Formel 1

Mercedes-Boss Zetsche adelt Rosberg für Rücktritt

Mercedes-Boss Dieter Zetsche wurde Ende 2016 von Nico Rosbergs Rücktritt überrascht. Heute weiß er Rosberg für seine Entscheidung zu schätzen.
von Christian Menath

Motorsport-Magazin.com - Nico Rosberg verließ nach seiner gewonnenen Weltmeisterschaft 2016 völlig überraschend die Formel-1-Bühne. Ohne Vorwarnung verkündete er auf der WM-Gala in Wien Anfang Dezember seinen Rücktritt. Daimlers Vorstandsvorsitzender Dieter Zetsche erfuhr von Mercedes Motorsportchef Toto Wolff von der Entscheidung - um 07:00 Uhr morgens am Telefon.

Die hatten ja eine ähnlich liebevolle Beziehung wie Polizei und Demonstranten in Berlin am 1. Mai.
Dieter Zetsche

"Mein erster Impuls: Wenn der um diese Zeit anruft, gab's wieder Reibereien zwischen Lewis und Nico. Die hatten ja eine ähnlich liebevolle Beziehung wie Polizei und Demonstranten in Berlin am 1. Mai", erinnert sich der Mercedes-Oberboss in seinem Linkedin Blog. "Toto sagte nur vier Worte: Nico beendet seine Karriere. Darauf konnte ich erstmal gar nichts antworten. Und das nicht nur, weil ich noch die Zahnbürste im Mund hatte."

Anfangs konnte Zetsche noch recht wenig mit Rosbergs Entscheidung anfangen: "Vielleicht liegt es daran, dass meine Karriere mit 30 erst so richtig Fahrt aufgenommen hat." Heute sieht Dieter Zetsche, der mächtige Markenboss mit dem markanten Schnauzbart die Sache anders: "Wenn jemand in seinem Alter schon den Job an den Nagel hängt, dann klingt das ja eher wie ein Vordenker in puncto 'Retirement'... Natürlich blieb mir damals trotzdem nichts anderes übrig, als zu sagen: 'Ich respektiere diese Entscheidung.' Aber mittlerweile verstehe ich sie auch."

"Es ging nicht darum, dass er mit 30 Rentner sein wollte", erklärt Zetsche. "Im Gegenteil: Es ging darum, dass Nico nach 25 Jahren Motorsport nun seiner Verantwortung gegenüber anderen gerecht wird. Und eigentlich passt das sehr gut zum Thema Dedication."

Zetsche: Großer Respekt vor Rosberg

Zetsche sieht in Rosbergs Entscheidung eine Eigenschaft, die für ihn auch die eigene Marke ausmacht. "Ich habe großen Respekt vor Menschen, die ihr ganzes Leben einer einzigen Aufgabe widmen. Ich habe aber genauso großen Respekt, wenn jemand in einer bequemen Phase des Erfolges die unbequeme Entscheidung trifft, seine Energie neuen Zielen zu widmen. Und das hat Nico getan. Denn er ist ja nicht nur Weltmeister, sondern auch Vater geworden."

Für Rosberg lautet die neue Aufgabe, Vater und Ehemann zu sein. Mercedes, das 2016 das erfolgreichste Jahr der Firmengeschichte hatte, lautet die Herausforderung, noch besser zu werden. Zetsche will neuerfinden, nicht nur verbessern: "Deshalb wollen wir mehr tun, als jedes Jahr ein paar Autos mehr zu verkaufen als der Wettbewerb aus Bayern - und in der Formel 1 ein paar Sekunden schneller zu sein als die Konkurrenz aus Italien."

"Hätten Carl Benz und Gottlieb Daimler vor 130 Jahren so gedacht - sie hätten das Auto womöglich gar nicht erfunden, sondern das Pferd optimiert. Sie haben sich entschieden, den unbequemen Weg zu gehen und etwas Neues auszuprobieren. Genau das hat Nico auch getan. Und damit ist er in meinen Augen sehr wohl ein Vordenker in puncto Dedication", adelt Zetsche den zurückgetretenen Weltmeister.


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