Formel 1

Aggro-Kerbs spalten Formel 1 in Spielberg: Dann lieber Mauern

Die Wurst-Kerbs des Red Bull Rings sorgen im Training zum Österreich GP für Blechschäden ohne Ende. Zu aggressive Maßnahme gegen Track-Limit-Verstöße?
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Diese Frage begleitet die Formel 1 bei jeder Rückkehr nach Spielberg: Sind die gelben, wurstartig geformten Kerbs in den Auslaufzonen zu grob, zu aggressiv, zu gefährlich? Vor allem in der vorletzten und letzten Kurve des Red Bull Rings waren auch in den ersten Trainings zum Österreich GP 2018 wieder jede Menge Zwischenfälle mit den quer auf den Randsteinen aufgeschraubten Kerbs zu beobachten gewesen.

Allen voran bei Stoffel Vandoorne und Fernando Alonso sah es zunächst brisant aus, als etwa der Belgier sich in der letzten Kurve zu weit heraustragen ließ, auf den gelben Kerb geriet und sich den Frontflügel zerstörte. Auch der Teamkollege kam immer wieder in Turbulenzen mit der gelben Gefahr.

McLaren zerstört Frontflügel, Toro Rosso bricht Aufhängung

"Seine Aufgabe wurde heute durch mehrere zerstörte Teile erschwert, die durch die gelben Wurst-Kerbs verursacht wurden, die es hier an manchen Kurvenausgängen gibt. Wir haben heute gelernt, dass man die unbedingt vermeiden sollte, wenn man nicht in Probleme geraten will", so McLaren-Renndirektor Eric Boullier.

Doch erwischte es McLaren nicht einmal am heftigsten. Noch krasser traf es Max Verstappen. Unterboden am Red Bull zerstört. Oder den Toro Rosso von Pierre Gasly. Beim Franzosen brach die Spurstange, sodass er nur mehr Passagier war, im Kiesbett strandete. "Nach dem ersten Run habe ich nur Vibrationen gespürt, da hat das Team noch nichts gefunden. Aber als ich dann während meines Ultrasoft-Runs nochmal auf den Kerb musste, weil ich wegen der Force India vor mir Untersteuern bekam, brach einfach die Spurstange. Ich konnte nicht mehr lenken, bin einfach geradeaus", berichtet Gasly von seiner Machtlosigkeit.

Gasly: Charlie meinte, baut eben stärkere Flügel

"Wir haben da gleich einige Schäden am Bodywork erlitten", klagt Chefrenningenieur Jonathan Eddolls sogar. "Diese Strecke ist echt hart zu den Autos mit diesen gelben Wurstkerbs am Kurvenausgang." Gasly bestätigt: "Wir haben heute so gleich drei Nasen zerstört! Aber du nimmst die Kerbs eben mit, weil es Rundenzeit bringt. Dann machst du das als Fahrer. Aber du beschädigst sie bei diesen Kerbs eben schnell von unten." Rennleiter Charlie Whiting habe auf das Thema im Fahrerbriefing zurückweisend reagiert. "Wir sollen eben stärkere Frontflügel bauen, hat er gesagt", berichtet Gasly.

Doch ist das so mal eben über Nacht natürlich nicht möglich. Also muss anders Abhilfe geschaffen werden. Wie? Die leichteste Lösung natürlich: Einfach vorsichtiger fahren. Das schlagen einige Fahrer vor. "Nicht drauffahren, dann passiert dir nichts", meint etwa Nico Hülkenberg. Abbauen und einfach mehr Strafen wegen Track Limits verteilen müsse nicht sein. "So weiß jeder, wenn's da hingeht tut's weh, oder das Auto ist hinüber", so des Emmerichers Erklärung.

Hamilton, Vettel, Hülkenberg plädieren für Eigenverantwortung

Lewis Hamilton stimmt zu: "Ich habe es gemerkt und bin einfach von den gelben Dinger weggeblieben. Ich habe keinen berührt. Doch erkennt der Weltmeister auch das potentielle Problem - zumindest bei manch anderem: "Ich habe gesehen, dass ein paar es getan haben. Es kann auch leicht passieren wenn du mit so viel Speed um die Kurven fährst."

Auch Sebastian Vettel plädiert ganz einfach für mehr Eigenverantwortung. "Ich denke, dass es kein Problem ist solange du sie vermeidest. Aber wenn du sie triffst, bist du natürlich nur noch Passagier. Manche sind aber auch ohne Probleme über die Kerbs gefahren, bei anderen gab es Aufhängungsdefekte und Flügel, die abfielen. Ich denke aber nicht, dass es hier Absicht ist, die Autos zu beschädigen", stellt der Ferrari-Fahrer klar.

Verstappen: Mauern hinbauen geht auch nicht

"Ich denke, wir wissen sowieso, dass wir nicht so weit gehen dürfen. Aber es ist auch leicht gesagt. Wenn du sehr hart pushst kann es immer passieren. Für uns war es kein Problem. Nicht für mich. Nicht für Kimi." Auch Max Verstappen versteht das plötzliche Drama nicht. "Die letzten zwei Jahre war es schon so, das ist nicht ideal, aber es ist so. Und es ist für jeden so. Ich glaube, die werden gar nichts machen", meint der Red-Bull-Pilot über mögliche Maßnahmen. So sieht es auch Mario Isola von Pirelli: "Wir haben heute gebrochene Aufhängungen gesehen und wissen, dass die Kerbs hier ziemlich aggressiv sind."

Ohnehin sei fraglich, welche Alternative es geben könnte. "Natürlich beschädigen wir uns die Frontflügel, aber wenn sie Mauern hinbauen, dann schlagen wir da ein ...", so Verstappen. Etwas anders sieht es Dr. Helmut Marko, insbesondere angesichts der Vorfälle im Juniorteam um Pierre Gasly.

Marko will lieber Mauern als Fake-Auslaufzonen

"Die Wurstkerbs sind sicher zu arg. Wenn du draufkommst sind der Flügel und Teile des Unterbodens definitiv zerstört, da werden wir Lösungen finden müssen", fordert der Motorsportberater Red Bulls. "Auch den Gasly-Vorfall muss man genau anschauen. Dass ein Aufhängungsteil kaputtgeht sollte eigentlich nicht sein. Es gibt Handlungsbedarf!" Einfach zur Mauer erklären, ein Überfahren der Kerbs verbieten könne man nicht. "Dann machen wir eben eine richtige Mauer! Aber Auslaufzonen, die keine sind, ist sicher nicht der richtige Weg", so Marko zu Motorsport-Magazin.com. Dieser Meinung ist auch Sergio Perez: "Die Kerbs hier sind einfach nicht gut."


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