Formel 1 / Analyse

Red Bull Favorit in Austin? - Longrun-Analyse: Red Bull macht Mercedes Dampf

Red Bull gibt am Freitag in Austin bei der Rennsimulation den Ton an. Mercedes kann nicht mithalten. Nur eine Momentaufnahme oder steckt mehr dahinter?
von Philipp Schajer

Motorsport-Magazin.com - Wieder einmal lachte Nico Rosberg am Freitag in Austin von der Spitze des Zeitentableaus. Mittlerweile ein gewohnter Anblick, ist der Deutsche doch drauf und dran, endlich den heiß ersehnten Weltmeistertitel einzufahren. Weil Rosberg in der bisherigen Saison so bravourös unterwegs war, muss er gar keines der ausstehenden vier Saisonrennen mehr gewinnen und kann trotzdem aus eigener Kraft Champion werden.

Und das ist auch gut für Rosberg, denn dass Mercedes in Austin nicht gewinnt, liegt durchaus im Bereich des Möglichen. Der große Rivale der Silberpfeile auf dem Circuit of the Americas kommt aus dem Hause Red Bull und schlug in den Longruns mit viel Sprit an Bord eine beeindruckende Pace an. Daniel Ricciardo und Max Verstappen waren bei der Rennsimulation eine Klasse für sich, die Konkurrenz konnte das Tempo nicht mitgehen.

Fahrer Stint-Länge Reifen-Alter Schnitt
Soft
Ricciardo 8 14 1:42.762
Verstappen 9 14 1:42.834
Rosberg 14 22 1:43.444
Räikkönen 8 12 1:43.459
Vettel 15 20 1:44.646
Supersoft
Ricciardo 12 15 1:42.919
Vettel 4 10 1:42.981
Rosberg 9 13 1:43.120
Hamilton 6 11 1:43.177
Verstappen 6 11 1:43.238
Räikkönen 8 17 1:44.381

Ricciardo und der tolle Freitag

"Es war einer unserer besten Freitage. Die Longrun-Pace sieht aus, als wären wir gleichauf, wenn nicht sogar schneller", frohlockte Ricciardo, der auch im Qualifying-Trim nur knapp zwei Zehntel langsamer als Rosberg war, nach getaner Arbeit. "Es ist gut zu spüren, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Ich denke nicht, dass wir heute Abend ganz viel Arbeit vor uns haben. Feintuning ist immer nötig, aber viel mehr aktuell nicht", war der Australier mit seinem Wagen vollauf zufrieden und muss sich bis Sonntag wohl damit anfreunden, zumindest als Co-Favorit auf den Sieg beim US GP gehandelt zu werden.

Die Longrun-Pace sieht aus, als wären wir gleichauf, wenn nicht sogar schneller
Daniel Ricciardo

Ein Blick auf die mit vollen Tanks absolvierten Zeiten bestätigt Ricciardos gutes Gefühl. Der Red-Bull-Pilot erzielte in seinem Longrun auf den Soft-Reifen eine durchschnittliche Rundenzeit von 1:42.7 Minuten und war damit eine Spur schneller als sein Teamkollege Verstappen. Rosberg schrieb hingegen im Mittel lediglich 1:43.4 Minuten an, wenngleich berücksichtigt werden muss, dass der Longrun des Mercedes-Piloten sowohl länger als jener der Red-Bull-Fahrer war, als auch mit älteren Reifen absolviert wurde.

Dennoch, am Eindruck, dass Red Bull auf dem Circuit of the Americas ziemlich stark ist, ändert dieser Umstand wenig. Das unterstreichen die Longruns auf den superweichen Reifen, wo Ricciardo mit 1:42.9 Minuten ebenfalls die Nase vorne hatte. Auf der weichsten zur Verfügung stehenden Mischung fiel der Rückstand von Mercedes jedoch etwas geringer aus - sowohl Rosberg als auch Hamilton schrieben 1:43.1 Minuten an. Verstappen ordnete sich mit einem Zehntel Rückstand unmittelbar hinter dem silbernen Duo ein.

Nico Rosberg war am Freitag der Trainingsschnellste - Foto: Sutton

"Wir haben heute Abend noch viel zu tun und es scheint, als ob es sehr eng zwischen den drei Top-Teams werden könnte. Wir müssen alles richtig hinbekommen, wenn wir ein gutes Wochenende erleben wollen", warnte Mercedes-Technikchef Paddy Lowe, dem die guten Zeiten von Red Bull naturgemäß nicht verborgen blieben. Aber auch der Brite weiß, dass Mercedes in der Regel jenes Team ist, das im Zweifelsfall noch am meisten zusätzliche Leistung abrufen kann.

Ferrari hat Nachholbedarf

Nicht besonders vielversprechend lief der Freitag aus Sicht von Ferrari. Zwar lag Vettel auf den Supersofts mit 1:42.9 Minuten auf dem Niveau von Ricciardo, mit nur vier Runden fiel sein Stint aber ausgesprochen kurz aus und kann daher kaum als seriöse Referenz herangezogen werden. Das gilt schon eher für Räikkönen, der länger unterwegs war und sich im Bereich von 1:44.3 Minuten bewegte.

Ferrari ist in Austin die dritte Kraft - Foto: Sutton

Dass es um Ferrari in Austin nicht allzu rosig bestellt ist, zeigt Vettels Longrun auf den Soft-Reifen. Dieser war ähnlich lang wie jener Rosbergs und wurde zudem auf etwas frischeren Reifen gefahren, unter dem Strich war der Heppenheimer aber rund 1,2 Sekunden langsamer als sein deutscher Landsmann in Diensten von Mercedes. Räikkönen bewegte sich indessen auf Rosberg-Niveau, geschönt wurden seine Zeiten allerdings durch einen vergleichsweise kurzen Stint und deutlich frischere Reifen.

"Am Freitag ist es normal, dass nicht alle zeigen, was Sache ist. Das ist das eine, und das andere ist unsere Balance, da sind wir noch nicht ganz da. Ich fühle mich noch nicht ganz wohl, und wenn der Wohlfühlfaktor dazu kommt, springen bestimmt auch noch ein paar Zehntel raus", sieht Vettel bei Ferrari noch jede Menge Luft nach oben. Die Scuderia wartet vor dem 18. Saisonrennen noch immer auf den ersten Sieg.

Hoher Reifenverschleiß

Die dritte Mischung, die Pirelli in Austin zur Verfügung stellt, sind die Medium-Reifen. Aufgrund des starken Verschleißes der superweichen Mischung scheint der weiß markierte Pneu eine ernsthafte Option für das Rennen zu sein, weshalb unter anderem Lewis Hamilton damit am Freitag einige Runden drehte, um sich einzuschießen.

"Medium und Soft sind beide potenziell gute Rennmischungen. Sie sollten besser funktionieren als Supersoft, auch wegen der Temperaturen", so Pirelli-Manager als Mario Isola. Abzuwarten bleibt, ob es einem Fahrer gelingt, sich am Samstag in Q2 auf den weichen Reifen zu qualifizieren, dann könnte die Rennstrategie auf Soft/Soft/Medium hinauslaufen, vermutet Isola. Andernfalls erwartet der Italiener einen ausgesprochen kurzen ersten Stint auf den supersoften Pneus.


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