Formel 1

Top-5 - Ex-Teamchefs: Gefängnis, Infernos & Comeback-Träume

In der Formel 1 sind nicht nur die Fahrer von hohem Wert. Ohne einen guten Chef schafft es kein Team zum Titel. Die fünf besten ehemaligen Teamchefs:
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Für Formel-1-Fans sind manche von ihnen fast so große Ikonen wie ihre Fahrer: die Rede ist von den Teamchefs. Doch auch ihre Zeit in der Königsklasse endet einmal. Das Leben danach könnte für die Wegbereiter von Michael Schumacher, Fernando Alonso & Co kaum unterschiedlicher sein.

5. Martin Whitmarsh

Als Martin Whitmarsh 2009 die Rolle des Teamchefs bei McLaren übernahm, arbeitete er bereits 20 Jahre in Woking. In dieser Zeit erlebte er an der Seite von Ron Dennis die größten Erfolge des Teams mit. Nach dem WM-Gewinn 2008 mit Lewis Hamilton entschloss sich Dennis, das Zepter an Whitmarsh zu übergeben. Dieser wurde im Jahr 2010 nur kurze Zeit später zum Präsidenten der Teamvereinigung FOTA gewählt. Sportlich gelang es ihm jedoch nicht, die in ihn gesetzten Erwartungen zu erfüllen. Zur Saison 2014 wurde er seines Amtes enthoben und Dennis übernahm wieder das Kommando. Danach zog es Whitmarsh in den Segelsport, wo er Chef des Olympioniken Ben Ainslie im America's Cup wurde. Diesen Posten legte er erst im November 2017 nieder, als er zeitgleich mit Alain Prost in den Beirat der Formel E aufgenommen wurde. Im Januar 2018 folgte der nächste Schritt zurück in die Motorsport-Welt. Die neuen Formel-1-Bosse von Liberty Media holten Whitmarsh für die Planung der ab 2021 angepeilten Kostenreduktion als Berater ins Boot.

Unsere Highlights der Formel-1-Saison 2018 (Pro & Contra): (19:47 Min.)

4. Alain Prost

Der viermalige Weltmeister Alain Prost kann in seiner Rolle als Teamchef nicht gerade als Institution bezeichnet werden. Zur Saison 1997 hatte der Franzose den Ligier-Rennstall übernommen und ihn in Prost Grand Prix umgetauft. Ende 2001 musste er das Unternehmen jedoch für gescheitert erklären. Prosts ambitionierter Versuch, eine Art französisches Nationalteam auf die Beine zu stellen, schlug auf allen Ebenen fehl. Die nächste Dekade verbrachte er ohne eine tragende Rolle in der Formel 1. Lediglich als Experte war er hin und wieder am Mikrofon zu sehen. 2012 wurde Prost Botschafter von Renault. Kurz darauf schloss er sich mit DAMS zusammen und gründete das Formel-E-Team e.dams. Als Partner von Renault gewann die Kooperation bereits drei Konstrukteurstitel in der jungen Rennserie. Seit 2017 ist die Fahrerlegende auch im Formel-1-Fahrerlager wieder regelmäßig anzutreffen. Für Renaults 2016 wiederbelebtes Werksteam fungiert er dort als Berater. Ende vergangenen Jahres wurde der 62-Jährige zudem in beratender Funktion in den Beirat der Formel E berufen.

3. Stefano Domenicali

Als Erbe von Jean Todt sollte Stefano Domenicali die Erfolgsgeschichte Ferraris ab 2008 weiterschreiben. Der Auserwählte kam aber nicht über den Gewinn der Konstrukteurs-WM im ersten Jahr hinaus. Mit Fernando Alonso gelang es ihm 2010 und 2012, Ferrari trotz mangelnder Konkurrenzfähigkeit im Titelrennen zu halten. Die Scuderia gab ihm weiter eine Chance, doch nach dem enttäuschenden Abschneiden 2013 nahm er im darauffolgenden Frühjahr seinen Hut. Wenige Monate später übernahm er bei der FIA den Vorsitz der Monoposto-Kommission und heuerte außerdem bei Audi an. Dort war er laut den Ingolstädtern für die Erschließung neuer Geschäftsfelder tätig, bis er im März 2016 als Geschäftsführer von Konzernschwester Lamborghini abgestellt wurde. Seitdem keimen vermehrt Gerüchte über eine Rückkehr der Marke in die Formel 1 auf. Domenicali bezeichnete ein Comeback bisher jedoch als einen Traum, der auch ein Traum bleiben würde. Doch wer weiß, vielleicht sorgt das neue Motorenreglement ab 2021 doch noch für ein Wiedersehen mit dem 52-Jährigen?

2. Eddie Jordan

Eddie Jordan ist dem Paddock als mindestens genauso bunter Vogel wie Flavio Briatore im Gedächtnis geblieben. Auch seine Laufbahn als Teamchef ist hauptsächlich mit Michael Schumacher verknüpft, dem er 1991 in Belgien das Formel-1-Debüt ermöglichte. Jordan Grand Prix war allerdings auch sportlich gut unterwegs, denn zwischen 1991 und 2005 gelangen immerhin vier Siege. Nachdem Jordan seinen Rennstall verkauft hatte, war er nach einer kurzen Auszeit regelmäßig in TV-Produktionen zu sehen. 2009 versuchte er sich in der Reality-Show Bad Boy Racers daran, kriminellen Jugendlichen eine neue Perspektive zu geben. Ebenfalls seit dieser Zeit wirkt er als Experte bei den britischen Formel-1-Übertragungen mit. Seit 2016 zählt er zum Moderatoren-Team des weltbekannten TV-Formats Top Gear. Dies brachte den 69-Jährigen Anfang 2018 in die Schlagzeilen. Bei Dreharbeiten im Rahmen der Rallye Monte Carlo ging der Renault Alpine von ihm und seinem Kollegen Chris Harris in Flammen auf. Das Duo kam mit dem Schrecken davon.

1. Flavio Briatore

Der extrovertierte Flavio Briatore war zwischen 1989 und 2009 als Teamchef von Benetton und Renault eine feste Größe in der Formel 1. Seine Karriere wird wohl auf ewig mit den Durchbrüchen von Michael Schumacher und Fernando Alonso verbunden sein - und mit dem Crashgate-Skandal von 2008, der seine Laufbahn beendete. Im Februar 2018 stand er jedoch erstmals seit langer Zeit wieder selbst im Fokus der Medien. In Italien wurde Briatore zu 18 Monaten Haft verurteilt, da er dem Fiskus in Zusammenhang mit seiner auf den Cayman-Inseln gemeldeten Luxusyacht rund 4,5 Millionen Euro schulden soll. Damit scheint sich ein Kreis zu schließen, denn kurz bevor ihm in den 1980er Jahren Freund und Mode-Unternehmer Luciano Benetton den Einstieg in den Motorsport ebnete, befand sich Briatore in der Karibik im Exil. Er hatte es sich durch Insolvenzen mit der einheimischen Justiz verscherzt und umging mit dem Verlassen Italiens erfolgreich diverse Haftstrafen. Eine Amnestie und 30 Jahre später bleibt abzuwarten, ob der 67-Jährige abermals seinen Kopf aus der Schlinge ziehen wird.

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