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Formel 1 2019, 1000. GP: Die zehn größten Piloten

Die Formel 1 feiert 2019 in China ihr 1000. Rennen. Wir blicken in unserer Jubiläumsserie zurück auf 69 Jahre F1. Teil vier mit den größten Piloten.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Die Formel 1 feiert 2019 mit dem Großen Preis von China ihr 1000. Rennen. Der erste Grand Prix am 13. Mai 1950 in Silverstone begründete den Mythos der Königsklasse auf vier Rädern. Legendäre Piloten, Teamchefs und Konstrukteure gingen in die Geschichte ein, genauso wie ihre spektakulären Rennen, Manöver und Boliden. Wir werfen in der Jubiläumswoche einen Blick zurück auf 69 Jahre Formel 1.

Im vierten Teil geht es um die Hauptdarsteller im größten Motorsportzirkus der Welt: Die Piloten. Sie sind es, die die Massen auf die Tribünen und vor die Bildschirme ziehen. Mit ihren Fähigkeiten und ihren Persönlichkeiten begeistern und polarisieren sie zugleich. Die zehn größten von ihnen auszuwählen, fällt nicht leicht. Wir haben es trotzdem versucht.

Michael Schumacher - Der Roboter

Auch 13 Jahre nach dem Ende seiner beispiellosen Ära dominiert Michael Schumacher weiterhin die Rekordbücher der Formel 1. Unvergessen ist der Kerpener aber nicht nur als siebenmaliger Weltmeister. Schumacher war der Prototyp für den Rennfahrer des 21. Jahrhunderts. Im krassen Gegensatz zum emotionalen und instinktgetriebenen Ayrton Senna zeichnete den Deutschen vor allem seine berechnende und kühle Herangehensweise aus.

Vom fulminanten Einstand 1991 in Belgien, über den Premierensieg nur ein Jahr später und die ersten knallharten Duelle gegen Senna & Co. manifestierte sich der Ruf der nahezu unfehlbaren Rennmaschine, die ihre Gegner wie ein Computer dominierte. Neben den Siegen und WM-Titeln, den Husarenritten und Triumphfahrten, war es auch Schumachers teils kontroverser Ehrgeiz, der ihn zur Legende machte.

Juan Manuel Fangio - El Maestro

Sein erstes Autorennen fuhr Juan Manuel Fangio im zarten Alter von 27 Jahren. Nachdem er 1938 in seiner Heimat Argentinien das erste Rennen gefahren war, wagte El Maestro zehn Jahre später den Schritt nach Europa. 1950 gehörte er zu den Pionieren der neu gegründeten Formel 1. Und Fangio drückte ihr seinen Stempel auf wie kein anderer. Er gewann 24 seiner 53 Grands Prix. Seine Siegquote von 46.15 Prozent wird wohl auf alle Ewigkeit unerreicht bleiben.

Mit fünf WM-Titeln ist er in der ewigen Bestenliste auch 60 Jahre nach seinem Karriereende von nur zwei Piloten erreicht. Nur Rekordweltmeister Michael Schumacher und Lewis Hamilton haben mehr oder genauso viele Titel wie er. Doch während diese beiden Stars der Moderne ihre Titel für zwei Teams einfuhren, gelang Fangio das Kunststück gleich mit vier unterschiedlichen Herstellern. Er war mit Alfa Romeo, Maserati, Ferrari und Mercedes erfolgreich.

Lewis Hamilton - Der Superstar

Der erfolgreichste britische Pilot in der Geschichte des Sports war das Ergebnis eines bis dato einzigartigen Projektes. McLaren-Ikone Ron Dennis förderte den Jungen aus Stevenage vom Go-Kart bis in die Königsklasse. Dort zählte Hamilton vom ersten Tag an zur Weltspitze. In Diensten seiner Ausbilder feierte Hamilton sofort Siege, lieferte sich ein erbittertes WM-Duell mit Teamkollege Fernando Alonso. Ein Jahr später war er das erste Mal Weltmeister.

