Formel 1

Formel 1, Vettel erklärt P4: Leclerc-Hilfe und eigene Schwäche

Sebastian Vettel wird beim Spa-Sieg von Charles Leclerc nur Vierter. Ferrari-Pilot erklärt: War nur noch in Helferrolle - aber vorher selbst zu schwach.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Sebastian Vettel hat es beim Belgien GP 2019 der Formel 1 in Spa verpasst, den ersten Saisonsieg von Ferrari durch Teamkollege Charles Leclerc zu einem Doppelsieg zu perfektionieren. Aus einer ersten Startreihe ganz in Rot wurde nicht einmal ein Podium. Vettel musste sich über die Renndistanz gleich beiden Mercedes beugen und mit Platz vier zufrieden geben.

Dafür gab es gleich zwei Gründe, die schon dem aufmerksamen Zuschauer auffallen konnten und die Vettel nach dem Rennen bestätigte und näher erklärte. Kurz gesagt handelte es beim ersten Aspekt um mangelnde Performance Vettels selbst, beim zweiten um die direkte Folge daraus: Bereits früh im Rennen war der Deutsche nichts weiter als eine Hilfskraft für Leclerc.

Vettel gesteht: Mehr Probleme als Leclerc

Der Reihe nach. Schon am Start verlor Vettel kurz P2 an Lewis Hamilton. Auf der Kemmel-Gerade kämpfte sich der Heppenheimer dank des überragenden Ferrari-Topspeeds jedoch zurück. Im weiteren Rennverlauf jedoch wusste Vettel sich daraufhin nicht von Hamilton zu lösen, kämpfte sichtlich mehr mit den Reifen, auch gegenüber Leclerc.

"Ich habe hab mich schwer getan, nicht das Gefühl für das Auto gehabt, nicht den Grip gefunden", schildert Vettel. "Das hat man schon im ersten Stint gemerkt." Um einem schon drohenden Mercedes-Undercut zu entrinnen kam Ferrari den Silberpfeilen zuvor und zitierte Vettel in Runde 15 in die Box. Vettel: "Wir mussten reagieren, um Lewis abzufangen."

Vettel: Mussten früh stoppen, um Hamilton zu halten

Hamilton jedoch fuhr dann gleich sieben Runden länger, Leclerc sechs. Die Folge: Ferrari hatte sich intern undercuttet. Als auch Bottas drin war führte Vettel vor Leclerc und Hamilton, aber mit deutlich älteren Reifen.

Erneut war Vettel klar langsamer als Leclerc. Ferrari musste reagieren und reagierte. Vettel musste seinen viel schnelleren Teamkollegen durchwinken. Vettel spielte ohne Frust oder Murren mit. "Zu dem Zeitpunkt war schon klar, dass wir anders unterwegs waren", erklärt er.

Vettel durch eigene Schwäche & frühen Stopp nur Leclerc-Helfer

Heißt im Klartext: Für Vettel ging es nur noch darum, Leclerc zu helfen. Also musste er Hamilton aufhalten. "Ich habe versucht, ihm eine schwere Zeit zu bereiten, damit er nicht an Charles rankommt", berichtet Vettel. Wegen der älteren Reifen und persönlichen Probleme mit seinem Ferrari eine schwierige Mission. "Wir waren zuerst gekommen, um den Platz gegen Lewis nicht zu verlieren. Aber dann hat der Hintermann natürlich immer die Option, länger draußen zu bleiben. Das haben sie dann auch gemacht", schildert der Ferrari-Pilot.

"Von da an, war es dann schwer, weil ich mit den Reifen nicht bis zum Ende kommen bin." Vettel legte in Runde 33 also einen zweiten Stopp ein. Schon zuvor hatte er sich jedoch Hamilton auf der Strecke beugen müssen. "Hinten raus hatte ich keinen Puffer mehr mit den Reifen und wurde kassiert. Sein Vorteil war zu groß, ich hatte keine Chance, ihn zu halten."

Vettel: Bin mit meiner Leistung nicht zufrieden

Trotz des erlösenden Ferrari-Sieges durch den Teamkollegen kommt bei Vettel unter dem Strich kaum Freude auf. "Für das Team ist es nach so langer Durststrecke ein schöner Tag", sagt Vettel über den ersten Ferrari-Sieg seit Kimi Räikkönen in Austin 2018. "Auch für ihn. Ein besonderer Tag. Aber der eigene Eindruck klingt natürlich am stärksten durch..."

Und der sei eben nicht gut gewesen. Die Helferrolle für Leclerc nutzt Vettel erst gar nicht als Entschuldigung für sein Zurückfallen von P2 auf P4. "Ich bin mit meiner Leistung heute nicht zufrieden", gesteht Vettel selbstkritisch. "Ich habe mich schwer getan den Grip zu finden, den Charles und die anderen gefunden haben. Deshalb war ich heute nicht in der Lage, mitzumischen."

Mattia Binotto und Charles Leclerc stellen sich den Printmedien, Sebastian Vettel nach einem durchwachsenen Rennen nicht - Foto: Motorsport-Magazin.com

Wie groß der Ärger auf sich selbst (und die Unlust weiterer Nachfragen) zu sein scheint, verdeutlicht auch eine Randnotiz nach dem Rennen: Alle hier zitierten Aussagen Vettels stammen aus dem TV-Pen. Zur späteren Ferrari-Medienrunde mit schreibenden Publikationen wie Motorsport-Magazin.com erschien Vettel nicht mehr. "Er musste weg", erklärte Teamchef Mattia Binotto lediglich. Vettels Stuhl blieb leer.

Vettel rätselt über Reifen: Stärke wird zur Schwäche

Die helfende Hand für Leclerc sei dann nur die Folge daraus gewesen. "Es war dann klar, dass ich mehr in der Helferrolle war als mein eigenes Rennen zu fahren. Der Speed war bei mir einfach nicht da. Ich hatte nicht den Speed, den ich gerne hätte", sagt Vettel. Selbst seine noch in Ungarn große Stärke im teaminternen Vergleich - Reifenmanagement - verkehrte sich in Spa plötzlich ins Gegenteil.

"Ich hatte mehr zu kämpfen, das Auto richtig zu fühlen und die Reifen zu verstehen, was normalerweise meine Stärke ist. Aber dieses Wochenende war es eher ein Schwachpunkt", hadert Vettel. Tatsächlich hatte er von Freitag an durchweg schlechter ausgesehen als sein Teamkollege. Nicht nur im Qualifying, auch in den Longruns.

Vettel holt Bonuspunkt nach zweitem Stopp

Im Rennen habe er deshalb schlicht nur noch versucht, dem Team und Leclerc zu helfen. "Ich selbst hatte nicht die Pace, fühlte mich nicht wohl im Auto und habe die Reifen zu schnell heruntergefahren, bin zu viel gerutscht."

In der WM-Wertung arbeitete sich Vettel (169) dank der zwölf Punkte für Rang vier und einem Bonuspunkt für die schnellste Rennrunde mit gebrauchten Softs nach seinem zweiten Stopp immerhin wieder etwas heran an Max Verstappen (181). Der Niederländer war durch einen Unfall am Start leer ausgegangen. Leclerc (157) jedoch lauert nun nur noch zwölf Punkte hinter Vettel.


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