Formel 1

Formel 1 erklärt: Darum keine Hamilton-Strafe fürs Bummeln

Lewis Hamilton wird den Deutschland GP 2019 schnell vergessen wollen. Krank, Unfall, Dreher, Strafe. Doch einer zweiten Sanktion entging er. Der Grund.
von Christian Menath

Motorsport-Magazin.com - Lewis Hamilton erwischte wie das gesamte Mercedes-Team einen rabenschwarzen Rennsonntag in Hockenheim. Der fünfmalige Formel-1-Weltmeister blieb beim Deutschland GP 2019 erstmals seit Spielberg 2018 ohne Punkte und erstmals seit Barcelona 2013 ohne Punkte bei einer Zielankunft - zumindest bis er durch nachträgliche Zeitstrafen gegen die Alfa Romeo noch von P11 auf P9 vorrückte.

Unfall, Dreher, Strafe, nicht in den Top-10 im Ziel - eine wahre Katastrophe für Hamilton. Und dabei hätte es sogar noch schlimmer kommen können. Die Fünf-Sekunden-Strafe erhielt der Brite, weil er sich zu spät für die Boxeneinfahrt entschied und erst hinter dem Poller abbog. Die Stewards ermittelten aber noch wegen eines weiteren mutmaßlichen Vergehens.

Keine Strafe für langsamen Hamilton: Grund kurios

Vorgeworfen wurde Hamilton, unter der Safety-Car-Phase nach seinem Unfall an der Leclerc-Stelle, zu langsam gefahren zu sein. Artikel 39.5 des Sportlichen Reglements sagt ganz klar: "Während einer Safety-Car-Phase darf ein Auto nicht unnötig langsam, ungleichmäßig oder in einer Weise bewegt wird, die als möglicherweise gefährdend angesehen werden kann."

Hamilton fuhr tatsächlich extrem langsam, bekam aber keine zusätzliche Strafe. Der Grund dafür ist kurios: Nach seinem Unfall und der spontanen Entscheidung, direkt in die Boxengasse abzubiegen, ging es vor der Mercedes-Garage drunter und drüber.

Mercedes-Stopp nach Hamilton-Unfall ewig lang

Erst waren keine Reifen da, dann musste auch noch eine neue Nase gebracht und gewechselt werden. Insgesamt verbrachte Hamilton eine Minute und neun Sekunden in der Boxengasse - rund 50 Sekunden mehr als bei einem normalen Stopp.

Die Safety-Car-Regeln besagen in Artikel 35.7, dass die Piloten sofort nach dem Ausrufen der Safety-Car-Phase wie beim VSC einem vorbestimmten Geschwindigkeitsprofil folgen müssen. Dieses Profil müssen sie einhalten, bis sie die erste Safety-Car-Linie zum zweiten Mal überfahren haben.

Stewards: Hamilton wirkte nur wie Langsamfahrer

Dann haben sie in der Regel auf das Safety Car aufgeschlossen, das anschließend das Tempo vorgibt. Die Regel soll verhindern, dass die Piloten solange weiter mit Vollgas fahren, bis sie das Safety Car eingeholt haben.

Weil Hamilton allerdings so lange in der Boxengasse stand, fuhr er in einem komplett anderem Rhythmus zum restlichen Feld. Während die anderen Piloten die Linie schon zweimal überfahren hatten, hatte Hamilton wegen seines langen Stopps erst eine Runde seit dem Ausrufen des Safety-Cars gedreht. Er fuhr deshalb im Pulk mit den anderen Piloten, musste aber langsam machen, weil er Artikel 35.7 einhalten musste.

Während also alle anderen versuchten, das Safety Car einzuholen, fuhr Hamilton seine zweite Runde zu Ende. "Dadurch wirkte es so, als wäre Hamilton unnötig langsam gefahren", schrieben die Stewards in ihrer Urteilsbegründung und fügten an: "In unseren Augen hat er nur das Reglement eingehalten."


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