Formel 1

Formel 1, Geschichte 1995: Wie Schumacher Deutschland erlöste

Sebastian Vettel will es Michael Schumacher 2018 in Hockenheim gleichtun. Die F1-Legende gewann dort vier Mal. Rückblick auf Schumis Triumphe im Motodrom.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Sebastian Vettel hat 2018 im Ferrari gute Chancen, beim Großen Preis von Deutschland auf dem Hockenheimring in Michael Schumachers Fußstapfen zu treten. Dem Heppenheimer steht mit dem SF71H im WM-Kampf gegen Mercedes-Pilot Lewis Hamilton das bisher beste Auto zur Verfügung, das Maranello seit seiner Ankunft 2015 gebaut hat.

Bisher kann Vettel nur auf einen Sieg in der Heimat zurückblicken, 2013 mit Red Bull auf dem Nürburgring. Jugendidol und Freund Michael Schumacher gewann in Hockenheim hingegen vier Mal und ist damit alleiniger Rekordhalter, was Siege beim Deutschland GP angeht. Vor allem der erste Triumph des Rekordweltmeisters 1995 war ein Meilenstein. Wir blicken zurück auf Schumis unvergessenen Siege im Motodrom.

1995: Schumachers erster Streich im Motodrom

Schon bei seinem ersten Anlauf auf heimischem Boden schürte Michael Schumacher 1992 die Hoffnungen auf einen baldigen Heimsieg, als er hinter Nigel Mansell und Ayrton Senna als Dritter auf das Podium fuhr. Im Jahr darauf ging es mit Platz zwei auf dem Treppchen gleich noch eine Stufe weiter nach oben. Die Formkurve des Kerpeners mobilisierte die Massen und das Motodrom des damaligen Highspeed-Kurses erfreute sich mit jeder Saison eines größeren Zulaufs.

Spätestens 1994, als Schumi zum Zeitpunkt des Deutschland GP bereits sechs Saisonsiege in der Tasche hatte, waren die Fans in freudiger Erwartung des ersten Sieges eines Lokalmatadors - 43 Jahre nach der Premiere des Großen Preises von Deutschland im Rahmen der Formel-1-WM. Doch schon in der vierten Runde des Rennens beendete ein Motorschaden am in Führung liegenden Benetton diesen Traum. Der Heimsieg blieb Schumacher auf dem Weg zum ersten WM-Titel damit verwehrt.

In der Saison 1995 befand sich Schumacher erneut im WM-Kampf. Als der Formel-1-Zirkus Ende Juli zum neunten Rennen der Saison nach Hockenheim reiste, hieß es wiederum Michael Schumacher vs. Damon Hill, Benetton vs. Williams. Nach Siegen stand es vor dem Rennen 4:2 für Schumacher und der Kampf mit Hill hatte beim vorherigen Grand Prix in Silverstone stark an Intensität gewonnen. Der Williams-Pilot hatte sich und seinen Widersacher vor Heimpublikum mit einem übermotivierten Manöver ins Aus befördert.

Die Stimmung zwischen Schumacher und Hill war auch in Hockenheim noch angespannt - Foto: LAT Images

Schumacher und Hill liefern sich Kopf-an-Kopf-Duell im Qualifying

Hill stand unter Druck, denn Schumacher drohte in der WM zu enteilen - und obendrein hatte Williams einen seiner großen Vorteile aus dem Vorjahr verloren. Während Benetton in Sachen Leistung 1994 mit dem V8-Motor von Ford auf Power-Strecken einen Nachteil gegenüber der Konkurrenz hatte, gingen 1995 beide WM-Kandidaten mit einem V10-Aggregat von Renault ins Rennen. Auf den langen Waldgeraden des damaligen Hockenheimrings versprach diese Konstellation ein spannendes Kopf-an-Kopf-Duell.

Schon im Qualifying schenkten sich Schumacher und Hill nichts. Auf dem 6,823 Kilometer langen Kurs trennten sie am Ende lediglich 0,080 Sekunden - mit dem besseren Ende für Hill. Der machte nicht nur im Zeittraining, sondern auch am Start den etwas besseren Job und behauptete seine Führung. Nach einer Runde hatte er bei der Überfahrt von Start- und Ziel bereits einen Respektabstand zwischen sich und Schumacher gebracht, der ihn auf den langen Geraden vor Attacken des Gegners schützen sollte.

