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Formel 1

Drama-Romain und Aggro-Kevin: Haas lässt Fahrer Typen sein

Haas-Piloten Romain Grosjean und Kevin Magnussen unterhalten die Formel 1 auch abseits der Rennstrecke. Teamchef Günther Steiner weiß warum.
von Christian Menath

Motorsport-Magazin.com - Vor nicht allzu langer Zeit beschwerte sich die Formel 1 noch über langweilige Fahrer, viel PR-Sprache und zu wenige echte Typen im Fahrerlager. Über derlei Probleme kann die Königsklasse des Motorsports im Jahr 2018 wahrlich nicht mehr klagen: Lewis Hamilton, Kimi Räikkönen, Max Verstappen, Daniel Ricciardo und Co. sind alle auf ihre Art Typen.

2017 sorgten aber auch weiter hinten in der Startaufstellung Piloten für Schlagzeilen: Romain Grosjean unterhielt die TV-Zuschauer regelmäßig mit Schimpftiraden am Funk, Kevin Magnussen sorgte mit seiner Ansage an Nico Hülkenberg während eines TV-Interviews für einen regelrechten Eklat.

"Ich glaube, das liegt daran, dass wir die Fahrer sie selbst sein lassen", sagte Haas Teamchef Günther Steiner zu Motorsport-Magazin.com. "Ich kann ja nicht einfach zu Romain sagen, er soll still sein sein, wenn irgendwas ist und dann alles sagen, wenn er reinkommt. Wir könnten ja auch den Boxenfunk ganz abdrehen - machen wir aber bewusst nicht. Ich glaube, das gehört zum Rennsport dazu, dass da ein Mensch mit Emotionen im Auto sitzt."

Günther Steiners Schlagstock müssen Romain Grosjean und Kevin Magnussen nicht fürchten - Foto: Sutton

Bei Romain Grosjean sieht Steiner schon einen Lerneffekt. "Er ist schon sehr viel ruhiger geworden. Ich glaube, er hat verstanden, dass das nichts bringt", meint Steiner. "Wir tun sowieso unsere Arbeit, egal ob er sich da aufregt. Wir werden von den Medien nicht angegangen - er wird ja zur Drama-Queen gemacht, nicht wir. Wir versuchen so und so, das Problem zu lösen. Deswegen denke ich, hat er verstanden, dass es nichts bringt. "

"Wenn man den Funk im vorletzten Jahr und letztem Jahr vergleicht, ist da schon ein Unterschied", so Steiner. "Er ist gereift - aber auch nur, weil wir ihn lassen. Ich glaube auch, dass die Leute in seinem Umfeld ihn da fragen: War das wirklich notwendig?"

Doch Steiner kennt auch Grenzen: "Solange niemand persönlich beleidigt wird, ist das ok. Wenn jemand persönlich angegangen wird, hätte ich was dagegen." Wie steht er also zu Magnussens TV-Ausraster? Nico Hülkenberg war nach dem Ungarn GP in ein Live-Interview von Magnussen geplatzt und hatte ihm zum Titel 'unsportlichster Fahrer' gratuliert. Magnussen reagierte mit den Worten 'Suck my balls, honey', was soviel bedeutet wie 'Lutsch meine Eier, Liebling'.

Nico Hülkenberg vs. Romain Grosjean - Foto: Motorsport-Magazin.com/Collage

"Er hat den Streit nicht angefangen. Es war vielleicht nicht ganz korrekt, was er gesagt hat, aber ich kann damit leben. Jemandem ins Fernsehinterview zu reden ist auch nicht ganz richtig, respektlos. Das kann man nachher sagen. Wenn man aber jemanden herausfordert, dann muss man damit rechnen, dass du eine zurückbekommst. So ist das Leben", so Steiner.

Als Magnussen noch für McLaren fuhr, war der Däne eher eine graue Maus in der Startaufstellung. Fast wie Lewis Hamilton, der sich erst bei Mercedes so richtig entfalten kann. "Man kann eine Meinung haben", sagt Steiner in Richtung Magnussen. "Ich fand das schon cool, wie er reagiert hat. Wenn das aber zu oft passiert, dann nimmst du den Coolness-Faktor weg. Kevin ist ein richtig guter Mensch. Er schimpft nie, er flucht nie. Aber das war eine Emotion."


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