Formel 1 - Ferrari vs. Mercedes: Folgt die silberne Revanche?

Mercedes in der Favoritenrolle

Beim Großen Preis von China steht der nächste Schlagabtausch zwischen Sebastian Vettel und Lewis Hamilton an. Doch auch von Red Bull könnte Gefahr ausgehen.
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Motorsport-Magazin.com - Beim Saisonauftakt in Melbourne musste Mercedes sich erstmals seit Singapur 2015 wieder Ferrari geschlagen geben. Shanghai soll die Antwort darauf geben, ob der Sieg von Sebastian Vettel über Lewis Hamilton nur eine Eintagsfliege war, die einem Strategiefehler der Silberpfeile geschuldet war - oder ob die Scuderia 2017 tatsächlich der große Herausforderer von Mercedes sein kann. Während der Kampf zwischen den beiden Favoriten in Shanghai in die zweite Runde geht, will Red Bull wie im vergangenen Jahr einen schnellen Aufwärtstrend herbeiführen.

Die Erleichterung bei Vettel und seiner Mannschaft war groß, als nach 553 Tagen endlich der langersehnte nächste Triumph über Mercedes gelang - und im Gegensatz zu 2016 der Ruf als Test-Weltmeister auch am Rennsonntag bestätigt werden konnte. Lob erhielt die Scuderia danach von allen Seiten. Selbst von Mercedes. "Ferrari hatte einfach das schnellere Auto. Sie waren bärenstark und Sebastian fuhr in seiner eigenen Liga", so Silberpfeil-Teamchef Toto Wolff.

In diesem Jahr sehen wir die Besten gegen die Besten. Wir sind die besten Fahrer.
Lewis Hamilton

Hamilton begrüßte es nach drei Jahren Mercedes-Dominanz beinahe schon, von einem Ferrari besiegt worden zu sein: "In diesem Jahr sehen wir die Besten gegen die Besten. Wir sind die besten Fahrer. Mit Sebastian haben wir einen tollen Fahrer, der vier Titel gewonnen hat das ist ein unglaublicher Schub für die Formel 1. Er bleibt eine Macht und so geht es noch einige Jahre weiter. Ich bin bereit für diesen Kampf mit ihm und Ferrari, dem besten Team nach uns."

Nach Vettel-Sieg: Ist Ferrari reif für den WM-Titel?: (28:24 Min.)

Ferrari reist mit angezogener Euphorie-Bremse nach China

Die große Euphorie blieb bei Ferrari allerdings aus, denn Teamchef Sergio Marchionne und dem Kommandostand war nicht entgangen, dass Mercedes ihnen mit Hamiltons frühem Boxenstopp in die Karten gespielt hatte und es bei einem Kampf auf der Strecke einen anderen Ausgang hätte nehmen können. "Wir haben noch 19 Rennen vor uns und müssen bei jedem Grand Prix die Konzentration hoch- und Ablenkungen fernhalten", so der Italiener.

Was die reine Pace anging war der Silberpfeil am Australien-Wochenende tatsächlich keineswegs langsamer - auch am Sonntag nicht. Deshalb riet TV-Experte Christian Danner im Gespräch mit Motorsport-Magazin.com ebenfalls dazu, den Ball in Maranello erst einmal flach zu halten: "Der Albert Park ist eine sehr spezielle Strecke. Warten wir mal ab, was in China oder Bahrain passiert. Ich sehe Ferrari jetzt nicht groß im Vorteil."

Ferrari mit Reifen-Vorteil?

Für Mercedes geht es in China darum, die alte Hackordnung wiederherzustellen. Toto Wolff glaubte nach der Australien-Niederlage sofort zu wissen, wo seine Truppe den Hebel ansetzen muss. "Ich glaube, dass diese Reifen ein sehr enges Fenster haben. Unterhalb oder oberhalb dieses Fensters verlierst du an Performance. Das ist anders als letztes Jahr. Bei den Bedingungen heute haben wir unterperformt", so der Österreicher. Sollte Wolffs Vermutung stimmen und der Ferrari besser mit den neuen Pirelli-Reifen haushalten, könnten die Roten in China in der Tat im Vorteil sein.

Wir haben noch 19 Rennen vor uns und müssen bei jedem Grand Prix die Konzentration hoch- und Ablenkungen fernhalten.
Maurizio Arrivabene

Zumindest 2016 gab es beim Rennen auf dem Shanghai International Circuit eine wahre Reifen-Schlacht mit 66 Boxenstopps. Die Statistik der vergangenen Jahre spricht allerdings eine deutliche Sprache für Mercedes. Vier der letzten fünf Großen Preise von China konnten die Silberpfeile gewinnen. Zuletzt waren Hamilton und Rosberg drei Mal in Folge siegreich. Ferrari konnte in Shanghai zwar auch schon vier Mal gewinnen, doch der letzte Sieg von Fernando Alonso liegt bereits vier Jahre zurück.

Auf der Fahrer-Seite ist Hamilton mit vier Siegen der unangefochtene Hausherr auf dem seit 2004 zur Formel 1 zählenden Kurs in Shanghai. Vettel und Räikkönen konnten jeweils ein Mal in China gewinnen. Während Hamiltons Ex-Teamkollege Nico Rosberg in China zwei Mal gewinnen konnte, ist sein neuer Stallgefährte Valtteri Bottas noch ein völlig unbeschriebenes Blatt auf dem 5,451 km langen Kurs. Für ihn steht ein sechster Platz aus dem Jahr 2015 als bestes Ergebnis zu Buche. Auch das Red Bull-Duo Daniel Ricciardo und Max Verstappen konnte noch keine Glanzlichter setzen.

Fahrer Siege Podien Poles Schnellste Runden Rennen gesamt
Lewis Hamilton 4 7 5 3 10
Fernando Alonso 2 5 2 1 13
Sebastian Vettel 1 4 3 1 10
Kimi Räikkönen 1 5 - 1 11
Felipe Massa - 2 - 1 13
Daniil Kvyat - 1 - - 3
Nico Hülkenberg - - - 1 7

Red Bull-Comeback in China?

Das galt auch In Melbourne, wo die Bullen dem Duo an der Spitze mit einem Respektabstand hinterherhinkten. Weder Verstappen noch Ricciardo konnte den Kampf mit Mercedes und Ferrari aufnehmen. Die Mannschaft rund um Teamchef Christian Horner wusste schon bei den Barcelona-Testfahrten um den Rückstand und arbeitet seitdem auf Hochtouren daran, den RB13 konkurrenzfähig zu machen. Dass die Bullen sich schnell wieder aufrappeln können, konnte man 2016 sehen. Ricciardo und Kvyat kämpften damals beim Saisonauftakt um den Einzug in die Top-10 und wurden sogar vom Schwesterteam Toro Rosso geschlagen.

Wir glauben zu wissen, was die Probleme sind und wir bringen entsprechend neue Teile nach Shanghai, die die Grundprobleme aussortieren sollten.
Dr. Helmut Marko

Wenig später in China war Red Bull wie neugeboren. Ricciardo schnappte sich hinter Rosberg den zweiten Startplatz und übernahm am Rennsonntag gleich in der ersten Kurve die Führung, bevor ihn wenig später ein Reifenschaden stoppte. Dementsprechend zuversichtlich ist das Team, dass es auch dieses Jahr in Shanghai wieder bergauf geht. "Wir glauben zu wissen, was die Probleme sind und wir bringen entsprechend neue Teile nach Shanghai, die die Grundprobleme aussortieren sollten", so die Ankündigung von Dr. Helmut Marko.


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