Formel 1

Formel 1, Top-5: Die überraschendsten Teamwechsel

Mit seinem Wechsel zu Renault gab Daniel Ricciardo ein Top-Cockpit auf. Für die Top-5 der Transferbomben reichte es trotzdem nicht.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Daniel Ricciardos mutiger Wechsel zu Renault wird sowohl bewundert als auch kritisiert. Ob der Australier für diesen Schritt belohnt wird, steht in den Sternen. In der Vergangenheit wurde längst nicht jeder Sensationstransfer zu einer Erfolgsgeschichte. Andere hingegen schrieben die Geschichtsbücher der Formel 1 vollständig um.

5. Jackie Stewart zu Tyrrell

Nach einem beeindruckenden Debütjahr 1965 drohte Jackie Stewarts Karriere in den darauffolgenden Jahren bei BRM zu stagnieren. 1967 stand er am Scheideweg, als Ferrari die Fühler nach ihm ausstreckte. Enzo Ferrari wollte das schottische Naturtalent unbedingt in einem seiner Autos sehen. Stewart reiste zweimal für Verhandlungen nach Maranello und besiegelte den Vertrag mit Il Commendatore per Handschlag, doch dann platzte der Deal. Stewart erhielt einen Anruf von seinem guten Freund Jacky Ickx, der selbst mit Ferrari verhandelte - ein Umstand, von dem Stewart bis dato nichts gewusst hatte. Er sagte Ferrari ab und unterzeichnete stattdessen bei Ken Tyrrell und dessen 1968 neu gegründetes Team. Tyrrell hatte sich mit Matra zusammengeschlossen und endlich den Aufstieg in die Königsklasse geschafft. Stewarts Vertrauen in die Fähigkeiten des britischen Holzhändlers kamen nicht von ungefähr. Tyrrell war es, der Stewart 1964 seinen ersten Test in einem Formel-3-Boliden ermöglicht hatte. Ende 1973 verließ Stewart das Tyrrell-Team und die Formel 1 mit drei gemeinsam errungenen Weltmeistertiteln im Gepäck.

4. Damon Hill zu Arrows

Die Karriere von Damon Hill befand sich 1996 auf ihrem Höhepunkt. Nach zwei verlorenen Duellen gegen Michael Schumacher war der Weg zum ersten Weltmeistertitel für den Williams-Piloten endlich frei. Noch vor dem großen Moment beim Finale in Suzuka war jedoch klar: Hill würde 1997 nicht mehr für das Top-Team aus Grove starten. Frank Williams und sein Pilot waren sich bei der Gehaltsfrage nicht einig geworden. Schon im Sommer hatte der Teamchef bekanntgeben, dass 1997 Jacques Villeneuve und Heinz-Harald Frentzen für ihn fahren würden. Hill verhandelte daraufhin mit Benetton und McLaren, welche bis zu einem gewissen Grad durchaus als Alternative zu Williams galten. Doch auch hier scheiterten die Gehaltsverhandlungen. Ron Dennis wollte Hill kein Jahresgehalt gewähren und nur auf Rennbasis bezahlen. Außerdem ging ihm der McLaren-Boss laut eigener Aussagen mit seiner Art "auf den Sack." So unterschrieb Hill bei Arrows - einem Rennstall, der 1996 nur einen einzigen Punkt geholt hatte. Finanziell lohnte sich der Wechsel für Hill, doch musste er sich 1997 wie erwartet mit einer Gurke von Auto herumschlagen. Nach nur einem Jahr verließ er Arrows in Richtung Jordan.

3. Fernando Alonso zu McLaren

Fernando Alonsos kometenhafter Aufstieg in der Formel 1 gipfelte 2006 im zweiten WM-Titel in Serie mit Renault. Der spanische Shooting-Star hätte im Team seines Förderers Flavio Briatore seine Erfolgsgeschichte gut und gerne noch weiterschreiben können, doch tatsächlich hatte er schon 2005 ganz andere Pläne im Kopf. Noch im Dezember nach seinem ersten Titelgewinn unterschrieb er völlig überraschend bei Renaults Erzrivale McLaren Mercedes. "Ich habe mein Lebensziel mit Renault erreicht und hatte das Gefühl, dass es Zeit für eine neue Herausforderung ist", erklärte Alonso damals und versicherte, dass er auch 2006 alles daransetzen würde, mit Renault noch ein zweites Mal Weltmeister zu werden. Sein Versprechen an die Franzosen machte er wahr, doch der Wechsel nach Woking wurde für Alonso zum Debakel. Zwar kämpfte er wie erwartet um die WM, doch seinen ultraschnellen Rookie-Teamkollegen Lewis Hamilton hatte er nicht auf der Rechnung. Der Brite machte ihm das Leben schwer und Alonso antwortete mit dreckigen Spielchen und Intrigen. 2008 saß er wieder bei Renault im Auto.

2. Lewis Hamilton zu Mercedes

Ein Abschied Lewis Hamiltons von McLaren schien undenkbar, nachdem Ron Dennis ihn als 12-Jährigen in sein Förderprogramm aufgenommen und bis zum Formel-1-Weltmeister ausgebildet hatte. Ende 2012 sagte Hamilton Woking dennoch Lebewohl. Nach sechs Jahren in seinem Ausbildungsbetrieb wagte er den Sprung zu Mercedes, wo er Michael Schumacher beerben würde. Der Rekordweltmeister war in seinen drei Jahren in Silber sieglos geblieben, während Hamilton bei McLaren immer siegfähiges Material hatte. Nicht wenige sahen seine Entscheidung deshalb kritisch. Für Hamilton selbst war die Abnabelung von McLaren ein riesiger Schritt, hatte er doch in seiner gesamten Motorsportkarriere den einhundertprozentigen Rückhalt von Dennis genossen. Niki Lauda schaffte es dennoch, den damals 28-Jährigen zu überzeugen. "Mein Argument war: Wenn du eine neue Herausforderung suchst, Mercedes ist eine", so der Österreicher. Sechs Jahre später ist Hamilton auf dem Weg zum vierten WM-Titel mit Mercedes - und ein Ende der Erfolgsgeschichte ist noch nicht in Sicht.

1. Michael Schumacher zu Ferrari

Niki Lauda war nicht nur in der Karriere des derzeit erfolgreichsten F1-Fahrers eine Schlüsselfigur. 1995 hatte er bereits beim Sensationstransfer von Michael Schumacher zu Ferrari seine Finger im Spiel. Nachdem Flavio Briatore das Talent Schumachers schon nach dem ersten Rennen 1991 erkannt und ihn zu Benetton geholt hatte, reifte dieser dort erst zum Rennsieger und dann zu einem zweimaligen Weltmeister. 1995 erstmals mit Renaults übermächtigem V10-Motor im Heck, schien das Team den Dominatoren der frühen 1990er Jahre, Williams, endgültig den Rang abzulaufen. Schumacher hingegen war auf der Suche nach einer neuen Challenge. Zunächst verdichteten sich die Gerüchte über einen Wechsel zu McLaren Mercedes, doch Ferrari-Berater Lauda hatte Schumacher auch bei der Scuderia ins Spiel gebracht. Der neue Superstar der Formel 1 unterschrieb völlig überraschend einen Zweijahresvertrag bei einem Team, das seit 1979 keinen WM-Titel mehr gewonnen hatte und bei dem selbst Piloten wie Alain Prost gescheitert waren. Die Kritiker sagten Schumacher düstere Zeiten voraus und unkten, er sei nur dem Ruf des Geldes gefolgt. Elf Saisons und fünf WM-Titel später verließ der Deutsche Maranello als Rekordchampion.

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