Formel 1

Formel 1 Frankreich: Vettel-Strafe zu lasch? FIA verteidigt

Sebastian Vettel räumte beim Formel-1-Rennen in Frankreich Valtteri Bottas ab. Die Strafe dafür war für viele zu lasch. Nun erklärt sich die FIA.
von Christian Menath

Motorsport-Magazin.com - Der Frankreich GP erhitzte nach dem Rennen noch immer die Gemüter. Speziell die Szene nach dem Start, als Sebastian Vettel Valtteri Bottas abschoss, sorgte für Gesprächsstoff. Vor allem im Mercedes-Lager. Lewis Hamilton bezeichnete den Unfall als 'verrückt', Niki Lauda reichte das Strafmaß nicht.

Vettel erhielt von den Stewards eine Fünf-Sekunden-Strafe, die er bei seinem zweiten Boxenstopp absaß. Am Ergebnis änderte die Strafe nichts, Vettel landete 27 Sekunden hinter Daniel Ricciardo, der auf Rang vier ins Ziel kam.

"Warum bekam Vettel nur fünf Sekunden für diesen enormen Fehler? Das verstehe ich nicht. Das ist zu wenig", polterte Niki Lauda bei Sky Sports UK und fügte hinzu: "Fünf Sekunden sind nichts. Er hat sich selbst und Bottas das ganze Rennen zerstört."

Frankreich-Stewards geben Vettel mildeste Strafe

Tatsächlich entschieden sich die vier Rennstewards Garry Connelly, Enzo Spano, Yannick Dalmas und Jean-Marie Krempff für die mildeste zur Verfügung stehende Strafe. Die nächsten Stufen auf der Strafen-Skala wären 10-Sekunden, dann eine Durchfahrtsstrafe gefolgt von einer Stop-and-Go-Strafe gewesen.

"Dass sie sich für die fünf Sekunden entschieden haben, war im Einklang mit anderen Unfällen dieser Art", verteidigte FIA Rennleiter Charlie Whiting das Strafmaß. Whiting selbst spricht keine Strafen aus, er meldet nur Zwischenfälle an die Stewards. Diese - in ständig wechselnder Besetzung und mit einem Fahrer-Steward verstärkt - entscheiden dann völlig unabhängig.

Grundsatzdebatte: Unfall-Konsequenzen bei Strafmaß berücksichtigen?

"Wenn man die Konsequenzen des Unfalls in das Strafmaß mit einbezieht, könnte man auch anders urteilen", gesteht Whiting angesichts der Tatsache, dass Bottas' Rennen mit dem Unfall zerstört wurde. "Aber die Stewards versuchen, die Konsequenzen nicht mit einzubeziehen", fügte Whiting an.

Ihre Entscheidungen unterliegen dem Technischen und Sportlichen Reglement, sowie Richtlinien und dem International Sporting Code. Tatsächlich ist es immer wieder ein großer Streitpunkt, ob die Konsequenzen des Unfalls mit in das Strafmaß mit einfließen sollen. Ist ein Eingriff in die Weltmeisterschaft schlimmer als ein Unfall im Mittelfeld? Welche Konsequenzen trug der Beschuldigte selbst durch den Unfall? Schließlich wurden Vettels Siegchancen durch den Unfall ebenfalls eliminiert.

Es ist eine ewige Diskussion: Gesunder Menschenverstand vs. strikte Richtlinien. Die Stewards sind aber dazu angehalten, die Konsequenzen des Zwischenfalls nicht mit in das Strafmaß einfließen zu lassen. Denn dadurch könnten auch uneinheitliche Entscheidungen getroffen werden - was auf jeden Fall verhindert werden soll.

Vettel: Mein Fehler, aber konnte nichts dafür

Vettel selbst sah die Strafe zwiegespalten: "Ich wurde bestraft, es war mein Fehler. Ich habe aber ohnehin schon nicht am Bremspunkt wie in der Qualifikation gebremst. Durch die Autos vor und neben mir hatte ich keinen Grip. Alleine hätte ich die Kurve locker bekommen. Und man bremst nicht schon 200 Meter vor der Kurve, nur weil man in einer solchen Position gefangen sein könnte. Im Nachhinein hätte ich eigentlich nur schlechter starten können."


Weitere Inhalte:
Wir suchen Mitarbeiter