Formel 1

Formel 1, Hamilton gelangweilt: Will lieber mit Ferrari kämpfen

Lewis Hamilton gähnt nach Akt fünf der Mercedes-Dominanz 2019. Dem Weltmeister taugt die Überlegenheit nicht. Enttäuscht von Ferrari und Red Bull.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - WM-Führung, fast 60 Punkte Vorsprung auf den ersten Nicht-Mercedes nach fünf Silberpfeil-Doppelsiegen zum Start der Formel 1 2019. Der amtierenden F1-Weltmeister Lewis Hamilton müsste aktuell eigentlich strahlen wie nie zuvor. Doch das Gegenteil ist der Fall. Dem Briten gefällt die gegenwärtige Situation ganz und gar nicht.

Weil Valtteri Bottas ihm mehr denn je Gegenwehr leistet? Nein, das ist noch Hamiltons einziger Lichtblick. Dem fünfmaligen Champion geht es um etwas anderes: die erstaunlich schwache Gegenwehr von Ferrari und Red Bull. "Mir ist es lieber, wenn sie auf Augenhöhe mit uns sind", hadert Hamilton nach einem spielerischen Sieg in Spanien mit den gegenwärtigen Silber-Solofahrten.

Hamilton trauert WM-Duellen mit Vettel hinterher

"Mir sind Rennen wie Bahrain, wo sie in der ersten Reihe waren, lieber. Ich liebe das. Vor allem wenn es ganz durchmischt ist, wenn es einen Ferrari und einen Mercedes oder einen Mercedes und einen Ferrari gibt. In den vergangenen Jahren hatten wir das ja", erinnert sich Hamilton sehnsüchtig an seine WM-Duelle gegen Sebastian Vettel 2017 und 2018.

2019 ist davon Stand jetzt nicht viel übrig geblieben - eher nichts. Für Hamilton aus Sicht des Wettkämpfers in ihm einfach nur enttäuschend und langweilig. "Aus Fahrer- wie Teamsicht ist es viel besser, wenn du gegen ein anderes Team antrittst. Wenn es interner wird, ist es weniger aufregend", sagt Hamilton. "Aber es ist schon noch immer eine heftige Herausforderung für die Fahrer. Wir müssen noch immer liefern und sehr, sehr hart arbeiten, um alles aus dem Auto zu quetschen."

Hamilton: Teaminterner Kampf nicht dasselbe

Doch befriedigt Hamilton der teaminterne Kampf gegen Bottas eben nicht so sehr - so erstarkt der Finne sich 2019 auch präsentiert. "Es macht einfach nicht so viel Spaß, als wenn du dich mit einem anderen Team misst. Darum geht es in der F1. Der aufregende Teil ist, wenn du ankommst, alles gibst und gegen das eine oder die zwei anderen Teams antrittst, die ebenfalls ihr bestes Gesicht zeigen. Wenn aber keiner da ist, dann ist es auf jeden Fall weniger aufregend. Innerhalb eines Teams Rennen zu fahren - so sollte die F1 wirklich nicht sein. Aber so ist es gerade. Und so war es auch in der Vergangenheit mal. Das ist aber nicht unser Fehler", schildert Hamilton seine Sicht der Dinge.

Diese Ansicht ergibt nichts als Sinn. Mercedes seine jüngste Stärke vorwerfen kann man nun wirklich nicht. Daher sucht Hamilton den Fehler auch an anderer Stelle. Bei der Konkurrenz, die den Briten ganz offensichtlich ziemlich enttäuscht hat. "Obwohl Red Bull dieses Jahr mit dem Motor besser geworden ist, scheint es, dass sie kein so gutes Auto gebaut haben wir in vorherigen Jahren und Ferrari hat gute Power, aber denen fehlt es in anderen Bereichen - ich weiß nicht genau, wo. Aber der letzte Sektor [in Barcelona] war natürlich ein großes Problem für sie", schildert Hamilton.

Hamilton: So sollte F1 nicht sein, aber nicht Mercedes' Fehler

Deshalb sei gegenwärtig ganz klar Bottas die größte Gefahr für ihn und sein Projekt WM-Titel Nummer sechs. "Das Auto, das dir am nächsten ist, ist immer die größte Bedrohung. Gerade ist es noch etwas früh, aber natürlich ist diese Person, die am dichtesten dran ist, gerade Valtteri. Also muss ich weiter liefern. Vor allem weil er über das Wochenende echt richtig schnelle Runden raushaut und besser liefert denn je", sagt Hamilton.

Vollständig unterfordert fühlt sich der Brite also doch noch nicht - auch ohne große externe Gegenwehr von Ferrari und Red Bull. Nur das Prickeln geht ihm ab. Doch macht Bottas weiter wie bisher, könnte das irgendwann auch teamintern entstehen. Geht es am Ende um die WM ist Nervenkitzel programmiert. Da geht es um alles, dann ist völlig egal, wer der Gegner ist.

Bottas für Hamilton größte Bedrohung

Damit das nicht geschieht, Hamilton teamintern die Verhältnisse wieder deutlicher gerade rückt, hat der Brite längst den entscheidenden Punkt ausgemacht, wo und wie er nachlegen muss: im Qualifying, seiner eigentlich Paradedisziplin par excellence. "Freitag und Samstag waren keine großartigen Tage für mich, also ist mein Ziel, das zu verbessern", so Hamilton. Daran will Hamilton bis Monaco intensiv in der Fabrik arbeiten.

Im Fürstentum hofft der Brite, seinen Teamkollegen so auch samstags auszustechen. Für Hamilton das einzige noch fehlende Teil, um wieder der ganz klare Chef im Mercedes-Team zu werden. "Denn die Rennen waren aus Performance-Sicht ja richtig stark, Sonntags habe ich einfach voll geliefert", sagt Hamilton.

Hamilton hofft auf Monaco-Kampf mit Red Bull & Ferrari

Am liebsten würde sich Hamilton allerdings gleich in Monte Carlo darum erst gar keinen Kopf zerbrechen. Dafür soll dem Wettkampftier in ihm lieber Ferrari herhalten. Oder Red Bull. Hauptsache ein anderes Team. Doch reist Mercedes als absoluter Topfavorit ins Fürstentum. Kommen Ferrari und Red Bull dort also nicht einmal näher?

Hamilton: "Hoffen wir, dass es mehr ist, als dass sie nur näher sind, denn ich würde mehr Kämpfe über das ganze Jahr hinweg begrüßen. Es wäre klasse, einen Ferrari und einen Red Bull zu haben, die mit uns in einem ganz normalen Rennen kämpfen."


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