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Ayrton Senna - Der Tag an dem die Sonne vom Himmel fiel

Der 1. Mai des Jahres 1994 wird in der Formel 1 niemals vergessen werden und auf alle Zeit jener Sonntag sein, an welchem die Sonne vom Himmel fiel.
von Stephan Heublein/Luiz Roberto Maciel

Motorsport-Magazin.com - Das Rennwochenende des Großen Preises von San Marino 1994 ging als "schwarzes Wochenende" in die Geschichtsbücher der Formel 1 Welt ein. Am Freitag verunglückte der Brasilianer Rubens Barrichello schwer, welchen sein Landsmann Ayrton Senna sofort im Krankenhaus besuchte. Am Samstag erlitt die Formel 1 dann ihren ersten schweren Stich seit Jahren: Der Österreicher Roland Ratzenberger verstarb nach einem schrecklichen Unfall. Wieder war Ayrton Senna an der Unfallstelle vor Ort und wurde verjagt.

Und dann kam der schwarze Sonntag. Der 1. Mai des Jahres 1994. Der Tag an dem laut Gerhard Berger "die Sonne vom Himmel fiel".

Ayrton Sennas Sonne fiel am 1. Mai 1994 vom Himmel. - Foto: Sutton

"Dieses Wochenende werde ich nie vergessen", erinnert sich Ayrton Sennas langjähriger Physiotherapeut und Freund Josef Leberer zurück. "Es begann mit dem Unfall von Barrichello. Am Samstag starb dann Roland Ratzenberger. Ayrton ist zum Unfallort gefahren. Doch dort hat man ihn weggejagt. So zornig wie damals habe ich ihn vorher nie erlebt. Er kam zurück und bebte, mir wollen sie was über Sicherheit erklären, kochte er. Seine Rennfahrer-Kollegen waren ihm wichtig, auch wenn das nicht so rüber kam."

"Wir hatten an diesem Imola-Samstag vor, meinen Geburtstag zu feiern", ruft sich der heutige Sauber-Betreuer von Giancarlo Fisichella und Felipe Massa im Gespräch mit unseren Kollegen der Motorsport aktuell weiter die Szenen jenes letzten Abends mit Ayrton Senna in Erinnerung. "Wir haben uns alle getroffen, aber es war ein seltsames Abendessen in einer sehr gedrückten Stimmung. Ich möchte nichts hinein interpretieren, aber Ayrton sind an diesem Abend viele ernste Gedanken durch den Kopf gegangen, es war eine unheimliche Stimmung."

Normalerweise machten Senna und Leberer am Samstagabend vor dem Rennen immer "ihre Therapien". Doch an diesem Abend sagte der Brasilianer zu Leberer: "Geh schlafen, wir verzichten heute darauf."

Vor dem Start des San Marino Grand Prix 1994 stand Leberer wie üblich bei Ayrtons Auto. "Er war sehr ernst. Ich sah seine Augen und wusste: Alles erschien ihm sinnlos. Sein Blick verlor sich in der Ferne. Im Laufe der Zeit verstanden wir uns jenseits der Worte. Aber ich konnte auch nur so gut sein, wie er es zuließ. Damals am Start war alles sehr eigenartig. Er war irgendwie gar nicht mehr da."

Ayrton Senna fuhr viel zu kurz für Frank Williams. - Foto: Sutton

Sennas Freund und Ex-McLaren-Teamkollege Gerhard Berger fuhr damals bei Ferrari. "Als der Streckensprecher seinen Namen nannte und die Tifosi brüllten, huschte ein Lächeln über Ayrtons Gesicht. Das war sein letztes Lächeln."

In Runde fünf des dritten Saisonrennens auf dem Autodromo Enzo e Dino Ferrari ereignete sich dann jener Unfall, welcher die Formel 1 Welt für immer verändern und die Gerichte unverständlicherweise bis heute beschäftigen sollte. Bereits in Runde 16 gab Sennas Freund Gerhard Berger dann das Rennen auf: "Ich lag nach dem zweiten Start in Führung, aber ich konnte einfach nicht mehr, hab nach ein paar Runden aufgegeben und hab eineinhalb Wochen überlegt: Willst Du überhaupt noch? Ich bin dann noch dreieinhalb Jahre Formel 1 gefahren."

