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Formel 1 / Interview

Perez: Schaue mir Renault und Hülkenberg genau an

Von allen hoch geschätzt - und trotzdem noch kein Cockpit für 2018. Sergio Perez erklärt Motorsport-Magazin.com, wonach er sich für 2018 umsieht.
von Christian Menath

Motorsport-Magazin.com - Wenn du dich an unser letztes Interview vor einem Jahr erinnerst: Da haben wir viel über deine persönliche Entwicklung gesprochen, die Zeit in deiner Karriere, in der es viele Höhen und Tiefen gab. Wie beurteilst du das letzte Jahr?
Sergio Perez: Ich denke, alles ist in Ordnung. Ich habe einen neuen Teamkollegen, wir haben eine neue Generation von Autos. ich denke, ich fahre gut und bringe die Ergebnisse. Ich bin jetzt besser im Qualifying und im Rennen noch immer sehr gut. Es läuft gut.

Wo hast du dich verbessert im Qualifying? Was hast du geändert?
Sergio Perez: Nicht unbedingt im Vergleich zum letzten Jahr. Aber ich bin jetzt besser in der Lage meinen Fahrstil an diese neue Generation Autos anzupassen. Ich arbeite immer daran, um den besten Kompromiss zu finden. Es ist nicht einfach, deinen Fahrstil vom Training zum Qualifying anzupassen. Aber es hat gut funktioniert.

Passt dein Fahrstil besser zu den neuen Autos oder musstest du dich daran anpassen?
Sergio Perez: Eigentlich muss ich mich selbst an diese neue Generation von Autos anpassen. Und immer wenn ich ins Qualifying gehe, gelingt mir jetzt ein großer Schritt. Denn ich bin in der Lage, meinen Fahrstil anzupassen und ihn zu ändern. Es gibt ein paar Dinge bei meinem Fahrstil, die schon gut funktioniert hatten. Zum Beispiel, die Oberflächentemperatur der Hinterreifen zu kontrollieren. Aber es gab auch schlechte Dinge, wie die Front zu sehr zu verschleißen, zu viel Energie auf die Vorderreifen einwirken zu lassen. Solche Dinge, die sehr wichtig sind zu verstehen und daran zu arbeiten, um dann sicherzustellen, dass du das Maximum herausholst wenn das Qualifying beginnt. Und es funktioniert gut - ich habe meinen Teamkollegen jetzt jedes einzelne Qualifying geschlagen, außer mit der gelben Flagge in Bahrain. Also läuft es gut.

Weniger gut läuft es zwischen dir und deinem Teamkollegen. Ihr seid in Baku miteinander kollidiert und seid euch später noch einmal sehr nahe gekommen... Wie groß ist die Veränderung mit einem neuen Teamkollegen für dich?
Sergio Perez: Es macht tatsächlich keinen großen Unterschied. Es ist wichtig, dass du gut mit deinem Teamkollegen zusammenarbeitest, um dem Team Feedback zu geben. Das hat mir Nico in der Vergangenheit gut funktioniert. Wir haben beide das Team sehr gut entwickelt und beide dem Team viel geholfen. Mit Esteban muss es genauso sein.

In Baku krachte es zwischen Sergio Perez und Esteban Ocon - Foto: Sutton

Du sagst es muss so sein. Von außen sieht es so aus, als sei da eine gewisse Spannung im Team. Ist das ein falscher Eindruck?
Sergio Perez: Nein, ich bin relaxt und mache meinen Job. Es wird schon gut werden wenn wir beide zum Wohle des Teams mehr zusammenarbeiten können. Was ist Baku passiert ist, ist völlig inakzeptabel. Wir haben ein Doppelpodium für das Team verloren, was dieses Jahr nicht mehr kommen könnte. Das ist das schlechte daran. Aber es liegt vielleicht einfach an mangelnder Erfahrung.

Wir gefällt dir eigentlich der Titel Best of the Rest? Die letzten Jahre warst du in der Endabrechnung immer Best of the Rest, in dieser Saison schon wieder...
Sergio Perez: Ich mag es. Das mit Force India zu erreichen, bedeutet viel. Wir schlagen noch immer große Teams um uns herum. Aber wir wollen alle im Team noch mehr. Wir wollen weiter nach vorne.

