Formel 1

Valtteri Bottas: Schwache Pace in Austin, von Vettel vorgeführt

Valtteri Bottas erlebt beim USA GP in Austin einen schwarzen Tag. Der Finne verschleißt die Reifen zu stark und wird von Sebastian Vettel vorgeführt.
von Chris Lugert

Motorsport-Magazin.com - Lewis Hamilton strahlte vom Siegerpodest, Kimi Räikkönen und Max Verstappen sorgten für den Riesen-Aufreger in Austin. Und Valtteri Bottas? Der Finne kam erst mit einigem Abstand dahinter ins Ziel. Nur Rang fünf für den Mercedes-Piloten beim USA GP, die Krise des 27-Jährigen geht nahtlos weiter.

Die Anfangsphase des Rennens verlief für Bottas noch erträglich. Er reihte sich nach dem Start auf Rang drei ein, musste aber schnell zum Führungsduo abreißen lassen. Schuld daran war auch Daniel Ricciardo, der Bottas extrem Druck machte und bereits in Runde zwei einen Angriff startete.

Der Australier drückte seinen Kontrahenten in Kurve eins hinaus, Bottas aber konnte auch neben der Strecke auf Zug bleiben und hielt seine Position. Die Rennleitung ermittelte gegen Bottas wegen Verschaffen eines Vorteils, kam im Gegensatz zur Szene in der letzten Runde zwischen Räikkönen und Verstappen aber nicht zum Schluss, eine Strafe aussprechen zu müssen.

Bis Runde zwölf konnte sich Bottas dann aber etwas von Ricciardo lösen, der dann zum Reifenwechsel an die Box kam und wenig später mit Motorenproblemen ausfiel. Nach der ersten Runde der Boxenstopps lag Bottas etwa acht Sekunden hinter seinem Teamkollegen Hamilton auf Rang drei.

Mit zunehmender Renndauer aber bekam er erneut Druck von hinten. Räikkönen und Verstappen holten auf, der Niederländer war nach seiner Strafversetzung ohnehin auf einer leicht anderen Strategie unterwegs. Es kam zum finnischen Duell, Bottas gelang es einige Runden, seinen Landsmann in Ferrari-Diensten hinter sich zu halten. Schlussendlich musste er aber nachgeben.

Vettel lässt Bottas wie Anfänger aussehen

Dann aber kam es so richtig dicke für ihn. Sebastian Vettel und Max Verstappen hatten in der Zwischenzeit beide noch einmal Reifen gewechselt und holten mit Riesenschritten auf Bottas auf, der sich auf seinen älteren Reifen kaum wehren konnte. Negativer Höhepunkt aus seiner Sicht: Das Überholmanöver von Vettel, der in der ersten Kurve eine Überrundung gegen Stoffel Vandoorne nutzte, um Bottas wie einen Anfänger aussehen zu lassen.

Was war passiert? Bottas kam mit Vettel im Schlepptau die erste Kurve hinaus, wo Vandoorne weit nach außen fuhr, um beide vorbeizulassen. Während Bottas den Eindruck erweckte, zu schlafen, ging Vettel zwischen Vandoorne und dem Mercedes-Piloten vorbei und fuhr davon. Eine Szene mit Symbolcharakter.

Nachdem wenig später auch Verstappen vorbeigegangen war, wechselte Bottas kurz vor Schluss ein zweites Mal die Reifen. Zu spät, der Zug war uneinholbar abgefahren. Ein weiteres Rennen von Bottas, das nachdenklich stimmen sollte. Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff versucht sich an einer Erklärung für die schwache Leistung seines Schützlings, der gegen Vettel und Verstappen ein Stück weit auch mit stumpfen Waffen kämpfte.

Wolff: Bottas fehlt die Balance

"Was wir bei Valtteri gesehen haben, ist, dass er Probleme hat, die richtige Balance zu finden zwischen purer Pace und Reifenschonen. Heute war ein Beispiel dafür. Alles sah gut aus, aber dann nahm der Reifenverschleiß zu", erklärte Wolff. Während Hamilton an der Spitze das Rennen kontrollierte und mit der bei Mercedes geplanten Ein-Stopp-Strategie über die Runden kam, brachen die Pneus bei Bottas völlig ein.

Ich bin noch immer enttäuscht über mein Rennen und ich werde einige Zeit brauchen, um es wegzustecken.
Valtteri Bottas

Ein zweiter Boxenstopp bei Bottas wurde nötig, als das Rennen für ihn aber schon gelaufen war. Bezeichnend für Bottas' Auftritt: Auf - wenn auch gebrauchten - Ultrasofts am Rennende scheiterte Bottas noch an der obligatorischen schnellsten Rennrunde. Die holte sich Sebastian Vettel, der sie mit deutlich schwererem Auto einige Runden zuvor aufgestellt hatte - auf Supersofts.

Bottas enttäuscht über sich selbst

"Das war heute ein harter Tag für mich", berichtete Bottas selbst von seinem Rennen. "In den ersten drei Vierteln des Rennens lief alles recht gut und meine Pace war nicht schlecht. Allerdings konnte ich die Ein-Stopp-Strategie durch die Zweikämpfe mit Sebastian und Kimi im zweiten Stint nicht umsetzen", schilderte er. Bottas gibt zu, dass ihn seine Leistung schon mitnimmt: "Ich bin noch immer enttäuscht über mein Rennen und ich werde einige Zeit brauchen, um es wegzustecken."

Zuspruch erhielt Bottas aber von Mercedes-Technikdirektor James Allison, der eine Mitverantwortung bei Mercedes sah. "Er hatte einen starken ersten Stint und es sah für einen Großteil des Rennens so aus, als ob er den zweiten Platz von Sebastian übernehmen könnte. Leider schafften wir es nicht, dass die Reifen im zweiten Stint lange genug für eine Ein-Stopp-Strategie hielten", sagte Allison. Zudem hob er die Bedeutung Bottas' für den Teamerfolg hervor. "Nichtsdestotrotz fuhr er die Punkte ein, die wir für den Titelgewinn im ersten Anlauf benötigten und er wird in Zukunft sicherlich noch stärkere Rennen fahren."


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