Die letzte Reise von Ayrton Sennas Leichnam führte dann aus Italien über Paris nach Sao Paulo, wo der Sarg mit dem verstorbenen F1-Piloten von unzähligen seiner Landsleute in Empfang genommen wurde. "Als wir in Brasilien zur Landung ansetzten, ging die Sonne auf. Die Ankunft kann ich kaum schildern", berichtet Josef Leberer. "Es war ein Staatsempfang. Auf den 25 Kilometern vom Flughafen in die Stadt standen zigtausende Menschen Spalier – teilweise auf den Dächern. Menschen liefen vom Flugplatz weg neben dem Sarg einher. Arme und Reiche, Junge und Alte, Schwarze und Weiße standen am Straßenrand."

Und auch F1-Journalist Livio Oricchio, der als einer der Wenigen mit dem Sarg des mittlerweile legendären Ayrton Senna von Paris in sein Heimatland gereist war, erinnert sich nur zu gut an jene Szenen: "Die Szenen am Flughafen sind kaum zu beschreiben. Millionen säumten den Weg in die Stadt. Sie nahmen Abschied von einem Mann, den sie jeweils vom Frühling bis Herbst fast jeden zweiten Sonntag in der Stube zu Besuch hatten."

Ayrton Senna fühlte sich schon immer auf vier Rädern heimisch. - Foto: Sutton

Deswegen sagt Oricchio: "Es ist für Nicht-Brasilianer vielleicht schwierig zu verstehen, was Senna für seine Landsleute bedeutete. Die Menschen identifizierten sich zu hundert Prozent mit Ayrton. Wenn er fuhr, dann stand fast im ganzen Land das Leben still, alle wollten sehen, wie er sich aus der Affäre zog. Wenn er siegte, siegten auch sie. Wenn er verlor, dann quälte es sie. Senna gab Brasilien in schwierigen Zeiten Stolz, Hoffnung und Freude."

Und Senna war "stolz darauf, Brasilianer zu sein". Und er war sich laut seines längjährigen Teamchefs Ron Dennis auch dessen bewusst, dass er "in Brasilien Dinge verändern konnte. Ich glaube, das hat ihn sehr gereizt", erinnert sich der McLaren-Boss. "Außerhalb Brasiliens waren seine Chancen, etwas zu verändern, eher gering. Aber dort konnte er einen Unterschied machen, etwas bewirken. Und er hat etwas bewirkt."

Was machte Ayrton Senna so gut?

Wenn man jemanden nach dem besten F1-Piloten aller Zeiten fragt, fällt trotz der Schwierigkeit dieser Frage unweigerlich ein Name: Der Name von Ayrton Senna da Silva.

Sennas Freund und McLaren-Teampartner Gerhard Berger beschreibt den Brasilianer dabei einfach als "den Besten" gegen den er je gefahren sei. "Als Rennfahrer ein Perfektionist, konditionell gut, und er hat in seinem Leben ja auch nichts anderes gemacht. Dazu kam seine Erfahrung, sein unheimlicher Speed, seine Emotionen. Gleichzeitig war er cool und überlegt. Keine Fehler, keine Schwächen!"

Ein entspannter Ayrton Senna vor seinem F1-Einstieg 1984. - Foto: Sutton

Nicht ganz dieser Meinung zeigt sich jedoch ein anderer Teamkollege des dreifachen Weltmeisters: Der Franzose Alain Prost, mit welchem Senna sich bei McLaren etliche heiße Teaminterne Duelle lieferte. Prost sagt: "Senna war nicht unfehlbar." So war der Professor von Sennas Fähigkeiten beim Abstimmen eines Autos beispielsweise nicht berauscht. "Im Grunde lief es oft darauf hinaus, dass ich während des Winters die ganze Arbeit machte, und Ron Dennis ein ums andere Mal meinte, Ayrton würde nicht kommen, er wolle in Brasilien bleiben." Jener Heimat die er so sehr liebte.

Doch trotz aller Meinungsverschiedenheiten zwischen den beiden McLaren-Piloten meint Prost heute, dass er und Senna durchaus "Freunde hätten werden können" – eine Meinung, welche Gerhard Berger übrigens nicht teilt. "Noch in Imola sagte er zu mir, ich sollte es mir nochmals überlegen und wieder fahren", erinnert sich Prost. "Er glaubte, dass ihn sein starker Glaube an Gott unsterblich macht."

Auf jeden Fall unsterblich war Sennas Siegeswillen. "Verlieren an sich war schlimm genug," weiß Alain Prost, "gegen mich zu verlieren, war ein Desaster. Oft schien es mir, seine ganze Motivation bestünde darin, mich zu bezwingen. Ganz klar wurde mir das erst, als ich aufgehört habe, aber eigentlich war das ein schönes Kompliment für mich."

