Formel 1 - Australien GP: Die Tops und Flops

Von heißersehnten Siegen und abgebrochenen Starts

Sebastian Vettel holt den heißersehnten Sieg, während die Mercedes-Strategen und die FOM patzen. Die Tops und Flops des Australien GP.
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Top: Super-Seb beendet Ferrari-Durststrecke

Eine ungewöhnliche Situation für die erfolgsverwöhnten Tifosi, ein Jahr, sechs Monate und 188 Tage auf einen Sieg zu warten. Sebastian Vettel erlöste die Scuderia mit dem Auftakt-Sieg in Melbourne. Der Druck auf Ferrari von außen ist immens und intern saßen Fahrer und Teammitglieder auf heißen Kohlen. Der Sieg beim Großen Preis von Australien ist daher nicht nur als Kampfansage an die Silberpfeile zu werten. Sondern auch der viel zitierte dicke Knoten scheint geplatzt zu sein. Bei aller Euphorie der Ferraristi weltweit sollte man aber bedenken, dass es erst das erste Rennen war. Und der Saisonauftakt zählt sowieso zu den etwas anderen Grands Prix. Ob Ferrari nun wiedererstanden ist, wird sich erst im weiteren Verlauf der Saison zeigen.

Ist Ferrari jetzt WM-Anwärter?: (02:10 Min.)

Top: Haltbarkeit der Reifen

Pirelli hat seit dem Wiedereinstieg als Reifenlieferant anno 2011 einiges an Kritik einstecken müssen. Holzreifen hier, Haltbarkeit gegen Null da. Mit der 2017er Generation an Pneus hat Pirelli - den Testfahrten und dem Australien GP nach zu urteilen - endlich einen Glücksgriff gelandet. Einige Fahrer sind hatten natürlich auch nach dem Saisonauftakt zu meckern, allen voran Lewis Hamilton: "Die Reifen sind sehr ähnlich zu den Vorjahren. Die Charakteristiken unterscheiden sich nicht: Sie überhitzen und der Verschleiß ist wie früher. Sie sind jetzt einen Schritt steifer, so gehen sie einfach länger. Es gibt aber genauso Graining wie früher." Ferrari-Pilot Kimi Räikkönen war allerdings voll des Lobes für die neuen Pirellis. "Sie haben sich in jedem Bereich verbessert. Alles in allem sind die Reifen einfacher zu managen. Du kannst härter pushen, das Arbeitsfenster ist größer und sie halten länger", lautete das Fazit des Iceman.

Top: Zuschauer bekommen Auslaufrunde hautnah mit

Es war wohl eher ein Versehen, dass die Ränge nach der Schlussrunde des Australien Grand Prix so früh geöffnet wurden. Dadurch bot sich den Zuschauern allerdings ein Moment, den so manch einer sein Leben lang nicht vergessen wird. Während der Auslaufrunde stürmten die Fans auf die Strecke und bejubelten die etwas verdutzten Fahrer aus nächster Nähe. Allen Sicherheitsvorkehrungen zum Trotz verhielten sich alle Streckenstürmer vorbildlich, es kam zu keinem Zwischenfall. "Die Auslaufrunde nach der Zielflagge war etwas ganz besonderes", sagte Rennsieger Vettel. "Die Leute durften auf die Strecke. Das hat mich ein bisschen gewundert, aber ich fand's cool."

Wie früher: Fans stürmen nach dem Australien GP auf die Strecke: (00:27 Min.)

Top: Antonio Giovinazzi mit überzeugendem F1-Einstand

Einen beeindruckenden Formel-1-Einstand gelang dem Italiener Antonio Giovinazzi. Nachdem Sauber-Stammpilot Pascal Wehrlein seine Teilnahme am Australien GP nach den beiden Freitags-Trainings absagte, weil er sich noch nicht fit genug für ein Rennwochenende fühlte, musste Giovinazzi in die Bresche springen. "Zuerst dachte ich, es sei ein Witz", so die erste Reaktion des Italieners, als er von seiner Beförderung für das Wochenende erfuhr.

