Formel 1

Formel 1 Top-5: Die wildesten Ausreden der Piloten

Es zwickt, der andere ist schuld, Hollywood hat angerufen: Rennfahrer rechtfertigen schwache Leistungen und Fehler gerne. Die wildesten Stories.
von Florian Becker

5. Die Leiden des jungen Sergey

Sergey Sirotkin hat in seiner noch kurzen Formel-1-Karriere bisher nicht fahrerisch auf sich aufmerksam gemacht. Das muss er aber auch nicht, schließlich ist er erstens Rookie und hat zweitens wahrscheinlich früher als jeder andere Pilot damit begonnen, die richtigen Erklärungen für ausbleibende Erfolge zu finden. Schon beim allerersten Test 2014 für Sauber in Bahrain drückte beim hochsensiblen Sergey auf der Erbse im wahrsten Sinne des Wortes der Schuh. Denn die eigenen waren nicht rechtzeitig in der Wüste angekommen.

So musste er sich bei einem Fahrerkollegen bedienen, und dieses Schuhwerk war ihm zu klein: "Einmal konnte ich nicht mehr zurück an die Box fahren, weil es so weh tat." Vier Jahre später ist der Russe als Stammfahrer von Williams unterwegs - und auch hier hat es schon gezwickt. Allerdings an einer anderen Körperstelle. In Barcelona berichtete Sirotkin von Sitzproblemen - auch bekannt als Schmerzen am Allerwertesten: "Es ging am Ende also nur noch ums Überleben." Eine plausible Erklärung für den letzten Platz mit drei Runden Rückstand.

4. Verstappens ungeladener Party-Modus

Wenn es darum geht, Kritik anzunehmen, bewegte sich Red Bulls Wunderkind Max Verstappen lange Zeit zwischen Stur und Beratungsresistent. Mittlerweile gibt er ausgewählte Fehler (wenn man es so nennen kann) wie den 2018 im Training von Monaco sogar zu. Wenige Wochen zuvor in Bahrain war die Erklärung für seinen Abflug im Q1 aber noch derart abgefahren, dass selbst die Konkurrenz und der Teamchef sie nicht mehr richtig ernst nehmen konnten. Verstappen war beim Herausbeschleunigen aus Kurve zwei abgeflogen, nachdem es ihm nicht gelang, ein Power Oversteer abzufangen.

Seine Erklärung: Die Renault-Power-Unit soll urplötzlich 150 zusätzliche PS abgegeben haben, von deren Existenz niemand zuvor gewusst hatte. "Ich würde gerne mal wissen, wo diese 150 PS herkommen. Hat er etwa einen Party-Modus?", unkte Renault-Werksfahrer Nico Hülkenberg. Wenige Tage später stellte Teamchef Christian Horner klar: "Sein Fuß hat, als er über den Kerb fuhr, einen Ausschlag gemacht. Das ist ziemlich offensichtlich."

3. Ericssons Anschlag auf Grosjean

Romain Grosjean hat 2018 schon einige Böcke sowie ein Murmeltier geschossen. Den größten Klops leistete er sich aber ohne jeden Zweifel in Baku. Beim chaotischen Grand Prix von Aserbaidschan war er als Sechster kurz vor Schluss des Rennens drauf und dran, seine ersten WM-Punkte in der laufenden Saison einzufahren. Doch dann zeigten die Fernsehkameras den Haas-Piloten in der Wand - während einer Safety-Car-Phase. Grosjean hatte beim Aufwärmen von Bremsen und Reifen die Kontrolle verloren und war in die Mauer abgebogen.

Auf die Frage seines fassungslosen Ingenieurs, was denn passiert sei, lieferte Grosjean die einzig logische Antwort: "Ich glaube, Ericsson hat uns abgeschossen." Dumm nur, dass der Schwede ungefähr zehn Autolängen hinter ihm unterwegs war. Immerhin gab Grosjean im Nachhinein zu, versehentlich die Bremsbalance verstellt und so selbst für den Abflug gesorgt zu haben. Um den für die Anschuldigung des Konkurrenten wohlverdienten Spott abzuwenden, kam das aber zu spät. "Ericsson wars!" ist unter F1-Fans längst ein Meme.

2. Der Wind, der Wind...

Niemand kann ihn riechen, sehen oder schmecken - auch die Ingenieure nicht: Die Rede ist vom Wind. Ein immer gerne genommenes Wetterphänomen, wenn man mal wieder abgeflogen ist, keine Erklärung hat und trotzdem ganz sicher sagen kann, dass es nicht auf dem eigenen Mist gewachsen ist. Nico Rosberg war sich 2015 nicht zu schade, dem Wind für das Vergeben seiner letzten WM-Chance im Kampf gegen Lewis Hamilton den Schwarzen Peter zuzuschieben.

Der Mercedes-Pilot hatte beim US GP in Führung liegend zehn Runden vor Schluss das Heck verloren. Seine windige Erklärung wurde von der Presse mit Gelächter quittiert. "Nein, ich meine das ernst", beteuerte Rosberg. "Das hatten alle, deshalb soll es keine Entschuldigung sein. Es war immer noch ein Fehler, aber ich verstehe ihn jetzt." Hamilton bedankte sich für den Sieg und den vorzeitigen Titelgewinn und hatte außerdem seine ganz eigene Erklärung parat: "Ich hatte nicht erwartet, dass er so einen Fehler begeht und es mir dadurch so leicht macht. Aber es ist nicht einfach, wenn du jemanden wie mich in deinen Rückspiegeln hast. Da ist eine Menge Druck."

1. Lewis goes to Hollywood

Rosbegs Windböe war allerdings nichts im Vergleich zu dem, was Hamilton selbst einige Monate zuvor in Budapest aufgetischt hatte. Am Samstag noch dominant auf die Pole gefahren, war Hamilton im Rennen komplett von der Rolle. Auf einen schlechten Start folgte ein Verbremser, der ihn auf Platz zehn zurückwarf. Als Zugabe gab es eine Berührung mit Felipe Nasr und eine Kollision mit Daniel Ricciardo, für die es eine Durchfahrtsstrafe gab. Das Resultat war Platz sechs und damit sein schlechtestes Saisonergebnis. Die Erklärung?

"Den Abend zuvor wurde ich von Ridley Scott eingeladen. Er sagte: Komm zu den Dreharbeiten morgen früh. Und ich sagte: Klar natürlich!", erklärte Hamilton einige Tage später, dass er statt auszuschlafen lieber am Set von "Der Marsianer" mit Matt Damon Action machte. "Ich bin nicht vor 1 Uhr eingeschlafen, um 4 aufgewacht und um 8 Uhr musste ich raus." Nach dem aufregenden Erlebnis am Set überkam den Briten in den Briefings an der Strecke seine Müdigkeit und ihm wurde schnell klar: "Das ist nicht gut. Ich hab's gewusst."

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