Nachdem der Professor seinen Helm an den Nagel gehängt hatte, konnte er auch wieder "normal" mit Ayrton Senna sprechen. Der Konkurrenzdruck war weggefallen. Zuvor hätte er "nie eingestanden im Unrecht" zu sein. "Nun konnten wir über die normalsten Belange im Leben eines Fahrers reden. Über Ängste, über die Tatsache, dass der Wagen nicht so gut war wie erhofft. Ayrton wollte, dass ich mich für die Fahrervereinigung einsetze. Sicherheit lag ihm am Herzen."

Bestätigt werden die Einschätzungen von Prost durch Gerhard Berger: "Er hatte immer das Gefühl er habe Recht und sei nie schuld. Senna war ein Egoist, hat nichts um sich herum akzeptiert. Das war der Senna. Jeder Mensch hat seine positiven und seine negativen Seiten, aber dieses Negative war ja gleichzeitig auch seine Stärke."

Josef Leberer: Am meisten störte ihn die Ungerechtigkeit. copy= - Foto: Sutton

Josef Leberer ergänzt: "Was ihn am meisten störte, war die Ungerechtigkeit. Er hat selbst immer gesagt, ich bin nicht perfekt, ich mache Fehler. Wenn es hart auf hart ging, hat er die Fehler nicht eingestanden. Aber wenn er tiefer in sich gegangen ist, wusste er, auch er müsse sich verbessern."

Ron Dennis sind vor allem die "unbeschreibliche Zielorientierung" und die "unglaubliche Befriedigung", welche Ayrton aus dem "Rennfahren und Gewinnen oder aus einer gelungenen Qualifyingrunde" gezogen hat, in Erinnerung geblieben. "Außerdem hat er das Visualisieren erfunden. Er konnte eine Runde im Geist fahren und dabei genau darüber nachdenken, wo er gegen das Auto kämpfen, wo er es kontrollieren und wo er ihm freien Lauf lassen musste."

Deswegen steht für Dennis fest: "Er hatte eigentlich keine schlechten Seiten. Auch wenn Leute ihn als arrogant bezeichnet oder ihm negative Charaktereigenschaften angehängt haben – die Wahrheit ist, dass er sie nicht hatte. Er hat sich immer um alle gekümmert, er war Teamplayer, auch bereit zuzugeben, dass er einen Fehler gemacht hatte – eine sehr seltene Qualität bei einem Grand-Prix-Piloten." Und laut Berger und Prost auch eine, welche Senna öffentlich nicht besessen hat.

Für Berger war sein Freund gleich aus mehreren Gründen "besser als alle anderen": "Da war zunächst sein bedingungsloser Einsatz. Gut, auch andere Fahrer haben sich irrsinnig reingehängt, aber nun kam Sennas zweites Plus zum Tragen – die Konzentrationsfähigkeit. Die war weit über allem, was ich bei anderen Rennfahrern gesehen habe. Wenn er voll konzentriert war, hat er keinen Schmerz gespürt, keine Anspannung, er war wie in einer anderen Welt."

Sennas Rolle im Feld war einzigartig. - Foto: Sutton

Und in dieser Welt des Ayrton Senna gehorchten ihm alle. Auch die Konkurrenten. "Seine Rolle war einzigartig. Jeder im Feld wusste – wenn Senna hinter ihm auftaucht, würde er die erste Gelegenheit zum Überholen nutzen. Das ging so weit, dass die meisten zur Seite zuckten, wenn sie den gelben Helm im Rückspiegel aufleuchten sahen."

Ein bisschen am Sockel des Senna-Denkmals kratzt unterdessen sein letzter Teamkollege Damon Hill. "Ich bin davon überzeugt, dass er einen Fehler gemacht hat", möchte Hill keinen Lenksäulenbruch für den Unfall verantwortlich machen. "Doch viele Menschen würden niemals glauben können, dass es so war. Aber warum nicht? Senna machte viele Fehler in seiner Karriere."

So sei Senna dafür bekannt gewesen "ans Limit und darüber hinaus zu gehen", so Hill, oftmals habe er "lieber einen Crash in Kauf genommen" als "aufzugeben". "Das sind ja Sakrilege in der Welt der Rennfahrergötter. Ayrton war ein großartiger Pilot und ein Mann mit einer enormen Menschlichkeit. Er war aber kein Gott."

