Formel 1 / Historisches

Phil Hill - Die Sportwagen, Ferrari und ein jähes Ende

Nur ein Jahr nach der Streichung des Indy500 aus dem F1-Kalender machte ein US-Boy in der Königsklasse auf sich aufmerksam: Phil Hill.
von Karl-Heinz Dreweskracht

Motorsport-Magazin.com - Die Formel 1-Statistiken weisen einige Namen mehrfach auf. Während es z.B. fünf Fahrer namens Taylors gab, der Name Villeneuve gleich dreimal auftaucht, ist Motorsportfreunden der Name Rodriguez ein Begriff. Ricardo und Pedro, die beiden schnellen Mexikaner waren beide GP-Piloten. Derzeit sind die Schumacher-Brüder in der F1 vertreten und mit Sven Heidfeld ist im Windschatten von Nick ein weiterer "Verwandter" auf dem Weg nach oben.

Amerika ist seit 1950 ein Bestandteil der GP-Historie. Mit Einführung der Fahrerweltmeisterschaft gehörten die 500 Meilen von Indianapolis zum Klassement. Sieger waren allerdings durchweg Piloten der amerikanischen Serie, denn die Teilnahme am wohl größten Motorsportereignis der Welt entfiel für die damalige F1-Konkurrenz aus mehreren Gründen. Die Präsenz an der "Europäischen" F1 durch Amerikaner hielt sich zu dieser Zeit ebenfalls in Grenzen.

Phil Hill und sein Ferrari des Jahres 1961. - Foto: Sutton

Um so interessanter die Tatsache, das bereits ein Jahr nach Streichung der Indy-500 aus dem Terminkalender ein Amerikaner von sich reden machte. Phil Hill.

Obwohl der Name selten ist, so ist keine verwandtschaftliche Beziehung zwischen Damon und Vater Graham zu Phil Hill, dem Weltmeister 1961, vorhanden.

Übersetzt man den Namen allerdings "platt" ins deutsche, so könnte man sagen, alle drei haben den höchsten "Berg" im GP-Sport erklommen, sind Weltmeister geworden...

1961, Monza, erste Startreihe: Wolfgang Graf Berghe von Trips und Ricardo Rodriguez, beide auf Ferrari, dahinter P.Hill und Richie Ginther. In der zweiten Runde überholt von Trips Brabham und Clark, touchiert dabei den Lotus von Clark, verliert dabei die Gewalt über seinen Wagen und kommt von der Piste ab.

Der Traum vom ersten deutschen Weltmeister auf Ferrari ist jäh zu Ende, vierzehn Zuschauer und der deutsche Adelige finden den Tod. Phil Hill fährt zu diesem Zeitpunkt vor den beiden Unfallbeteiligten, bekommt von dem fatalen Unfall nichts mit.

Als er in der nächsten Runde am Unfallort vorbeifuhr, sah er zwar, daß das verunfallte Fahrzeug ein Ferrari war, konnte jedoch nicht erkennen, ob es der des Amerikaners Richie Ginther oder der von Wolfgang von Trips war.

Als das Rennen nach 43 Runden abgewunken wurde, war er nicht nur einziger Ferrari-Pilot von fünf gestarteten im Ziel, sondern auch Sieger und Weltmeister.

An den Augen von Chefingenieur Carlo Chiti erkannte er aber sofort, daß etwas Schlimmes passiert sein mußte.

Der Feuerunfall von Zeltweg 1964. - Foto: Sutton

Obwohl er mit dem Unfall nicht das Geringste zu tun hatte, konnte er natürlich keine Freude empfinden, denn schließlich war sein Teamgefährte tot.

Den Triumph, den Titel als erster Amerikaner geholt zu haben, konnte er nicht wirklich feiern. So dicht liegen in diesem Sport Glanz und Elend beieinander.

