Schon als das Layout des Baku City Circuit bekanntgegeben wurde, fiel die extrem lange Start- und Zielgerade auf. 1,5 Kilometer geht es nur geradeaus, doch da auch die letzten Kurven vor der Geraden mit Vollgas zu durchfahren sind, beschleunigen die F1-Piloten beinahe 2,2 Kilometer bis zum nächsten Anbremspunkt. Dabei erreichte Valtteri Bottas laut Williams-Datenanalyse 378 km/h - ein neuer Rekord! Der offizielle Messwert bei Start/Ziel waren 366,1 km/h.

Diese extremen Topspeeds waren nicht erwartet gewesen. So sprachen die Organisatoren vor dem Rennen von Höchstgeschwindigkeiten knapp über 340 km/h. Diese Erwartungen wurden einzig von Daniil Kvyat nicht erfüllt, der jedoch bereits nach sechs Rennrunden wegen eines Aufhängungsschadens aufgeben musste.

Mehr als die Hälfte des Feldes fuhr sogar bereits auf Start/Ziel über 350 km/h und bis zur ersten Kurve sind es noch über 200 Meter, auf denen auch noch beschleunigt wird. So wurde aus Bottas Topspeed-Wert von 366,1 km/h auf Start/Ziel bis zum Anbremsen noch die 378 km/h. Im Rennen war der gemessene Höchstwert beim letzten Messpunkt von Lewis Hamilton mit 364,4 km/h gemessen. Der Brite dürfte danach auch noch die 370 km/h erreicht haben.

Im Rennen fehlten Bottas 13 km/h auf die Spitze -
Im Rennen fehlten Bottas 13 km/h auf die Spitze -Foto: Sutton

Dass an zweiter Stelle mit Nico Hülkenberg ein weiterer Pilot zu finden ist, der mit einem Mercedes-Aggregat im Heck unterwegs ist, ist wenig erstaunlich. Überraschender ist da schon der dritte Pilot, der auf der Ziellinie über 360 km/h schnell war. Marcus Ericsson erreichte im Sauber-Ferrari diese Leistung und zeigte damit, dass der Ferrari-Motor deutlich aufgeholt hat.

Auf der anderen Seite wird deutlich, wie groß der Rückstand von Renault wird. Daniel Ricciardo fuhr mit dem Red Bull mehrfach im direkten Windschatten und kam trotz DRS kaum an den Konkurrenten vorbei. Auf die beste gemessene Topspeed fehlten dem Australier mehr als acht Stundenkilomter. Im Vergleich dazu fehlte Honda in Baku kaum mehr. Mit 355,6 km/h war Fernando Alonso nur 0,6 km/h langsamer als Ricciardo.

Die Topspeeds beim Großen Preis von Europa 2016

PlatzFahrerTeamMotorGeschwindigkeit
1Lewis HamiltonMercedesMercedes364,4 km/h
2Nico HülkenbergForce IndiaMercedes363,5 km/h
3Marcus EricssonSauberFerrari360,6 km/h
4Carlos Sainz Jr.Toro RossoFerrari 2015358,6 km/h
5Kimi RäikkönenFerrariFerrari356,9 km/h
6Sergio PerezForce IndiaMercedes356,9 km/h
7Daniel RicciardoRed BullTag Heuer356,2 km/h
8Fernando AlonsoMcLarenHonda355,6 km/h
9Esteban GutierrezHaas F1Ferrari353,5 km/h
10Max VerstappenRed BullTag Heuer353,2 km/h
11Nico RosbergMercedesMercedes352,3 km/h
12Sebastian VettelFerrariFerrari352,2 km/h
13Felipe MassaWilliamsMercedes352,1 km/h
14Pascal WehrleinManorMercedes352,0 km/h
15Valtteri BottasWilliamsMercedes351,5 km/h
16Jenson ButtonMcLarenHonda351,2 km/h
17Kevin MagnussenRenaultRenault349,7 km/h
18Romain GrosjeanHaas F1Ferrari348,8 km/h
19Rio HaryantoManorMercedes348,8 km/h
20Felipe NasrSauberFerrari347,3 km/h
21Jolyon PalmerRenaultRenault344,4 km/h
22Daniil KvyatToro RossoFerrari 2015333,1 km/h

Am Ende des Feldes ist zuerst natürlich der früh ausgeschiedene Daniil Kvyat. Wie gut der Ferrari-Motor von 2015 den Toro Rosso beschleunigte zeigte sich an Carlos Sainz Jr., der in der Tabelle den vierten Rang belegte. Der langsamste Pilot derer, die das Ziel erreichten, war Jolyon Palmer mit gerade einmal 344,4 km/h. Das bedeutete im Rennen exakt 20 Stundenkilometer weniger beim Messpunkt.

Anders als bei Toro Rosso konnte Magnussen als zweiter Fahrer nicht zeigen, wie viel mehr Potenzial drin war. Der Däne war nur 5,3 km/h schneller als sein Teamkollege. Allerdings lag hier das Problem bei diesem Geschwindigkeitsdefizit nicht nur am Motor, denn Ricciardo war auch mit dem Renault-Aggregat, das offiziell Tag-Heuer genannt wird, noch einmal deutlich schneller.