Formel 1

Daniel Ricciardo: Der Mann des Rennens in Monza

Daniel Ricciardo startet beim Formel-1-Rennen in Monza im Nirgendwo - und übertrumpft dann Ferrari. Hätte er Sebastian Vettel das Podium abluchsen können?
von Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Auf der einen Seite das leidende Wunderkind Max Verstappen - auf der anderen der Mann des Rennens in Monza. Daniel Ricciardo stellte in Italien einmal mehr unter Beweis, dass er die große Überraschung der Formel-1-Saison 2017 ist. Bei Ferraris Heimspiel verpasste er seinen siebten Podestplatz in diesem Jahr nur knapp, beendete das Rennen nach einer grandiosen Aufholjagd als Vierter. Wegen eines Motoren-Wechsels hatte Ricciardo zuvor den dritten Startplatz verloren und musste am Sonntag von Platz 16 starten.

Red Bull hatte in Monza ein schwieriges Wochenende erwartet, doch die Performance war sowohl im Nassen als auch im Trockenen extrem stark. Hätte sich das Team nicht entschieden bei Ricciardo und Verstappen neue Motoren einzubauen, wäre ein Podestplatz vermutlich realistisch gewesen.

Red Bull verteidigt Motoren-Strafen

Doch selbst rückblickend verteidigte Teamchef Christian Horner die Maßnahme. "Monza war strategisch der richtige Ort für die Strafen, damit wir für die kommenden Rennen in einer besseren Situation sind. Ab Singapur können wir sicherlich näher an Mercedes und Ferrari herankommen", sagte er zu Motorsport-Magazin.com.

Dabei war Red Bull den Ferrari schon in Monza überlegen. Ricciardo setzte sich mit einem überragenden Manöver in ersten Kurve gegen Kimi Räikkönen durch und übernahm Platz vier. Auf den Drittplatzierten Sebastian Vettel fehlten am Ende nur vier Sekunden. "Wir hatten das zweitstärkste Auto nach Mercedes", sagte Horner. "Das Auto war auch extrem stark auf der Bremse. Vor allem bei Daniel, als er Räikkönen mit großem Anlauf überholte."

Überholmanöver des Tages

Der Australier sorgte zwölf Runden vor Schluss für das Überholmanöver des Tages, als er Ferrari-Rivale Räikkönen spät in Kurve 1 hinein ausbremste. Horner: "Er kann mit am besten überholen. Diese Fähigkeit, spät zu bremsen und trotzdem den Scheitelpunkt zu erwischen. Das war Nigel Mansell-esque!"

Ricciardo bedankte sich später bei Räikkönen für dessen faire Fahrweise. In dieser Situation hätte es auch krachen können zwischen beiden Autos. "Er ist sauber und fair gefahren", sagte Ricciardo. "Aber ich hätte das Manöver gegen jeden gebracht, um ehrlich zu sein. Mir war klar, dass die Überholmanöver immer schwieriger werden würden, je weiter ich nach vorne fuhr. Für das Manöver habe ich den Blinker gesetzt und es durchgezogen."

Die Reaktion der Red Bulls direkt nach dem Regen-Qualifying in Monza - Foto: Sutton

Räikkönen: Die hatten den Speed

Dabei überrumpelte er Räikkönen nicht einfach. Dem Finnen war bewusst, dass Ricciardo es versuchen würde. Die Reifen spielten im zweiten Stint eine große Rolle. Während der Ferrari auf den Soft-Reifen fuhr, war Ricciardo auf Softs gestartet und später auf die schnelleren Supersofts gewechselt. Die Strategie zahlte sich aus. "Ich hätte ihn vielleicht einmal aufhalten können, aber in der nächsten Schikane dann wohl nicht mehr", sagte Räikkönen. "Die hatten da einfach den richtigen Speed."

In den letzten Rennrunden wurde es noch einmal vermeintlich spannend, als Ricciardo bis zu einer Sekunde auf den Drittplatzierten Vettel aufholte. Der Ferrari-Star verwaltete zu diesem Zeitpunkt allerdings die Pace und hätte bei Bedarf noch einmal aufdrehen können. Höchst unwahrscheinlich also unter normalen Umständen, dass Ricciardo eine realistische Chance auf den Podestplatz hinter beiden Mercedes gehabt hätte.

Vettel zittert nur ein bisschen

Ein bisschen zittern musste Vettel aber doch vor seinem früheren Teamkollegen. Zwar sei die Lücke groß genug gewesen, aber: "Ich hatte einen Ausrutscher in der ersten Kurve und verlor dadurch viel Zeit. Danach hatte ich einfach kein Gefühl mehr fürs Auto und auf der Bremse konnte ich nicht ans Limit gehen. Mit einem weiteren Ausritt geht schnell noch mal eine Sekunde flöten, das ist nicht ganz einfach."

Bei seiner Aufholjagd kämpfte Ricciardo in der Schlussphase mit dem Verschleiß der Supersoft-Reifen. Das machte einen tatsächlichen Angriff auf Vettel noch unwahrscheinlicher. "Ich konnte Seb sehen und der Gedanke ans Podium hat mir schon gefallen", sagte Ricciardo. "Von unserem Startplatz aus hätten wir nicht viel mehr erreichen können. Man kann es einen fast perfekten Tag nennen. Das Podium kommt dann nächstes Jahr. Heute war ein guter Boost fürs Team und wir freuen uns auf Singapur."


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