Als Phil Hill 1958 sein Debüt auf Maserati 250 F 6 gab (der Wagen wurde von Jo Bonnier eingesetzt) wurde er als Siebter abgewunken und fuhr den GP von Deutschland im gleichen Jahr auf Ferrari: Allerdings in der F2-Klasse.

Dies war sein erster Einsatz für Ferrari und insgesamt bestritt er 31 GP`s für die Roten aus Maranello. In der Rückschau kann man sagen Ferrari war sein Anfang und sein Ende.

Als Sohn eines Postmeisters aus Santa Monica (USA) fuhr er erste Autorennen 1948 auf MG, sogenannte Clubrennen. 1952, er arbeitete bei einer Packard-Vertretung, kaufte er sich einen Ferrari 212 und wurde damit Sechster bei der Carrera Panamerica, dem legendären Rennen durch Südamerika.

Dieses Straßenrennen, welches seit 1950 in den Staaten ausgetragen wurde, ging über 3000 Kilometer und fand auf dem mexikanischen Streckenabschnitt des Pan-American-Highway statt. Sieger dieses Rennens wurde übrigens Karl Kling.

Als Phil Hill 1954 erneut dort antrat, wurde er im Kampf mit Umberto Maglioli Sieger der ersten Etappe und Enzo Ferrari wurde auf ihn aufmerksam. Er wurde "in die Mannschaft" aufgenommen.

1956 siegte er mit Maurice Trintignant bei den Sportwagen in Schweden und war von nun an an zahlreichen Ferrari-Siegen dieser Kategorie beteiligt.

Hill bei Aufnahmen zum Film Grand Prix. - Foto: Sutton

Erst - oder schon - 1958 gab ihm der Commendatore erstmals einen F 1 Wagen, einen Dino 246, den er in Monza sofort auf den dritten Rang chauffierte und die schnellste Rennrunde markierte. Im Rennen in Marokko stand er ebenfalls auf dem Podium und belegte im Schlußklassement den 10. Platz mit neun Punkten.

1959 bestritt er neben den Sportwagenrennen alle GP`s für den Commendatore und wurde 1961 Weltmeister auf Ferrari.

Ein Detail am Rande begleitete den glanzlosen Titelgewinn:

Vor dem GP in Monza gingen Hill und von Trips zu Enzo Ferrari und baten ihn die Entscheidung zu treffen, wer von ihnen beiden den Titel holen sollte. Der alte Sturkopf aber überließ den Fahrern die Entscheidung. Der traurige Ausgang ist bekannt...

1962 gewann Hill die 24h von Le Mans mit Olivier Gendebien, aber 1963 schloß er sich der glücklosen ATS-Mannschaft, einer Splittergruppe des Ferrari Rennstalls an.

Enzo Ferrari, sein Entdecker hatte ihm keinen neuen Vertrag angeboten, Optionen wie es sie heute gibt, waren früher nicht üblich.

Er ging von Ferrari weg, als wäre er nie dort gewesen und dieser Abschied ohne Worte traf ihn persönlich.

Phil Hill in seinem Ferrari von 1961. - Foto: Sutton

ATS aber war ein Desaster, keine Punkte, von Siegen ganz zu schweigen. In Reims ging er für die Ecurie Filipinetti auf einem Lotus-BRM an den Start, aber alles ohne Erfolge. Der Glanz vergangener Tage war verblaßt.

1964 dann noch ein magerer Punkt, inzwischen fuhr er Cooper, doch nachdem er in Zeltweg zwei Wagen verschrottet hatte, ging seine GP-Laufbahn zu Ende.

1966 sieht man ihn in Monaco und Spa noch am Steuer eines Kamera-Autos und als er sich in Monza, auf Dan Gurneys Eagle, nicht qualifiziert, ist seine Laufbahn endgültig zu Ende.

Er zog sich nach Amerika zurück und ist stolzer Besitzer eines Betriebes in dem Oldtimer restauriert werden.


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