Formel 1

Formel 1, Steward beleidigt: Haas-Teamchef Steiner droht Ärger

Kevin Magnussen verlor in Russland durch eine Strafe P8. Haas-Teamchef Günther Steiner schimpfte im Funk über die FIA - und das könnte böse Folgen haben.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Haas holte beim Formel-1-Rennen in Russland die ersten beiden WM-Punkte seit Hockenheim. Doch das Wochenende verlief für Romain Grosjean und Kevin Magnussen abermals alles andere als glatt. Der Franzose flog in Kurve vier raus, sein Teamkollege verlor wegen einer Strafe den achten Platz. Letzteres verleitete Teamchef Günther Steiner zu scharfen Worten in Richtung der Rennleitung, die eine Strafe nach sich ziehen könnten.

"Jungs, hier ist Günther. Vielen Dank! Wenn wir keinen dummen idiotischen Steward hätten, wären wir auf P8. Danke, gute Arbeit. Fantastisch, danke Kevin, gut gefahren", funkte Steiner nach der Zieldurchfahrt an Magnussen und die Ingenieure. Der Däne hatte eine 5-Sekunden-Zeitstrafe erhalten, nachdem er im Zweikampf mit Sergio Perez die zweite Kurve verpasst und beim Rejoin nicht die vorgeschriebene Route durch die Styropor-Pfeile genommen hatte.

F1-Rennleiter Michael Masi reagierte diplomatisch auf den Funkspruch des Haas-Teamchefs. "Letztendlich sind wir alle hier um unseren Job zu machen, ob es die Offiziellen sind oder die Teams oder sonstwer. Es muss ein gegenseitiger Respekt herrschen", so der Australier, der in seiner noch kurzen Laufbahn in der Königsklasse erstmals mit einer derartigen Situation konfrontiert war.

Sein im März verstorbener Vorgänger Charlie Whiting hatte in seiner über 20-jährigen Karriere als Rennleiter der Formel 1 hingegen mehrfach mit Anfeindungen zu tun. Unter anderem beim Mexiko GP 2016, als ein erboster Sebastian Vettel mit den Worten "Ich habe eine Nachricht für Charlie: Fuck off!" im Funk für Aufsehen sorgte. Der Ferrari-Pilot, der stets eine gute Beziehung zu Whiting pflegte, kam nach einer Entschuldigung um FIA-Sanktionen herum.

FIA kann Steiner für Funkspruch bestrafen

Etwas, das allerdings nicht immer der Fall sein muss. Der im FIA International Sporting Code verankerte Verhaltenskodex untersagt den Einsatz von Sprache, welche dem Ruf der FIA, ihren Institutionen, Mitgliedern oder dem Management schadet. "Die FIA hat unterschiedliche gerichtliche Verfahren", so Masi.

Ein Vergehen kann dementsprechend von den Offiziellen geahndet werden. "Wenn etwas Unangemessenes gesagt wurde, können Leiter der rechtlichen Elemente, die nicht in das Event involviert waren, sich das anschauen", stellt Masi klar.

Magnussen flucht über Strafe: Bullshit

Der betroffene Pilot hielt von der Entscheidung der Offiziellen ebenfalls herzlich wenig. "Das ist Bullshit", fand auch er deutliche Worte. "Wir haben diesen Turn 2, der eh eine Scheißkurve ist, und es ist einfach nur dumm..." Magnussen hatte bei seiner Rückkehr auf die Strecke nur den letzten Teil des Leitsystems durchfahren, weil er nicht beim Anbremsen sondern erst nach dem Scheitelpunkt die Rennstrecke verließ.

"Ich hätte das Auto stoppen und scharf links abbiegen müssen, um beide zu erwischen", so die Rechtfertigung des 26-Jährigen. "Ich verstehe es, wenn du die Kurve komplett verpasst. Aber ich hatte so viel mehr Geschwindigkeit drauf, als ich in die Auslaufzone fuhr. Ich habe nur versucht das Auto unter Kontrolle zu halten und diese Pfeile angesteuert, denn ich wusste, dass ich alles versuchen musste."

Magnussen: Fahrfehler war bereits Bestrafung

Darüber hinaus empfindet er seinen Fahrfehler bereits als Strafe: "Ich bin kein Sicherheitsexperte, und werde auch nie einer. Aber es war so, dass ich die Kurve verpasst habe und durch jede Menge Dreck neben der Ideallinie musste, in die Auslaufzone. Ich habe da schon so viel Zeit verloren und wurde schon durch meinen eigenen Fehler bestraft."

"Ich habe die Position verloren und auf dieser Runde viel Zeit. Ich hatte für den Rest der Runde Dreck auf den Reifen, also verliere ich noch mehr Zeit. Ich wäre besser dran gewesen, wenn ich Perez einfach hätte ziehen lassen und hinter ihm auf der Strecke geblieben wäre. Ich wurde also schon auf natürliche Weise bestraft, und so sollte es auch sein."

Seiner Ansicht nach hätte die Szene von den Stewards gar nicht geahndet werden müssen: "Die FIA musste überhaupt nichts unternehmen, denn ich hatte die Kurve ja nicht ganz verpasst. Uns wurde gesagt, dass du beide Pfeile umfahren musst, wenn du beide Kerbs verpasst. Ich habe anderthalb vermisst, das war also eine Grauzone. Und sie haben sich trotzdem entschieden, mir die Strafe zu geben", klagt Magnussen.

Team für Team: Tops & Flops vom Russland GP 2019: (11:44 Min.)


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