Formel 1 / Kolumne

Bas Leinders: Ich rechne nicht mit Strafen

Bas Leinders erklärte, warum es in seinen Augen keine Strafen für die Michelin-Teams geben wird und nannte die Schlüsselfaktoren für Magny-Cours.
von Bas Leinders

Motorsport-Magazin.com - Liebe motorsport-magazin.com Leserinnen und Leser,

Ich habe im ersten Moment nicht glauben können, was in den USA passierte. Als Fernando Alonso in die Box fuhr dachte ich, dass vielleicht nur ein paar Fahrer nicht am Rennen teilnehmen würden. Aber ich hätte niemals gedacht, dass es alle sein würden!

Für die Formel 1 war das natürlich keine tolle Sache, denn mit sechs Autos am Start fehlte jeder sportliche Reiz dieses Rennens. Und für die Fans ist das sehr schade, denn ich bin mir sicher, dass wir ein spannendes Rennen gesehen hätten.

Es ist ja so, dass jeder Fehler machen kann. Das kann auch den ganz großen Firmen passieren, wie wir mit Michelin in den USA gesehen haben. Allerdings hat Michelin sehr professionell auf die Situation reagiert und gesagt: "Okay, es ist unser Fehler, wir tragen die Schuld." Dagegen wäre es besser gewesen das Rennen zu fahren – allein schon für die Fans. Kompromissvorschläge gab es ja. Wenn Michelin sagt, dass die Reifen zehn Runden halten, dann hätten sie ja die zehn Runden fahren können, hätten einen Boxenstopp gemacht und dann weitergeschaut. Das wäre immer noch besser gewesen, als das Rennen mit sechs Autos zu beginnen.

Beim Meeting des World Council am Mittwoch glaube ich nicht, dass es eine Strafe für die Teams geben wird. Es handelte sich in Indianapolis eindeutig um ein Sicherheitsproblem für die Autos und Fahrer. Es war offenbar nicht möglich zu fahren und von Boykott kann keine Rede sein. Von daher kann man da im Prinzip nichts machen.

Für die Formel 1 in den USA war dieses Schauspiel keine gute Werbung. Ich denke jedoch, dass 2006 ein Rennen in Indianapolis stattfinden wird. Die Organisatoren werden versuchen müssen das Rennen gut zu bewerben und dann wird in Zukunft wieder alles in Ordnung sein. Die Formel 1 steht natürlich in der Beliebtheitsskala unter NASCAR, ChampCar und IRL, aber dennoch ist es möglich, dass die Formel 1 in den USA an Popularität gewinnen kann. Das ist unter anderem mit einem amerikanischen Fahrer möglich, etwa Scott Speed.

Bei all den Diskussionen um den USA GP sollte man das bevorstehende Rennen in Magny-Cours nicht vergessen. Dort kommt es vor allem darauf an, schnell durch die schnellen Kurven zu kommen, etwa Estoril oder auch die Schikane. Am meisten Zeit kann man dagegen in den langsamen Passagen verlieren und deshalb sind eine gute Stabilität, Balance und Traktion sehr wichtig. Dazu ist der Asphalt sehr eben, weshalb die Autos extrem tief liegen und hart gedämpft sein werden.

Was die Reifen betrifft, so werden wohl Strukturen zum Einsatz kommen, die außen härter sind, um für eine gute Stabilität in den Kurven zu sorgen. Die Mischung wird unterdessen eher weich sein. Probleme, wie in Indianapolis, sollte es nicht geben.

Für Indianapolis hatte ich ja auf Trulli gesetzt und der stand dann auch auf Pole. Ich denke, dass in Frankreich wieder mit Toyota zu rechnen sein wird. Die Pole war ein extremer Boost für Toyota. Sollte Ralf Schumacher nicht fahren können, wäre das ein Nachteil. Olivier Panis ist zwar ein sehr guter Pilot, aber er ist auch schon länger kein Rennen mehr gefahren. McLaren und Renault werden mit Trulli den Sieg unter sich ausmachen, wobei ich Ferrari nicht abschreiben würde. Hier kommt es auf die Reifen an und wie stark der Bridgestone Pneu im Qualifying sein wird.

Euer Bas Leinders


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