Entsprechend hätte Senna über "das Problem mit dem Safety Car und die kalten Reifen" bescheid gewusst. "Es war nicht die Schuld von irgendjemandem, dass Ayrton auf dem Gas geblieben ist, denn er hätte ja auch lupfen können. Doch Ayrton musste dieser Halbgott "Senna" sein, und "Senna" durfte nicht aus Angst heraus schrumpfen. Und in diesem Moment hat er dann all unsere Sorgen bestätigt. Um einen Helden, für den der Tod lediglich ein Berufsrisiko darstellte."

Ayrton Senna über die F1Welt

Ayrton Senna nahm an 161 Formel 1 Rennen teil und holte 65 Pole Positions, 41 Siege, 19 schnellste Rennrunden sowie drei WM-Titel. Doch der legendäre Brasilianer war eigentlich bei 162 Grand Prix vor Ort. An seinem ersten Rennwochenende – ausgerechnet beim Großen Preis von San Marino in Imola 1984 – konnte er sich jedoch nicht qualifizieren.

Ayrton Senna: Das Wichtigste ist erfolgreich zu sein. - Foto: Sutton

Aber auch außerhalb der F1Welt erlangte der Brasilianer eine Bekanntheit und Beliebtheit, wie sie nur wenige Menschen erreichen. Es gibt wohl kaum einen Ort auf diesem Planeten, wo keine Autobahn, keine Allee, keine Straße, kein Tunnel, kein Stadtviertel, kein Denkmal, kein Park, kein Museum oder keine Kurve einer Rennstrecke nach ihm benannt wurde.

Die folgenden ausgewählten Aussagen des dreifachen Champions Ayrton Senna da Silva, aufgrund dessen tatsächlichen Nachnamens in seiner Zeit in England sogar der Kurs von Silverstone nur noch "SilvaStone" genannt wurde, sollen zumindest ansatzweise die Entschlossenheit und Persönlichkeit dieses außergewöhnlichen Piloten wiedergeben.

  • "Das Wichtigste ist erfolgreich zu sein. Immer und überall."
  • "Es ist unrealistisch zu denken, dass ich immer erfolgreich sein werde. Aber ich erwarte immer, dass die Niederlage nicht an diesem Wochenende erfolgen wird."
  • "Ich ziehe die Möglichkeit eines Unfalls niemals in Betracht. Aber die Angst gehört zu meinem Alltag."
  • "Ich versuche die Balance zwischen der Realität und der Verlockung des Risikos zu wahren."
  • "Sie werden nie erfahren was ein Pilot fühlt wenn er erfolgreich ist. Der Helm verbirgt die Gefühle."
  • "Ich bin von starken Emotionen verdorben."
  • "In diesen zehn Jahren Formel 1 waren meine größten Freuden jene der brasilianischen Fans."
  • "Ich habe hart gearbeitet um Erfolg zu haben, aber ich hätte nichts geschafft, wenn mir Gott nicht geholfen hätte."
  • "Es ist seltsam: Immer wenn ich glaube mein Maximum erreicht zu haben, entdecke ich, dass es möglich ist noch besser zu werden."
  • "Wenn der Tag gekommen ist, dann wird es geschehen. Es kann heute sein oder in 50 Jahren. Es ist nur sicher, dass es passieren wird."

Die F1Welt über das Phänomen Ayrton Senna

Was sagt die Formel 1 Welt über ihren verlorenen König...? - Foto: Sutton

Ron Dennis:
"Ich erinnere mich noch lebhaft daran als wir uns in Magny Cours unterhielten und in diesem Gespräch wurde es für mich sehr klar, dass er es auf gewisse Weise bereute das Team zu verlassen und er vermittelte mir das Gefühl: "Ich fühle mich überhaupt nicht gut dabei und ich werde zurückkommen." Ich dachte sehr viel über den Unfall nach, packte es in bestimmte Bereiche meines Gehirns und konzentrierte mich danach wieder auf das Leben. Ayrton hätte nichts an den Geschehnissen ändern wollen. Denn er verlor sein Leben bei etwas für das sein Herz schlug: Er wusste, dass er nicht unschlagbar war… Er kannte sein Limit, er kannte die Gefahr und er akzeptierte die Gefahr."

Frank Williams:
"Einen wie Ayrton Senna wird es nie wieder geben."

Bernie Ecclestone:
"Es gab keinen größeren Senna-Fan als mich. Und ich suchte unbewusst Wochen später in den McLaren-Cockpits immer noch nach Senna, dem gelben Helm im rot-weißen Auto. Ging es nicht vielen anderen genauso?"

