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Formel 1

Marko: Unsere Fahrer wollen nicht zu Mercedes

Mercedes sucht noch immer einen Nachfolger für Nico Rosberg. Auch Red-Bull-Piloten geistern durch die Medien - doch Dr. Helmut Marko erteilt eine klare Abfuhr.
von Christian Menath

Motorsport-Magazin.com - Nach dem überraschenden Rücktritt von Weltmeister Nico Rosberg sucht Mercedes noch immer nach einem Nachfolger. Auf dem Fahrermarkt ist die Auswahl allerdings sehr beschränkt. In der erst kürzlich von der FIA veröffentlichten vorläufigen Starterliste sind neben dem Mercedes-Cockpit lediglich drei Plätze unbesetzt. Oder anders ausgedrückt: Alle Top-Fahrer haben Verträge für 2017.

Es ist kein Geheimnis, dass Mercedes Motorsportchef Toto Wolff ein großer Fan von Max Verstappen ist. Der Niederländer hatte nach dem Bekanntwerden von Rosbergs Rücktritt auch öffentlich über einen Wechsel zu den Silberpfeilen gescherzt.

Ein Spaß mit einem Funken Wahrheit, meinte der ein oder andere. "Ich glaube, da gibt es große Missverständnisse", sagte Red Bull Motorsportberater Dr. Helmut Marko zu Motorsport-Magazin.com. "Wir haben gültige Verträge mit unseren beiden Piloten. Und unsere Fahrer werden auch nicht schwach. Wenn es Aussagen wie jene gibt, dass ein Fahrer in die Psychatrie gehört, dann können Sie annehmen, dass es nicht gerade den Wunsch gibt, in so ein Team zu übersiedeln."

Marko: Wer sagt, dass Mercedes 2017 wieder dominiert?

Das vakante Mercedes-Cockpit ist allerdings heißbegehrt. Fernando Alonso würde sich liebend gerne aus seinem McLaren-Vertrag winden, um im nächsten Jahr um Siege und die Weltmeisterschaft zu kämpfen. Marko allerdings wirft ein: "Wer sagt, dass Mercedes wieder diese Dominanz haben wird? Die Karten werden 2017 neu gemischt."

Red Bull rechnet sich aufgrund der neuen Aerodynamik-Regeln große Chancen aus. "Schon aus der Tradition heraus: Wann immer es Regeländerungen gab, war Red Bull stark", so Marko. "Mercedes kann nicht mehr auf ihr bewährtes Paket zurückgreifen. Natürlich wurde es immer weiterentwickelt, aber jetzt fangen wir relativ bei Null an."

Außerdem spielt Red Bull dann der Rosberg-Rücktritt in die Karten. Mercedes ist geschwächt. "Das sehen wir positiv", freut sich Marko. "Ich weiß nicht, ob sie ihn adäquat ersetzen können." Dabei könnte der Fahrer 2017 wieder wichtiger werden: "Die Autos werden schwieriger zu fahren sein. Die Spreu trennt sich vom Weizen. Wir gehen davon aus, dass wir zwei absolute Top-Fahrer haben."

Mercedes lässt Red Bull in Ruhe

Zu Marko sind bislang noch keine Abwerbeversuche seitens Mercedes durchgedrungen. Der Österreicher bohrt in der Mercedes-Wunde. "Erklären Sie mir das mal: Die machen ein - im Vergleich zu unserem - aufwändiges Junior-Programm. Dann gibt es die Chance, dass einer dieser Junioren das Cockpit erhält und man sieht sich in der restlichen Welt um. Wie ist das zu verstehen?"

Wolff verspricht aber: "Wir gehen mit Sicherheit nicht mit jemandem in eine rechtliche Konfrontation. Man muss Verträge honorieren, das wünsche ich mir ja für uns selbst auch. Diesen Weg würden wir ganz sicher nicht beschreiten."

Insofern sind die Top-Piloten ohnehin vom Tisch. Nur Fernando Alonso und Valtteri Bottas dürften nicht ganz wasserdicht bei McLaren respektive Williams gebunden sein. Alonso allerdings wäre schwierig, weil der Spanier Mercedes beim Spionage-Skandal 2007 um 100 Millionen Dollar gebracht hat. Bottas wäre interessant, weil Wolff am Management des Finnen beteiligt ist. Favorit auf den Mercedes-Sitz ist aber nach wie vor Pascal Wehrlein.


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