Formel 1

Achtung, Crash-Gefahr! Breite Autos, enges Monaco: Geht das gut?

Die Formel 1 2017 ist vor allem eines: breiter! Jetzt geht es nach Monaco. Passen die Monster-Boliden noch zwischen die Leitplanken? Die Fahrer sind uneins.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Spektakulärer sollte sie werden die Formel 1 der Saison 2017. Gesagt, getan, angefangen schon bei der Optik. Durch das neue Regelment kommen die aktuellen Boliden deutlich wuchtiger daher. Der neue Look begeistert die Fans rund um den Globus seit Saisonstart. 20 Zentimeter breiter sind die F1-Autos gegenüber den Vorjahren, aus den Reifen wurden regelrechte Walzen.

Doch sorgen die Augenöffner-Autos jetzt für Probleme? Nach Melbourne, Sakhir, Shanghai, Sochi und Barcelona gastiert der Formel-1-Tross beim sechsten WM-Lauf beim traditionsreichen Monaco GP. Das Straßenrennen in Monte Carlo ist berüchtigt für die extrem enge Streckenführung in den 'Häuserschluchten' des Fürstentums, ein schmales Asphaltband, direkt eingefasst in Leitplanken. Auslaufzonen? Platz für Fehler? Fehlanzeige.

Monaco: Wie eng gehts mit den breiten Autos zu?

Schon in der Vergangenheit sorgte das regelmäßig für jede Menge Unfälle und Blechschäden - Crash-Potential am Maximum. Jetzt also der ganze Spaß mit breiteren Chassis' und Reifen - ausgrechnet am Ort, an dem Pirelli im Vorjahr seine breiten Walzen erstmals der Weltöffentlichkeit präsentierte. Kann das gut gehen? Im Fahrerlager gehen die Meinung darüber etwas auseinander.

Du wirst es sofort bemerken.
Daniel Ricciardo

"Es ist ja immer eng auf dieser Strecke gewesen. 20 Zentimeter breiter hören sich da nicht viel an, aber wenn alle Autos zusammen draußen sind und das auf einem so engen Kurs - da wirst du es sofort bemerken. Also solltest du dich gut qualifizieren! Das wird helfen", sagt Daniel Ricciardo.

Manchmal küsst du hier die Leitplanke ein bisschen und vielleicht werden wir dieses Jahr jede Menge Küsse mehr sehen.
Felipe Massa

"Samstag wird da natürlich der wichtigste Tag sein", bestätigt Pascal Wehrlein. "Einige Kurven sind sehr eng, besonders wenn du im Mittelfeld unterwegs bist wird es ziemlich aufregend werden", ergänzt der Sauber-Pilot. Ähnlich die Einschätzung von Felipe Massa. "Es wird das erste Mal mit den breiteren Autos sein, wir müssen uns auf dieser extrem engen Strecke an diese neue Größe anpassen. Es wird dieses Jahr ziemlich eng", warnt der Routinier.

Wissenswertes über den Monaco GP: (00:58 Min.)

Rückkehrer Button erwartet 'System-Schock'

"Manchmal küsst du hier die Leitplanke ein bisschen und vielleicht werden wir dieses Jahr jede Menge Küsse mehr sehen. Vielleicht wird es auch etwas mehr als ein Kuss! Vielleicht ein Schlag ins Gesicht, wenn du zu hart küsst. Es wird eine kleine extra Herausforderung für uns alle", sagt der Brasilianer.

Etwas weniger dramatisch schätzt dagegen Nico Hülkenberg die Lage ein. "Morgen müssen wir uns da beim ersten Mal vielleicht schon ein bisschen umorientieren", sagt der Renault-Pilot. "Aber ich glaube nicht, dass das zu schwer wird oder allzu lang dauert. Wir haben jetzt ein paar Rennen absolviert und eine ganze Weile in diesen Autos verbracht, also denke ich, dass wir uns daran gewöhnt haben."

Für mich wird es sowieso ein System-Schock dieses Auto zu fahren.
Jenson Button

Was jedoch nicht für Jenson Button gilt. Der McLaren-Ersatzmann für Indy-500-Fremdgeher Fernando Alonso wird in Monaco seine ersten Kilometer in einem 2017er Boliden überhaupt bestreiten. Großartige Sorgen macht sich der Altstar deshalb jedoch längst nicht. "Für mich wird es sowieso ein System-Schock dieses Auto zu fahren, also ... Nein, ich denke es wird sicher für alle etwas ungewohnt sein ein breiteres Auto zu haben. Aber du sitzt noch immer in der Mitte. Da solltest du die Dinge recht leicht einschätzen können", meint Button.

Vorschau: Das erwartet die F1 in Monaco: (04:40 Min.)

Räikkönen & Vettel erwarten keine Probleme

Genau das erwartet auch der dritte Routinier im Bunde. "Ich könnte falsch liegen, aber ich glaube nicht, dass wir einen allzu großen Unterschied spüren werden. Auch auf den Kursen, auf denen wir bislang waren hat es sich anders angefühlt, als wir das erste Mal rausgegangen sind. Aber ich denke nicht, das wir unfassbar oft gesehen haben, dass jemand Probleme hatte und versehentlich neben die Strecke geraten ist, weil das Auto breiter ist", sagt Kimi Räikkönen.

Gewöhnlich schaust du einfach nach den Vorderreifen und so viel hat sich dann nicht geändert am Verhältnis zwischen vorne und hinten.
Kimi Räikkönen

"Hier könnte es anders sein, aber gewöhnlich schaust du einfach nach den Vorderreifen und so viel hat sich dann nicht geändert am Verhältnis zwischen vorne und hinten. Ich denke nicht, dass es ein riesiges Problem sein wird, aber ich kann mich auch täuschen", erklärt der Ferrari-Pilot. Teamkollege Sebastian Vettel geht ebenfalls nicht davon aus, dass sich viel ändern wird: "Das merkst du nicht mehr, weil du dich daran schon gewöhnt hast."

Ich bin im Simulator schon mit dem alten Auto hier gegen die Mauer gefahren - und mit dem neuen auch.
Sebastian Vettel

Lustige Randbemerkung des WM-Führenden: "Ich bin im Simulator schon mit dem alten Auto hier gegen die Mauer gefahren - und mit dem neuen auch." Die Konkurrenz von Mercedes verortet unterdessen ein ganz anderes Silberpfeil-eigenes Problem: Kein Auto verfügt über einen längeren Radstand als der Mercedes. Lewis Hamilton: "In den ganz engen Kurven, wenn das Auto sehr gut um die Ecke kommen muss - ein langes Auto ist da einfach schwer zu wenden."


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