Max Mosley:
"Ich denke, Imola war ein böses Erwachen für die Formel 1. Es wurde die Ansicht geboren, dass man an das Thema Sicherheit wissenschaftlich und systematisch herangehen muss. Auf der Basis der kontinuierlichen Weiterentwicklung. Das bedeutet nicht, dass wir nicht morgen schon einen schrecklichen Unfall erleben könnten. Aber was in punkto Sicherheit getan wurde, ist schon immens."

Niki Lauda:
"Keiner hatte in den letzten zehn Jahren so viel Charisma wie Senna. Senna war zu seiner Zeit sicher der Beste und ist durch seinen Todt zu einer Lebende geworden."

Die Königsklasse wird Senna nie vergessen. - Foto: Sutton

Martin Brundle:
"Ich kenne die Zahlen nicht, aber um es auf den Punkt zu bringen, er war besser als Schumacher. Er hatte mehr Fähigkeiten und mehr Talent und war ein natürlicherer, mehr von Emotionen angetriebener Mann als Michael. Mit Ayrton fuhr ich eine lange Zeit, vor allem in den Junior-Formel-Serien, und ich war auch Teamkollege von Schumacher, also kenne ich beide gut. Meine Wahl fällt immer auf Senna."

Juan Pablo Montoya:
"Meine frühesten Erinnerungen an die Formel 1 hängen mit Ayrton Senna zusammen, den ich damals im Fernsehen sah. Ich habe seine Zweikämpfe mit Alain Prost geliebt. Ayrton war anders als alle anderen. Er war mein Held. Wenn Ayrton 1994 nicht gestorben wäre, hätte er den Titel in den Jahren 1994, 1995, 1996, und 1997 gewonnen, weswegen er sieben Titel geholt hätte. Und dann hätte Michael nur drei."

Rubens Barrichello:
"Senna hat mich damals im Krankenhaus besucht, was sehr nett von ihm war. Er blieb für mich immer der wichtigste Maßstab. Wenn ich ein Rennen gewonnen habe, danke ich immer Gott – und Senna."

Michael Schumacher:
"Die Wertschätzung, die ich für Ayrton empfunden habe, ist sehr persönlich, sehr privat. Ich glaube nicht, dass ich meine diesbezüglichen Gefühle jemals in einem öffentlichen Rahmen ausdrücken möchte. Imola war ein schwerer Verlust für den gesamten Motorsport. Ayrton war eine Inspiration, nicht nur für mich. Er war ein Symbol, er hat dem Sport so viel gegeben.

Es muss 1980 gewesen sein, als ich Ayrton zum ersten Mal gesehen habe. Ich war bei einem Kart-Rennen in Nivelles, und da war dieser Fahrer, der mir sofort ins Auge fiel: seine Linie, seine Kart-Beherrschung, seine Eleganz, wie er überholt hat - das war einfach extrem auffällig. Ich habe mich sofort erkundigt, wie er hieß, und es war Ayrton. Danach habe ich ihn für lange Zeit aus den Augen verloren, und erst Jahre später in der Formel 1 wieder gesehen. Aber ich werde mich immer an diesen ersten Eindruck erinnern.

Auch Michael Schumacher trauerte um Ayrto Senna. - Foto: Sutton

In Imola fuhr ich direkt hinter ihm. Es war sowieso ein schreckliches Wochenende, weil am Tag zuvor schon Roland Ratzenberger verunglückt war. Es war ein Schock für mich, für uns alle. Als ich erfahren habe, was passiert ist, war ich fassungslos. Es war das erste Mal überhaupt, dass ich in meinem Sport mit dem Tod konfrontiert wurde – ehrlich gesagt waren das damals für mich Dinge, von denen ich glaubte, sie seien längst Vergangenheit. Ich habe erst mal eine ganze Weile gezweifelt, ob ich damit überhaupt weiter machen wollte."

David Coulthard:
"Ich war damals noch Formel 3000 Fahrer und Testpilot bei Williams. An jenem Wochenende fuhr ich ein Rennen in England. Ayrton hatte mir noch ein Fax geschickt und viel Glück gewünscht."

Olivier Panis:
"Ich persönlich habe es nie genossen nach Imola zu reisen, da es mich an das tragische Wochenende von 1994 erinnert. In diesem Jahr jähren sich die tödlichen Unfälle von Roland Ratzenberger und Ayrton Senna zum zehnten Mal und deswegen bin ich sicher, dass die Erinnerungen besonders stark sein werden."