Den Weg zur Legende ebnete ihm sein mutiger Wechsel zu Mercedes. Nicht nur sportlich, sondern auch persönlich. Auf der Rennstrecke dominierte er fortan seine Gegner und brach Rekorde. Abseits davon wurde er zum weltweiten Superstar, der sich mit Hollywood-Größen umgibt und sich als Designer bei einem der größten Modelabels auch abseits der Rennstrecke selbstverwirklicht. Eine Erfolgsstory, deren Ende nach fünf WM-Titeln noch längst nicht geschrieben ist.

Alain Prost - Der Professor

In den Reihen der Serien-Weltmeister wird Alain Prost ob seiner wenig spektakulären Art gerne übersehen. Dabei hätte der Franzose mit etwas mehr Glück sogar als Rekordweltmeister in den Geschichtsbüchern stehen können. Prost brauchte nach seinem Debüt 1980 nicht lange, um erstmals eine Hand an die WM-Trophäe zu legen. 1983 wurde er erstmal Vizeweltmeister, 1984 fehlte nur ein halber Punkt. 1988 wurden ihm die Streichresultate zum Verhängnis.

Prost zeichnete seine analytische und berechnende Herangehensweise aus. Nachdem er sich zu Beginn seiner Karriere bei schweren Unfällen mehrmals verletzt hatte, verzichtete er im Qualifying darauf, für die letzten Tausendstel Kopf und Kragen zu riskieren. Stattdessen legte er seinen Fokus auf das Rennen, wo er mit Speed, Konstanz und Zuverlässigkeit eine Macht war. Der Professor war immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort - und auch im richtigen Auto.

Ayrton Senna - Der Magier

Die Extraklasse des Ayrton Senna da Silva offenbarte sich der Formel 1 schon nach wenigen Rennen, als er 1984 im unterlegenen Toleman in der Sintflut von Monaco die Weltspitze aufmischte. In den darauffolgenden Jahren avancierte der Brasilianer zum Regengott und zum Meister des Ritts auf der Rasierklinge. Virtuos, wie ein Besessener steigerte sich Senna hinter dem Steuer in die Suche nach dem Limit.

Im Qualifying war der Magier unantastbar, fuhr Runden die selbst er im Nachhinein kaum noch erklären konnte. Sein kompromissloser Wille zum Sieg machte ihn für seine Rivalen zum unberechenbaren Endgegner. Die Fehde zwischen ihm und Alain Prost ging in die Geschichte ein. Doch Senna war weit mehr als nur ein Rennfahrer. Für die Brasilianer war er als Botschafter ihres Landes bereits zu Lebzeiten ein Nationalheld.

Jim Clark - Das Genie

Kein anderer Champion hat eine derart beeindruckende Bilanz wie Jim Clark. Der schottische Farmerssohn fuhr bis zu seinem tragischen Tod 1968 bei einem Formel-2-Rennen in Hockenheim lediglich 77 F1-Rennen, gewann davon 25 und kürte sich zweimal zum Weltmeister. Zusammen mit Ingenieursgenie Colin Chapman begründete Clark zwischen 1960 und 1968 eine der ersten großen Erfolgsgeschichten in der Formel 1.

Clark fuhr in der Königsklasse ab 1960 ausschließlich für Lotus und war sowohl in der 1,5- als auch in der 3-Liter-Formel das Maß der Dinge. Seine Gegner verehrten ihn regelrecht für seinen flüssigen und sauberen Fahrstil, allen voran Landsmann Jackie Stewart, der in Clark seinen Lehrmeister sah. Es besteht kaum ein Zweifel daran, dass Clarks Statistik ohne den verheerenden Unfall heute noch um einige Siege und auch WM-Titel reicher wäre.

Niki Lauda - Der Unbeugsame

Die Karriere Niki Laudas ist in der Geschichte der Formel 1 einzigartig. Schon sein Einstieg in die Königsklasse war mehr als unorthodox. Sein erstes Renncockpit bezahlte er mit einem Kredit von der Bank. Nach den ersten Achtungserfolgen bei March und BRM wurde für ihn der Traum vom Ferrari-Cockpit wahr. Nach einer langen Durststrecke schaffte er es, die Italiener zurück zum Ruhm zu führen. Auf dem Weg zu zwei Weltmeistertiteln 1975 und 1976 mit der Scuderia vollbrachte Lauda Übermenschliches.