Besonders du selbst ... es ist kein Geheimnis, dass es jedes Jahr Diskussionen über deine Zukunft gibt. Wie siehst du deine Zukunft?
Sergio Perez: Wenn es die Gelegenheit gibt, in naher Zukunft um die Meisterschaft zu kämpfen - ich bin 27 und glaube, dass die besten Jahre in meiner Karriere jetzt kommen - als muss mein nächster Move sehr clever sein. Ich bin nicht in Eile, aber ich hoffe, dass ich einen Vertrag habe wenn ich nach Belgien komme.

Würdest du zustimmen, dass die einzigen Teams, mit denen du das erreichen kannst, die drei da vorne - also Mercedes, Ferrari und Red Bull - sind?
Sergio Perez: Gerade ja. Aber in der Formel 1 ändern sich die Dinge sehr schnell. Du weiß nie wie die Zukunft aussehen wird. Alles kann passieren.

Sergio Perez hat schlechte Erinnerungen an McLaren - Foto: Sutton

Wer könnte denn da noch in Frage kommen?
Sergio Perez: Sehr schwer zu sagen. Sehr schwer ein Team auszuwählen. Das ist etwas, das ich mir gerade nicht genau ansehe. McLaren könnte auf einmal da sein, mit Honda sehr konkurrenzfähig werden und den Sport dominieren. Es ist einfach sehr schwer, die beste Gelegenheit da draußen herauszupicken.

Kannst du dich allein für ein Team entscheiden oder sprechen deine Sponsoren bei der Entscheidung mit?
Sergio Perez: Die Entscheidung liegt nur bei mir. Sie haben mich in meiner Karriere immer sehr unterstützt. Es ist immer gut, finanziellen Support in ein Team einzubringen. Welche Entscheidung auch immer getroffen wurde, sie haben es unterstützt.

Du hast McLaren schon angesprochen. Es war eine schwierige Zeit für dich. Könntest du dir eigentlich eine Rückkehr vorstellen?
Sergio Perez: McLaren... ich habe gute Freunde dort. Wenn sie in der Lage sind, mehr zu entwickeln und eine der Mächte der Zukunft sind - warum nicht? Ich habe nichts dagegen. Alles was ich in diesem Sport will, ist es, mein volles Potential zu zeigen. Ich bin Force India aber sehr dankbar. Sie haben mir die gewaltige Gelegenheiten gegeben, um meine Karriere zu entwickeln - besonders nach dem, was bei McLaren passiert ist -, meine Karriere wieder aufzubauen. Es ist mein viertes Jahr im Team, aber du weiß nie, was in den nächsten Wochen passieren wird. Aber natürlich weiß das Team, dass ich hier sehr glücklich bin.

Du sagst Force India hat deine Karriere wieder aufgebaut. Vielleicht schon größer gebaut, als sie zuvor war?
Sergio Perez: Wenn du es mit vorher vergleichst - mit 2012 -, da hatte ich große Angebote auf dem Tisch von den größten Teams im Sport. Gerade gibt es dort vielleicht weniger Plätze, aber ich bin zufrieden, dass andere Teams wissen, dass ich keinen Vertrag habe und ich wiederum weiß, dass sie mich gerne im Team haben würden. Das macht mich stolz, stolz auf meine Arbeit.

Perez: Ich liege vor Hülkenberg - wie die letzten Jahre auch - Foto: Sutton

Wie genau schaust du eigentlich Nico und Renault zu?
Sergio Perez: Alles was ich weiß ist, dass ich gerade in der WM vorne bin - wie in den letzten paar Jahren auch.

Aber verfolgst du das Renault-Projekt?
Sergio Perez: Ich schaue mir das schon sehr genau an. Besonders, wenn dein Vertrag ausläuft schaust du dir die anderen Teams an und wie sie sich entwickeln. Das ist die Natur des Sports. Aber mein Hauptfokus liegt hier. In den nächsten Wochen werde ich mich dann auf einen neuen Vertrag fokussieren.


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