Bereits ab dem Qualifying zeigte er sein Talent. Nur knapp verpasste Giovinazzi den Einzug ins Q2 - 0,2 Sekunden geschlagen vom Teamkollegen Marcus Ericsson. Zeitgleich ließ der Italiener aber mit Kevin Magnussen und Jolyon Palmer zwei Routiniers hinter sich, Lance Stroll und Stoffel Vandoorne landeten ebenfalls hinter ihm. Im Rennen verpasste der Überraschungs-Rookie die Punkte als Zwölfter. Auf sein Konto geht zudem die zwölftschnellste Runde. Damit war der Italiener schneller als beispielsweise Fernando Alonso.

Starker F1-Einstand: Antonio Giovinazzi - Foto: Sutton

Flop: Strategie-Fail am Mercedes-Kommandostand

Was vergangenes Jahr am laufenden Band wie am Schnürchen lief, könnte den Silberpfeil-Sieg in Melbourne vereitelt haben. Die Entscheidung, den Briten frühzeitig an die Box zu holen, basierte darauf, dass Lewis Hamiltons Ultrasoft-Reifen früher einbrach als geplant. Der Brite sah sich also gezwungen, einem möglichen Undercut des späteren Rennsiegers zuvorzukommen. Wäre Vettel nämlich vor dem Mercedes-Piloten an die Box gekommen, hätte der Deutsche wohl die Führung übernommen.

Die Enttäuschung am Mercedes-Kommandostand muss groß gewesen sein, als Vettel nicht sofort nachzog. Der Deutsche konnte die Reifen trotz verwirbelter Luft hinter Hamilton gut managen. Daher war eine überhastete Reaktion seitens der Scuderia nicht nötig. Der Deutsche konnte sogar noch drauflegen. Sechs Runden länger hielt er es auf den Ultrasoft-Reifen aus, ehe er in der 23. Runde an die Box kam. In Runde 22 lief Hamilton auf Verstappen auf und verlor dabei die entscheidende Zeit - und Vettel zog vorbei, wenn auch nur knapp.

Der Kampfjet gegen die FOM - Foto: Sutton

Flop: Timing-Einblendungen in der TV-Übertragung ein Graus

Da hat die FOM den Vogel abgeschossen. Die Timing-Einblendungen und sonstige Informationen haben das gesamte Wochenende über Aussetzer gehabt. Eine erhebliche Beeinträchtigung des Fernsehvergnügens für die TV-Zuschauer auf der heimischen Couch. So wurde im ersten Qualifyingabschnitt am Samstag erst nach zehn Minuten das Zeitentableau eingeblendet. Teamradios wurden plötzlich eingespielt, es gab keinerlei Einblendungen, um wen es gerade genau ging. Laut Info von RTL soll ein Kampfjet für Interferenzen gesorgt haben. Wer's glaubt. Das geht deutlich besser, werte Vertreter der FOM!

Flop: Rätselraten um Startabbruch

Klar, ein Rennabbruch passiert gerne mal. Doch die Rennleitung bringt im Fall der Fälle entsprechend schnell Licht ins Dunkel. Doch nicht beim Australien GP. Nachdem die Piloten nach der Einführungsrunde ihre Startplätze bezogen haben und Fahrer, Teams und Fans gebannt auf die Startampel starrten, kam die Ernüchterung: Rennabbruch und eine weitere Einführungsrunde. Von der Rennleitung gab es keinerlei Informationen dazu.

Rätselraten: Wieso der Startabbruch? - Foto: Sutton

Ferrari wusste den Grund für den Startabbruch und twitterten: "Eine weitere Formationsrunde, STR (Lance Stroll; d. Red.) steht an der falschen Position." Einen Tag nach dem Rennen klärte Renndirektor Charlie Whiting via Autosport auf: "Ich habe den Start abgebrochen, weil es Unsicherheiten gab und ich will mir jedes Mal sicher sein - oder zumindest so sicher, wie man eben sein kann. Zunächst hielt Perez an der falschen Position an. Nach einigen Sekunden begann er plötzlich, nach vorne zu rollen. Zur selben Zeit drückte der Marschall, der für die Kontrollampel neben Kvyats Auto verantwortlich war, den gelben Knopf. Damit zeigte er an, dass es wohl ein Problem gab." Allerdings fiel weder Whiting noch einem seiner Kollegen ein Problem auf. "Ich dachte, es wäre die sicherste Option, das Rennen abzubrechen und die Fahrer auf eine weitere Formationsrunde zu schicken." Problem geklärt, vielen Dank, Herr Whiting.


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