Formel 1

√úber 360 km/h im Rennen - Geschwindigkeitsrekord in Baku: Die Topspeeds

Auch wenn es unglaublich erscheint, der neue Topspeed-Rekord der Formel 1 wurde auf einem Stadtkurs aufgestellt.
von Manuel Schulz

Motorsport-Magazin.com - Schon als das Layout des Baku City Circuit bekanntgegeben wurde, fiel die extrem lange Start- und Zielgerade auf. 1,5 Kilometer geht es nur geradeaus, doch da auch die letzten Kurven vor der Geraden mit Vollgas zu durchfahren sind, beschleunigen die F1-Piloten beinahe 2,2 Kilometer bis zum nächsten Anbremspunkt. Dabei erreichte Valtteri Bottas laut Williams-Datenanalyse 378 km/h - ein neuer Rekord! Der offizielle Messwert bei Start/Ziel waren 366,1 km/h.

Diese extremen Topspeeds waren nicht erwartet gewesen. So sprachen die Organisatoren vor dem Rennen von Höchstgeschwindigkeiten knapp über 340 km/h. Diese Erwartungen wurden einzig von Daniil Kvyat nicht erfüllt, der jedoch bereits nach sechs Rennrunden wegen eines Aufhängungsschadens aufgeben musste.

Mehr als die Hälfte des Feldes fuhr sogar bereits auf Start/Ziel über 350 km/h und bis zur ersten Kurve sind es noch über 200 Meter, auf denen auch noch beschleunigt wird. So wurde aus Bottas Topspeed-Wert von 366,1 km/h auf Start/Ziel bis zum Anbremsen noch die 378 km/h. Im Rennen war der gemessene Höchstwert beim letzten Messpunkt von Lewis Hamilton mit 364,4 km/h gemessen. Der Brite dürfte danach auch noch die 370 km/h erreicht haben.

Im Rennen fehlten Bottas 13 km/h auf die Spitze - Foto: Sutton

Dass an zweiter Stelle mit Nico Hülkenberg ein weiterer Pilot zu finden ist, der mit einem Mercedes-Aggregat im Heck unterwegs ist, ist wenig erstaunlich. Überraschender ist da schon der dritte Pilot, der auf der Ziellinie über 360 km/h schnell war. Marcus Ericsson erreichte im Sauber-Ferrari diese Leistung und zeigte damit, dass der Ferrari-Motor deutlich aufgeholt hat.

Auf der anderen Seite wird deutlich, wie groß der Rückstand von Renault wird. Daniel Ricciardo fuhr mit dem Red Bull mehrfach im direkten Windschatten und kam trotz DRS kaum an den Konkurrenten vorbei. Auf die beste gemessene Topspeed fehlten dem Australier mehr als acht Stundenkilomter. Im Vergleich dazu fehlte Honda in Baku kaum mehr. Mit 355,6 km/h war Fernando Alonso nur 0,6 km/h langsamer als Ricciardo.

Die Topspeeds beim Großen Preis von Europa 2016

Platz Fahrer Team Motor Geschwindigkeit
1 Lewis Hamilton Mercedes Mercedes 364,4 km/h
2 Nico Hülkenberg Force India Mercedes 363,5 km/h
3 Marcus Ericsson Sauber Ferrari 360,6 km/h
4 Carlos Sainz Jr. Toro Rosso Ferrari 2015 358,6 km/h
5 Kimi Räikkönen Ferrari Ferrari 356,9 km/h
6 Sergio Perez Force India Mercedes 356,9 km/h
7 Daniel Ricciardo Red Bull Tag Heuer 356,2 km/h
8 Fernando Alonso McLaren Honda 355,6 km/h
9 Esteban Gutierrez Haas F1 Ferrari 353,5 km/h
10 Max Verstappen Red Bull Tag Heuer 353,2 km/h
11 Nico Rosberg Mercedes Mercedes 352,3 km/h
12 Sebastian Vettel Ferrari Ferrari 352,2 km/h
13 Felipe Massa Williams Mercedes 352,1 km/h
14 Pascal Wehrlein Manor Mercedes 352,0 km/h
15 Valtteri Bottas Williams Mercedes 351,5 km/h
16 Jenson Button McLaren Honda 351,2 km/h
17 Kevin Magnussen Renault Renault 349,7 km/h
18 Romain Grosjean Haas F1 Ferrari 348,8 km/h
19 Rio Haryanto Manor Mercedes 348,8 km/h
20 Felipe Nasr Sauber Ferrari 347,3 km/h
21 Jolyon Palmer Renault Renault 344,4 km/h
22 Daniil Kvyat Toro Rosso Ferrari 2015 333,1 km/h

Am Ende des Feldes ist zuerst natürlich der früh ausgeschiedene Daniil Kvyat. Wie gut der Ferrari-Motor von 2015 den Toro Rosso beschleunigte zeigte sich an Carlos Sainz Jr., der in der Tabelle den vierten Rang belegte. Der langsamste Pilot derer, die das Ziel erreichten, war Jolyon Palmer mit gerade einmal 344,4 km/h. Das bedeutete im Rennen exakt 20 Stundenkilometer weniger beim Messpunkt.

Anders als bei Toro Rosso konnte Magnussen als zweiter Fahrer nicht zeigen, wie viel mehr Potenzial drin war. Der Däne war nur 5,3 km/h schneller als sein Teamkollege. Allerdings lag hier das Problem bei diesem Geschwindigkeitsdefizit nicht nur am Motor, denn Ricciardo war auch mit dem Renault-Aggregat, das offiziell Tag-Heuer genannt wird, noch einmal deutlich schneller.


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