass wir ein ausgewogeneres Strafsystem finden sollten, als die Fahrer einfach nur ans Ende der Startaufstellung zu versetzen. Wir sollten eine Möglichkeit schaffen, dass sie ermutigt, sich am Samstag gut zu qualifizieren."

Cyril Abiteboul (Renault) bringt noch eine andere Variante ins Spiel, nämlich Zeitstrafen im Rennen zu verhängen. "Eine Zeitstrafe, die man beim Boxenstopp absitzt oder die man am Ende auf das Ergebnis addiert", erklärt er. Das würde besseres Racing im Rennen ermöglichen, ohne die Startaufstellung durcheinander zu würfeln. In Zak Brown findet er einen Befürworter der Idee. Der McLaren-CEO sagt, dass diese Art der Strafe den Fans leicht zu kommunizieren und nachvollziehbar sei.

Da die Belastung für die Motoren auch im kommenden Jahr durch einen weiteren Grand Prix steigen wird, wird die Wahrscheinlichkeit steigen, dass mehr Strafen verhängt werden. Dies könnte beim aktuellen Reglement dazu führen, dass es mehr Strafen als bislang verhängt werden.


Wir suchen Mitarbeiter
Mitarbeiter Motorsport Designer Journalismus Programmierer Video