Formel 1

Formel 1, Ferrari-Teamchef: Das war Vettels Job, kein Fehler

Ferrari-Teamchef Maurizio Arrivabene verteidigt Sebastian Vettel für seinen Japan-Unfall mit Max Verstappen. Kein Fehler, sondern sein Job. WM-Traum lebt.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Für Sebastian Vettel und Ferrari sind nach dem Japan GP die Chancen auf beide WM-Titel in der Formel 1 2018 so gut wie erloschen. Vettel weist in der Fahrerwertung 67 Punkte Rückstand auf Lewis Hamilton auf. Holt der Brite in Austin nur acht Punkte mehr, ist er bereits in den USA vorzeitig Weltmeister.

So wird Lewis Hamilton schon beim nächsten Rennen in Austin, Texas Weltmeister. - Foto: Sutton/Motorsport-Magazin.com

Mercedes kommt unterdessen auf 78 Zähler mehr in der Teamwertung, das entspricht fast zwei Doppelsiegen Vorsprung auf Ferrari. Dennoch gibt die Scuderia nicht auf. Zumindest formuliert es Teamchef Maurizio Arrivabene so. "Ich weiß, dass die Situation unmöglich aussieht. Aber unser Job ist es manchmal, das Unmögliche zu versuchen", wird der Italiener auf der offiziellen Website der Formel 1 zitiert.

Arrivabene: Ferrari versucht jetzt das Unmögliche

"Und das werden wir in den kommenden Rennen versuchen. Wir werden unsere Konzentration und Entschlossenheit aufrechterhalten." Arrivabene gibt den starken Leader. Er muss ihn geben, gilt er doch selbst auf seinem Posten durch den jetzt erneut zu erwartenden, ausbleibenden Erfolg als Wackelkandidat. "Wir gewinnen und verlieren zusammen und am Ende bin ich der Verantwortliche", weiß er selbst, nimmt damit den Rest des Teams samt seiner Fahrer in Schutz.

Noch am Samstag des Rennwochenendes in Japan hatte sich das im Eifer des Gefechts ganz anders angehört. Nach einem völlig verpatzten Qualifying kritisierte Arrivabene die völlig unzulängliche Strategie des Ferrari-Kommandostands. Auch in Sachen Fahrer hatte es 2018 bereits leise Kritik gegeben, zumindest zwischen den Zeilen.

Arrivabene verteidigt Vettel: Unfall kein Fehler

Man erinnere sich nur an Hockenheim, als Arrivabene in der offiziellen Presseaussendung Ferraris statt aufbauender Worte für Sebastian Vettel nur davon sprach, das Auto sei ganz klar siegfähig gewesen. Zuletzt allerdings präsentierte sich der Ferrari-Anführer anders. Schon in Singapur sprach er ganz klar von sich als Hauptverantwortlichem. Er wolle mit dem Finger ganz sicher auf niemanden zeigen. Das führe nur zu einer Angstkultur, so Arrivabene sinngemäß.

Formel 1 2018: Top-Themen nach dem Japan GP: (10:08 Min.)

Dazu passend äußert sich Arrivabene nun nach dem Japan GP auch zu Sebastian Vettels Unfall mit Max Verstappen. "Warum müssen wir darüber sprechen? Es ist kein Fehler. (…) Sebastian hat seinen Job gemacht und soweit ich weiß, war sein Auto innen. Wenn man also über Rennzwischenfälle sprechen muss, dann ist diese Version für mich in Ordnung", verteidigt Arrivabene Vettel. Im letzten Punkt lagen die Stewards auf derselben Linie.

In der öffentlichen Wahrnehmung, seitens vieler Experten und Medien, jedoch wurde dagegen insbesondere Vettel für den Vorfall zur Rechenschaft gezogen. Wenn nicht als klarer Schuldiger für den Unfall selbst, dann doch wenigstens für zu viel Risikobereitschaft. So meinte auch Verstappen selbst, Vettel habe ihn nur wenig später dank überlegener Pace doch ohnehin leicht kassieren können.

Vettel dagegen verteidigte sich bereits nach dem Rennen schon per Boxenfunk. "Wenn ich nicht in diese Lücke stoße, dann kann ich auch zuhause bleiben. Und die Lücke war da", so der Deutsche. Wie Arrivabene will Vettel die WM übrigens selbst jetzt nicht aufgeben. Nicht so lange es noch rechnerisch möglich ist. "Natürlich gibt es noch eine Chance", sagt Vettel.

Diese Szene zeigt: Ferrari hat aufgegeben

"Aber in den letzten Rennen haben wir es ihnen (Mercedes, Anm. d. Red.) etwas zu einfach gemacht. Aber sie haben das auch gut vollstreckt. Aber wenn wir Sechster werden und sie das Rennen gewinnen, dann hilft das natürlich nicht."

Doch Aussagen sind das eine, Taten das andere. Dass Ferrari tatsächlich nicht mehr an die WM-Titel glaubt, zeigt alleine der selbst jetzt noch nicht angeordnete Platztausch zwischen Vettel und Kimi Räikkönen am Ende des Rennens in Suzuka. Vettel hätte durch diese Teamorder leicht zwei Punkte mehr mitnehmen können. Der Realismus, dass eine Stallregie erst jetzt dann auch keinen Sinn mehr ergibt, scheint bei der Scuderia allerdings doch eingezogen.

Formel 1 2018: Japan Grand Prix Analyse: (49:35 Min.)


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