Cristiano da Matta:
"Ich war in Brasilien als ich Ayrtons Unfall sah und mein einziger Gedanke war zu diesem Zeitpunkt, dass er den nächsten Grand Prix aufgrund einer Verletzung verpassen würde. Ich hätte niemals gedacht, dass ihm etwas anderes hätte zustoßen können. Meine beste Erinnerung an ihn ist sein Qualifying-Speed. Natürlich verehre ich ihn auch als Menschen, aber wenn ich ihn sah, dann dachte ich nur, dass sein Speed sein natürliches Talent war. Alles schien für ihn so einfach zu sein und jeder Fahrer wollte einfach nur wissen wie er es machte!"

Sennas Markenzeichen: Der gelbe Helm. - Foto: Sutton

Felipe Massa:
"Ich war erst 13 Jahre alt als sich die Tragödie ereignete, ich fuhr aber schon Kartrennen. Es war für mich einfach normal am Sonntagmorgen Formel 1 zu schauen, aber ich hätte niemals gedacht, dass ich eines Tages selbst auf jener Strecke fahren würde, wo Sennas Williams in die Mauer raste. Ich bin damals aufgewacht und das Rennen hatte schon begonnen. Ich schlief noch halb als ich den Unfall sah und wusste sofort, dass es etwas Ernstes war. Ich starrte auf den Fernseher und weinte den gesamten Tag.

Für viele Rennfahrer wird der 1. Mai immer ein besonderes Datum sein. Alle gedenken Ayrton Senna. Ich erbringe ihm keine private Hommage, aber es ist unmöglich sich nicht an ihn zu erinnern. Die stärksten Bilder, welche ich von Senna in Erinnerung habe sind jene auf dem Podium. Er hatte immer eine brasilianische Flagge dabei, besonders damals beim ersten Sieg in Interlagos 1991. Ein Bild eines Siegers.

Ich habe ihn nie persönlich getroffen, aber als ich ein Kind war versuchte ich ein Autogramm zu bekommen, was leider nicht glückte. Ich war damals sehr enttäuscht, aber dies verging mit der Zeit. Der Unfall veränderte meine Denkweise jedoch nicht. Für mich und für alle anderen Fans blieb er das große Idol.

Mit seinem Tod und Michael Schumachers Aufstieg kamen auch die Vergleiche der Journalisten zwischen den beiden auf. Sie möchten wissen, wer der Beste war. Es ist eine schwierige Frage und die Antwort wird man niemals bekommen. Wenn er überlebt hätte, hätte Senna noch mehr Titel geholt und Schumacher hätte vielleicht jetzt noch keine sechs Titel gewonnen. Aber wenn man alle Attribute die in großartiger Pilot braucht zusammenzählt, dann ist Schumacher vielleicht kompletter.

Heute ist die F1 sicherer. Mit den aktuellen Crashstrukturen wäre Senna lebendig aus dem Unfallwagen ausgestiegen. Sein Tod war sehr traurig, aber es ist eindrucksvoll, dass die Leute noch immer über Senna sprechen als ob es erst gestern, und nicht vor zehn Jahren, gewesen wäre. So wurde er von einem Piloten der die F1 dominierte zu einer Legende."

Emerson Fittipaldi:
"Die Sicherheit der Autos wurde seit dem Unfall besser. Deswegen war Ayrton bislang das letzte Opfer der F1. Die F1-Autos hatten sehr niedrige Cockpits. Dies änderte sich nach 1994 und dann hätte der Querlenker Ayrton nicht getroffen, er hätte meinen "Bruder" nicht getroffen."

Das war für mich, als wäre die Sonne vom Himmel gefallen. - Foto: Sutton

Alain Prost:
"Als ich 1993 in Pension ging, hatte Ayrton Senna 41 GP-Siege. Hätte er die Chance gehabt, noch mehr Rennen zu fahren, so bin ich mir sicher, er hätte meinen Rekord als erster gebrochen. Ich war sogar überzeugt davon, dass es Ayrton Senna sein würde, der die Marke von 51 Siegen als erster übertreffen würde, und nicht Michael."

Gerhard Berger:
"Ich hatte ein ganz schlechtes Gefühl und nach Roland Ratzenbergers tödlichem Unfall im Samstagstraining auch gesagt: 'In der Formel 1 passiert immer alles in Wellen, das Gute wie das Schlechte. Ich fürchte, das war nicht das einzige Unglück an diesem Wochenende.' Tags darauf starb Ayrton Senna. Das war für mich, als wäre die Sonne vom Himmel gefallen."


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