Formel 1

Formel 1 auf falschen Strecken? Fahrer beklagen zu viel Politik

Warum sind nicht alle Formel-1-Rennen wie Silverstone oder Österreich 2019? Hamilton und Bottas beklagen Streckenauswahl: Zu politisch, zu viel Geld.
von Markus Steinrisser

Motorsport-Magazin.com - Der Großbritannien GP 2019 versetzte die Formel 1 in beste Stimmung: Spektakuläre Duelle wie Leclerc gegen Verstappen, Hamilton gegen Bottas, und ein höchst dramatischer Rennverlauf - so sollte die Formel 1 aussehen. Und das nach dem ebenso spektakulären Österreich-GP.

Doch alle wissen: Wie in Silverstone geht es nicht überall zu. "Die Strecke spielt definitiv eine wichtige Rolle beim Überholen", sagt Charles Leclerc nach einem Rennen, in dem er nach eigener Aussage so viel Spaß wie noch nie in der Formel 1 hatte. "Die letzten beiden Strecken sind gute Beispiele. Mehr davon im Kalender zu haben wäre glaube ich gut für F1."

Mit dieser Meinung steht Leclerc im Formel-1-Fahrerlager bei weitem nicht allein da. Silverstone ist eine der beliebtesten Strecken, und einer der Klassiker. Zum einen, weil sich die Strecke in einem Formel-1-Auto absolut spektakulär anfühlt, wie die meisten Fahrer nie müde werden zu betonen: Das Durchfahren der Highspeed-Passage von Copse über Maggotts, Becketts und Chapel ist ein Erlebnis.

Aber es gehört noch mehr dazu, damit ein Formel-1-Fahrer Spaß auf einer Strecke hat. "Die Leute fragen mich nach meinen Lieblingsstrecken, und diese hier gehört dazu, weil du überholen kannst", erklärt Lewis Hamilton nach dem Rennen.

"Und dann haben wir Strecken, auf denen du nicht überholen kannst, und es sich wie ein Zug anfühlt", beschwert er sich. "Also, was würdet ihr bevorzugen? Ein Rennen in diesen Ländern, nur um dort ein Rennen zu haben - oder großartige Rennen, wie dieses heute?"

Hamilton, Bottas über F1-Kalender: Zu viel Politik und Geld

Von der Kalender-Zusammenstellung der Formel 1 hat Hamilton nicht die höchste Meinung: "Ich weiß nicht, wer auswählt, und ich weiß, dass sie nicht in jedem Land massig Formel-1-Strecken haben - aber es gibt welche, die wählen sie für die Zukunft aus, auf denen werden wir keine guten Rennen haben. Und welche, die im Kalender sind, und die nicht großartig sind."

Formel-1-Finale 2018 in Abu Dhabi - Foto: Sutton

Teamkollege Valtteri Bottas unterstützt Hamilton und gibt zu bedenken: "Sicher sind viele Strecken nur aus politischen Gründen und wegen des Geldes dabei. Nicht, weil man sich darauf konzentriert hat, ob das Racing gut ist oder nicht. Von unserer Seite her ist das nicht gut. Wir lieben Racing, alle lieben Racing. So sollte es sein."

Fahrer empfehlen: Lasst uns endlich Einfluss nehmen

Um das Problem zu lösen, empfehlen Hamilton und Bottas eines: Mehr Fahrer-Input. "Wir wissen genau, welche Strecken wir brauchen", versichert Bottas. "Wir haben das im Gefühl. Also sind wir sehr, sehr gerne bereit zu helfen."

"Die Fahrer waren in der Geschichte des Sportes wohl nie Teil der Strecken-Entscheidungen", mutmaßt Hamilton. "Hoffentlich kann die GPDA [Fahrer-Gewerkschaft] im nächsten Schritt in Richtung 2021 ein Teil davon sein. Wir können beraten. Wir helfen gerne dabei, den Sport besser zu machen."

Es ist nicht das erste Mal, das Hamilton in den vergangenen Wochen auf mehr Fahrer-Meinungen pocht. Nachdem die FIA und Liberty Media die Fahrer für die 2021er-Regeln in den vergangenen Wochen erstmals in Meetings integriert hatten, sieht Hamilton jetzt die Chance, sich und seine Kollegen auch bei anderen Themen ins Spiel zu bringen. Themen, in denen Fahrer tatsächlich über unschätzbare Expertise verfügen.

"Wir haben kein Problem mit Grands Prix in diesen unterschiedlichen Ländern", so Hamilton. "Aber wenn sie sich offen zeigen, ein paar dieser Strecken zu ändern oder andere Strecken in diesen Ländern zu nutzen, dann sollten wir uns das anschauen."


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