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Das Rennwochenende in Spanien war nicht so spannend und packend wie jenes von vor vierzehn Tagen in Imola. Es war relativ klar. McLaren und Renault waren von Anfang an schnell. Auffällig finde ich aber, dass Fernando Alonso im Vergleich zu Giancarlo Fisichella immer stärker wird.

Der Römer war zwar auch besser im Rennen, aber nach den drei Ausfällen zwischen Malaysia und San Marino sieht er gar kein Land gegen den Spanier. Die Erklärungen zu Fisicos "Unterboden-Problem" muteten jedenfalls nach dem Rennen äußerst komisch an.

McLaren ist schon das ganze Jahr über schnell gewesen und hat es jetzt nicht nur beim Rennspeed, sondern auch im Zeittraining umgesetzt - jedenfalls hat Kimi es umgesetzt. Die Silbernen sind jetzt auf einmal richtig schnell und können mit Sicherheit noch ein Wörtchen um die WM mitreden.

Juan Pablo Montoya lieferte bei seiner Rückkehr hingegen eine schwache Vorstellung ab. Sein 2. Qualifying am Sonntagmorgen war zwar richtig gut, sein Gesamteindruck mit einem heftigen Unfall am Freitag, einem schlechten Qualifying am Samstag und einem Dreher am Sonntag war aber eher mäßig. Im Vergleich mit dem fehlerfreien und stark fahrenden Teamkollegen wurde er richtig gebügelt.

Daran sieht man jedoch erst einmal wie wichtig es ist viel im Auto zu sitzen und zu fahren. Auch ein Montoya kann sich dann nicht einfach wieder ins Auto setzen und vorne weg fahren.

Überholmanöver waren auf dem Circuit de Catalunya unterdessen wieder einmal Mangelware. Allerdings traf das diesmal nicht nur auf die Formel 1 zu, sondern auch auf die Rahmenrennen wie den Porsche-Michelin Supercup oder die GP2, die ich beide als Co-Kommentator für Premiere miterlebte.

Die große Geschichte des Wochenendes war natürlich die Strafe für B·A·R Honda. Diesen Fall richtig zu durchschauen ist dabei schwieriger als man annehmen könnte. Denn während B·A·R - natürlich - seine Unschuld beteuert, ist ihr Argument, dass der Wagen ohne einen mit Benzin gefüllten Kollektor nicht fahrtüchtig wäre etwas fadenscheinig. Schließlich soll beim Wiegen nach dem Rennen nicht die Fahrtüchtigkeit, sondern das Gewicht festgestellt werden.

Die Strafe in Form von zwei Rennen Sperre und der Disqualifikation von Imola ist dennoch äußerst hart. An der in den Boulevardmedien hoch gepushten Story, dass Jenson Button in diesem Jahr gar nicht mehr für B·A·R fahren und stattdessen das Cockpit mit meinem Bruder Nick tauschen könnte, ist meiner Meinung nach nichts dran. Schließlich müsste B·A·R ihn hierzu aus seinem Vertrag rauslassen. Da Nick Fry ihn im Gegenteil sogar noch über 2006 hinaus an sich binden möchte, erscheint dies als ziemlich fragwürdig.

Und nur weil das Team gesperrt wurde und möglicherweise 'illegal' gefahren ist, wird Jenson nicht sagen, dass er nicht mehr für sie fahren möchte. Besonders da er mit ihnen in diesem Jahr wohl noch bessere Siegchancen als mit Williams haben dürfte.

Gerade hier in Barcelona wären die Weißen nach dem starken Rundenrekord von vor ein paar Wochen ein Mitfavorit auf den Sieg gewesen - ebenso wie in vierzehn Tagen in Monaco, wo sie erneut zwangspausieren müssen.

Anstelle von Honda übernahmen die zweiten F1-Japaner von Toyota die Rolle der Überraschung. Dennoch hatte ich damit gerechnet, dass sie nach dem guten Abschneiden im 1. Qualifying um allen Preis den Marketingeffekt der 1. Pole Position ausnutzen würden.

Besser als bei den ersten vier Rennen schlug sich an diesem Wochenende auch Ralf Schumacher. Allerdings ist dies eine Sache, die mir bei Ralf schon immer aufgefallen ist: Wenn das Auto so richtig gut ist, dann ist auch er richtig gut. Wenn das Auto aber nur Mittelmaß ist, dann sind seine Leistungen in Ordnung, aber er wird von seinem Teamkollegen geschlagen und macht den ein oder anderen Fehler.

Die Leistung des Teams war trotzdem unglaublich. Dafür dass sie im letzten Jahr gar nichts geerbt haben, ist es absolut top jetzt sowohl im Qualifying als auch im Rennen vorne dabei zu sein - auch wenn die Rennpace noch etwas fehlt um ganz vorne mitzumischen.

Ferrari war im Gegensatz zu Toyota richtig langsam. Zur Rennmitte wurde Michael Schumacher zwar, ähnlich wie in Imola, wieder schneller, doch war er nicht annähernd so gut wie beim letzten Rennen. Ob es tatsächlich nur an den Reifen und den unterschiedlichen Temperaturen gelegen hat, bleibt noch zu bezweifeln.

Der WM-Zug scheint für Michael Schumacher unterdessen fast schon abgefahren zu sein. Bei 34 Punkten Rückstand auf Alonso, müsste dieser fast schon vier Mal ausfallen und Schumacher parallel vier Mal siegen. Und der Spanier fährt bereits jetzt taktisch clever, weswegen ihm auch einmal ein zweiter Platz und die damit verbundenen acht Zähler genügen.

Im Kampf McLaren gegen Renault, glaube ich, dass die Silbernen mehr Zuverlässigkeitsprobleme bekommen werden als die Franzosen. McLaren hatte zwar bislang nur das Problem mit Kimis Antriebswelle, ohne welches er in Imola wohl klar gewonnen hätte, aber Alonso konnte selbst mit diversen Problemen und Defekten alle Rennen beenden. Fisichella erging es hingegen nicht so gut. Er scheint die Pechvogelrolle des Rubens Barrichello übernommen zu haben.

Richtig viel Pech hatten auch die Williams-Piloten mit ihren Motorenproblemen. Dennoch scheinen ihre Tests in Silverstone etwas gebracht zu haben, da ich vor dem Rennen nicht damit gerechnet hatte, dass die Weiß-Blauen so gut sein würden. Sie sind auf jeden Fall sehr viel näher dran, nachdem in Imola sogar ein Jordan eine schnellere beste Rundenzeit gefahren ist.

Aufgrund der doppelten Strafversetzung und der Überholproblematik im Rennen ist es natürlich nur schwer zu sagen, was Nick ohne den Motorwechsel hätte erreichen können, aber er wäre sicherlich in der Nähe von Mark Webber in den Punkten gelandet.

Vor dem Saisonhighlight im Fürstentum zu Monaco sehe ich Renault und Alonso zwar erneut als Favoriten an, könnte ich mir aber auch eine Wiederholung des Vorjahreserfolges durch Jarno Trulli für seinen neuen Arbeitgeber Toyota vorstellen.

In den engen Straßen muss man auf einer Runde alles aus dem Auto herausholen und darf zugleich dabei keinen Fehler machen. Genau das kann Jarno besonders gut. Und wenn er vorne steht, dann ist es schwer an ihm vorbei zu kommen. Deshalb könnte ich mir als Geheimtipp durchaus vorstellen, dass Trulli in Monaco eine Superleistung abliefern wird.