Schumacher ließ sich den Sieg nach dem Fehler von Hill nicht mehr nehmen - Foto: LAT Images

Hill zerbricht am Druck, Schumacher jubelt

Doch in diesen Genuss sollte Hill gar nicht erst kommen: Hill verlor beim Einlenken in die Nordkurve das Heck seines Williams FW17 und schlug in die Reifenstapel ein. Während er seinen Ausfall als ziemlich verheerend für die Weltmeisterschaft bezeichnete, freute sich Schumacher über das Geschenk des Gegners: "Als ich Damon abfliegen sah, konnte ich es nicht glauben. Ich dachte mir: Großartig, das ist es!"

Ein Spaziergang sollten die folgenden 44 Runden bis zur Zielflagge für Schumacher aber nicht werden, denn Hills Teamkollege David Coulthard folgte ihm wie ein Schatten. Die Benetton-Strategen sorgten mit dem Wechsel auf eine Zweistopp-Strategie dafür, dass Schumacher den nötigen Vorsprung herausfahren konnte und mit dem ersten Sieg eines deutschen Piloten beim Grand Prix von Deutschland Geschichte schreiben durfte.

Dank seines Flüchtigkeitsfehlers durfte Schumi 1995 seine wohl berühmteste Ehrenrunde in der Formel 1 drehen - Foto: Sutton

Schumi dreht die Ehrenrunde seines Lebens

Gleich nach der Zieldurchfahrt ließ er sich vom Publikum gebührend feiern - und würgte dabei den Motor ab. Sein Fauxpas sorgte für eine der wohl längsten und erinnerungswürdigsten Ehrenrunden der Geschichte. Statt ihn zurück zur Box zu schleppen, wurde Schumacher von einem Streckensicherungsfahrzeug um die gesamte Runde zurück an die Box gezogen.

Zunächst verschwand er zwischen den Pinienwäldern Hockenheims, um dann zurück im Motodrom erneut von den Fans empfangen und frenetisch gefeiert zu werden. "Ich fühle mich wie auf Wolke Sieben, vielleicht noch mehr als nach meinem Titelgewinn. Die Unterstützung der Fans ist ein elektrisierendes Gefühl, es ist fantastisch. Als ich ins Motodrom kam, war es einfach unglaublich. Ich kann es nicht in Worte fassen", so der überglückliche Schumacher.

Schumachers Sieg 1995 war der erste eines Deutschen beim Formel 1 GP von Deutschland - Foto: Sutton

2002: Erster Heimsieg in Rot

Die Vorzeichen für einen Schumacher-Sieg beim Deutschland GP standen 2002 gut, schließlich hatte er in der laufenden Saison bereits acht Siege und kurz zuvor in Magny Cours sogar den vorzeitigen Gewinn der WM gefeiert.

Beim ersten Rennen der Formel 1 auf dem neuen Hockenheimring knüpfte Schumacher nahtlos an diese Serie an und gewann vor dem BMW-Williams-Duo Juan Pablo Montoya und Ralf Schumacher zum zweiten Mal in der Heimat - und zum ersten Mal in den Farben von Ferrari.

2002 gewann Schumacher bereits mit Titelverteidigung im Gepäck in Hockenheim - Foto: Sutton

2004: Außer Konkurrenz

Nachdem BMW Williams-Pilot Montoya 2003 auf dem Hockenheimring dominierte, schlug Michael Schumacher im darauffolgenden Jahr zurück. Nachdem er sich zunächst die Pole Position vor dem Kolumbianer sicherte, holte er am Sonntag im zwölften Rennen der Saison seinen elften Sieg.

Sein größter Herausforderer an diesem Tag war jedoch nicht Montoya, sondern Jenson Button. Der Brite wurde im BAR Zweiter, obwohl er nach einem Motorwechsel nur von Startplatz 13 ins Rennen gegangen war.

Auch 2004 auf dem Weg zu seinem siebten WM-Titel war Schumacher auf dem Hockenheimring erfolgreich - Foto: Sutton

2006: Erfolgreich auf der Abschiedstournee

In der Saison 2006 befand sich Schumacher gegen Fernando Alonso in seinem letzten großen WM-Kampf. Vor dem zwölften Saisonrennen in Hockenheim lag der Ferrari-Star in der WM hinter seinem spanischen Herausforderer, doch er ließ nicht locker.

Im Qualifying hatte einzig Kimi Räikkönen noch die Oberhand, doch im Rennen war gegen Ferrari kein Kraut gewachsen. Schumacher holte seinen vierten und letzten Sieg auf heimischem Boden. Die WM ging am Ende zwar an Alonso, doch der letzte Schumi-Sieg in Hockenheim wird für immer in Erinnerung bleiben.

In seiner letzten Saison mit Ferrari feierte Schumacher 2006 mit Monza und Hockenheim Siege an zwei emotionalen Orten - Foto: Sutton

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