Das Comeback nach dem schweren Feuerunfall 1976 auf dem Nürburgring war ein Testament für Laudas unbeugsamen Willen und seine Kämpfernatur. Dass er nach diesem verheerenden Unfall noch zwei WM-Titel gewann, verblüfft noch heute. Vor allem der dritte und letzte WM-Titel war ein Kunststück, das nicht viele Piloten schafften. Lauda war 1979 zurückgetreten, gab 1982 mit McLaren sein Comeback und sackte 1984 tatsächlich noch einmal die WM ein.

Jackie Stewart - Der Künstler

Jackie Stewart trat nach Clarks Tod das Erbe seines Landsmannes an. Nicht nur, weil beide die gleiche Staatsbürgerschaft trugen. Stewart hatte den Fahrstil seines Freundes über die Jahre hinweg verinnerlicht. Während Piloten wie Ronnie Peterson mit wilden Drifts das Limit suchten - und das oft mit Erfolg, pflegte der einstige Tontaubenschütze den unspektakulären und sauberen Fahrstil, der auch Clark über Jahre hinweg unantastbar machte.

Stewart meisterte dabei den Übergang von Profilreifen zu Slicks in Kombination mit der Anfang der 1970er Jahre völlig neuen Aerodynamik, welche die Charakteristik der Formel 1 vollständig umkrempeln und bis heute entscheidend prägen sollte. Zusammen mit Ken Tyrrell bildete Stewart ein ähnliches Dreamteam wie Clark mit Chapman. Die Traumehe brachte Stewart drei Weltmeistertitel.

Fernando Alonso - Der Samurai

Fernando Alonso kam 2001 mit nur 19 Jahren in die Formel 1. Fünf Jahre später war er der jüngste Welt- und Doppelweltmeister der Geschichte. Den Weg dorthin ebneten ihm die Attribute, die ihm in der F1 bis zuletzt den Ruf des komplettesten Fahrers im Grid einbrachten. Alonso war ein knallharter Fighter, ein Getriebener der auf jeder einzelnen Runde und um jede einzelne Position kämpfte, als ginge es um die Weltmeisterschaft.

Doch der spanische Samurai hatte auch seine Schattenseite. Bei McLaren sorgte er mit Intrigen für Skandale, bei Renault war er ins Crashgate verwickelt. Ein weiterer Titel gelang ihm auch bei Ferrari trotz vieler Höhepunkte nicht. Das letzte Kapitel seiner Karriere mit McLaren war ein Akt der Verzweiflung. Der dritte WM-Titel blieb ihm verwehrt. Zu Alonsos Vermächtnis wurde stattdessen seine Karriere, geprägt von einem einzigartigen Racer-Spirit, die einer Legende allemal gerecht wurde.

Sebastian Vettel - Der Senkrechtstarter

Unglückliche Umstände ebneten ihm den Weg in die Formel 1, doch schon im ersten Rennen als Ersatz für den verletzten Robert Kubica 2007 im BMW Sauber ließ der junge Sebastian Vettel sein außergewöhnliches Talent aufblitzen. Was folgte war ein beispielloser Aufstieg. Hatte man zu dieser Zeit noch geglaubt, dass die nur kurz zuvor durch Alonso aufgestellten Rekorde für den jüngsten Pole-Sitter, Sieger, Weltmeister und Doppelweltmeister wohl noch lange Bestand haben würden, wurde man durch Super-Seb eines Besseren belehrt.

2008 legte Vettel im Regen von Monza im Toro Rosso seine Meisterprüfung ab. Der erste Sieg sollte nur ein Vorgeschmack auf seine Erfolgsgeschichte mit Red Bull werden, an deren Ende vier WM-Titel standen. Doch Vettels Status als einer der größten Piloten der Geschichte ist umstritten. Nicht nur, weil sich auch um ihn die eine oder andere Kontroverse rankte. Mit Ferrari wollte ihm der große Durchbruch bisher noch nicht gelingen. Viele sehen den Titel in Rot als Voraussetzung für die Aufnahme in den exklusiven Zirkel der Legenden


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