Formel 1

Force-India-Pilot Ocon überzeugt: Nur wegen Pech hinter Teamkollege Perez

Esteban Ocon konnte in den ersten drei Rennen jeweils in die Punkte fahren: Nicht genug für den Mercedes-Junior. In Russland soll für ihn mehr herausspringen.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Mit drei WM-Punkten aus den ersten drei Rennen der Formel-1-Saison 2017 liegt Esteban Ocon vor dem Großen Preis von Russland in der Gesamtwertung auf dem zwölften Platz. Eigentlich ein guter Saisonstart für den Neuzugang bei Force India, der bei seinem Debüt für Manor im vergangenen Jahr von Punkten nur träumen durfte. Der Mercedes-Junior ist allerdings davon überzeugt, dass für ihn schon mehr hätte herausspringen müssen. In Sochi soll es noch weiter nach vorne gehen.

Ich denke, achte oder siebte Plätze wären drin gewesen. Zumindest in zwei der drei Rennen.
Esteban Ocon

Bei seinem Einstand für Force India legte Ocon einen Hattrick an zehnten Plätzen hin. Eigentlich eine anständige Ausbeute, vor allem angesichts der Tatsache, dass der Punkt beim Auftaktrennen in Melbourne der erste seiner F1-Laufbahn war. So könnte es eigentlich weitergehen, sollte man meinen. Doch Ocon gibt sich vor dem Rennwochenende in Sochi mit diesem Anspruch nicht mehr zufrieden: "Nein, das ist nicht das Ziel."

Der Grund dafür dürfte auf der Hand liegen: Sein Teamkollege Sergio Perez rangiert mit 14 Punkten auf dem achten Gesamtrang und hatte bisher ganz klar die Oberhand. "Es war natürlich gut, immer Punkte zu holen. Besonders mit zwei Autos. Das bedeutet, wir haben das Potential stark zu sein, besonders in den Rennen", kann Ocon den Erfolgen des Stallgefährten durchaus Positives abgewinnen.

Sergio Perez hat bisher die Nase klar vor Esteban Ocon - Foto: Sutton

Ocon hält Perez-Resultate für möglich

Gleichzeitig ist er aber davon überzeugt, unter für ihn anderen Voraussetzungen ebenfalls eine bessere Ernte drin gewesen wäre. "Was ich will sind mehr Punkte und ich denke, das wäre möglich gewesen, hätten wir während des Saisonstarts immer alles richtig gemacht", fügt der 20-Jährige an. In Bahrain hatte er zuletzt darüber geklagt, dass die Safety-Car-Phase zu Rennbeginn ihn aus der Bahn warf und er so vom 14. Startplatz nur Zehnter werden konnte, während Teamkollege Perez vier Positionen hinter ihm ins Rennen ging und trotzdem drei vor ihm ins Ziel kam.

Was ich will sind mehr Punkte.
Esteban Ocon

"Ich denke, in Bahrain haben wir eigentlich alles richtig gemacht. Aber ich hatte dort einfach kein Glück", trauert er einem besseren Resultat immer noch hinterher. Was genau er sich mit mehr Glück vorgestellte? Ganz einfach: Die Resultate des Teamkollegen. "Ich denke, achte oder siebte Plätze wären drin gewesen. Zumindest in zwei der drei Rennen", so Ocon, der in Russland seine Zehner-Serie brechen will: "Wenn bei den nächsten Rennen alles zusammenkommt, sollte es einfach möglich sein, besser als auf Platz zehn abzuschneiden."

Ocon ist bei Force India angekommen

Dass Ocon mittlerweile immer besser zurechtkommt, ist nicht von der Hand zu weisen. Der junge Franzose ist zwar seit noch nicht einmal einem Jahr Stammpilot in der Königsklasse, doch Force India ist bereits das vierte Formel-1-Team, mit der zusammenarbeitet - nachdem er 2016 für Renault und Mercedes Testfahrten absolvieren durfte und nach der Sommerpause ab Spa-Francorchamps bei Manor als Einsatzpilot ins Lenkrad griff.

"Ich bin jetzt viel gesetzter im Team und habe das Gefühl, dass alles mit jedem Mal einfacher wird. Sämtliche Prozesse und die Abstimmung des Autos, alles fühlt sich mit mehr Erfahrung einfacher an und das ist eine gute Sache", so Ocon gegenüber Motorsport-Magazin.com. Und er hat keinen Zweifel daran, dass es sowohl für ihn als auch für sein Team im weiteren Saisonverlauf weiter bergauf gehen wird: "In Bahrain konnte ich das bereits spüren und ich glaube, es wird über das Jahr hinweg auch weiterhin besser."

Wissenswertes über den Russland GP: (00:46 Min.)

Red Bull mit Weiterentwicklung angreifen

Force-India-Teamchef Vijay Mallya hatte nach dem vierten Platz aus dem Vorjahr, welcher das bisher beste Ergebnis der Team-Geschichte darstellt, für 2017 das Ziel ausgegeben, Platz drei bei den Konstrukteuren ins Visier zu nehmen. Aktuell liegt seine Truppe wieder auf dem vierten Platz und Red Bull ist eine Position davor bereits um 30 Punkte enteilt. Ob das Ziel jetzt bereits außer Reichweite ist? "Im Moment haben wir dafür nicht wirklich die Pace. Aber das Auto wird über die Saison hinweg entwickelt und du weißt nie. Wenn wir unser Auto richtig verbessern, können wir vielleicht darum kämpfen" gibt sich Ocon optimistisch.

Wenn wir unser Auto richtig verbessern, können wir vielleicht darum kämpfen.
Esteban Ocon

Anders als mit dem Vorgängermodell scheint die Mannschaft mit dem VJM10 jedenfalls gleich zu Saisonbeginn gut aufgelegt zu sein. 2016 stand Force India nach drei Rennen mit gerade einmal vier Punkten da. Diese Saison sind es bereits 17. "Ich denke, wir verstehen jedes Mal mehr. Aber wenn es eine einfache Antwort gäbe, hätten wir sie wohl schon vor langer Zeit gefunden. Ich denke jedoch, es sind nur Details. Wir müssen optimistisch bleiben und weiter hart pushen und arbeiten, wie wir es schon seit dem Beginn der Saison tun", so Ocon.

Ocon hofft auf starkes Force India in Sochi

Doch selbst ohne den großen Sprung in Sachen Weiterentwicklung soll schon in Russland mehr für ihn drin sein: "Wir müssen einfach das Maximum aus unseren Möglichkeiten holen. Wir hätten alleine damit schon viel mehr Punkte holen können." Viel mehr Punkte sollen es gerne auch schon in Russland sein, denn der Youngster erwartet, dass das Sochi Autodrom seinem Boliden entgegenkommt.

"Es ist eine sehr glatte Strecke. Das ist immer gut, denn du kannst das Auto problemlos mit einer niedrigeren Bodenfreiheit fahren und Kerbs einfacher nehmen", ist Ocon zuversichtlich. Zu weit aus dem Fenster lehnen möchte er sich jedoch nicht: "Aber es sind natürlich nur Vermutungen, solange wir nicht gefahren sind. Nach den Trainings am Freitag werden wir mehr Antworten haben."


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