Sebastian Vettel erlebte beim Großen Preis von China eine regelrechte Achterbahnfahrt der Gefühle, die mit Rang zwei hinter Rennsieger Nico Rosberg letztlich ein gutes Ende nehmen sollte. Vettel startete in Shanghai vom vierten Platz und kollidierte bereits in der ersten Kurve mit seinem Teamkollegen Kimi Räikkönen. Dabei wurde der Frontflügel an Vettels Ferrari beschädigt, der zudem einige Positionen verlor und bis auf den achten Rang zurückfiel.

"Ich war froh, dass ich weiterfahren konnte. Im ersten Moment dachte ich, ich muss sofort rein die Nase tauschen", konnte Vettel einen Not-Boxenstopp verhindern und wechselte die Frontpartie erst, als er im Zuge der Safety-Car-Phase zum Reifenwechsel an die Box kam. Nachdem das Rennen wieder freigegeben war, fand sich Vettel plötzlich nur noch auf dem 15. Platz wieder und musste sich somit mühsam einen Weg durch das Feld bahnen.

Ferrari verzichtet auf Flügelwechsel

Bei einem der vielen Überholmanöver zog sich Vettel erneut eine Beschädigung des Frontflügels zu. Der Heppenheimer verlor eine Endplatte, was er bis zum Ende des Rennens allerdings gar nicht merkte, weshalb Ferrari davon absah, abermals den Flügel zu wechseln. "Die Ingenieure haben die Daten gecheckt und sagten, wir verlieren beim Wechsel mindestens zehn Sekunden, gewinnen aber nichts", erklärte Teamchef Maurizio Arrivabene die Entscheidung.

Vettel, der die letzten beiden Stints auf den Soft-Reifen absolvierte, arbeitete sich relativ rasch nach vorne und lag nach 22 Runden bereits an der dritten Stelle. "Die Rundenzeiten waren da, der Speed war da und ich konnte gut durchs Feld ziehen", bescheinigte er seinem Boliden eine gute Pace. In der 37. Runde überholte Vettel schließlich seinen ehemaligen Red-Bull-Teamkollegen Daniel Ricciardo und übernahm den zweiten Platz, den er auch bis zum Ende des Rennens hielt.

"Es war eine super Aufholjagd nach dem Horror in der ersten Runde. Auch unter nahezu perfekten Bedingungen wäre wohl nicht mehr als der zweite Platz drinnen gewesen", zeigte sich der 28-Jährige mit seiner Ausbeute zufrieden. "Es hat sehr viel Spaß gemacht, durch das Feld zu pflügen, ich habe heute meinen Anteil zurückbekommen, der mir in Bahrain abgegangen ist. Das Rennfahrerherz hat heute definitiv höhergeschlagen."

Beim zweiten Stopp wechselte Ferrari nicht den Frontflügel -, Foto: Sutton
Beim zweiten Stopp wechselte Ferrari nicht den Frontflügel -, Foto: Sutton

Arrivabene trauert dem Sieg nach

Eine etwas andere Sicht der Dinge vertrat hingegen Arrivabene, der dem ersten Saisonsieg der Scuderia nachtrauerte. "Unter normalen Umständen hätten wir heute sicherlich eine sehr gute Chance gehabt zu gewinnen", betonte der Italiener, der sowohl von der Pace des Wagens als auch der Drei-Stopp-Strategie begeistert war.

Nach drei Saisonrennen beträgt Ferraris Rückstand auf Mercedes bereits 53 Punkte. Dass man einen solch großen Rückstand zu einem so frühen Zeitpunkt der Saison alles andere als gerne sieht, liegt auf der Hand. "Die ersten drei Rennen waren für uns durchwachsen, ich hoffe, dass sich in Russland das Ganze ein bisschen beruhigt und wir stärker sein können, um nicht nur ihn [Rosberg], sondern Mercedes generell unter Druck setzen zu können", sagte Vettel, der besonders im Qualifying noch viel Luft nach oben sieht. "Im Rennen sind wir näher dran, weil wir besser aufgestellt sind, was den Umgang mit den Reifen angeht, aber alles in allem fehlt, dass wir sie wirklich unter Druck setzen können."

In der vergangenen Saison feierte Ferrari drei Siege. Kein Wunder, dass die Sehnsucht von Teamchef Arrivabene nach einem Triumph mit jedem Rennen, das ohne Sieg verstreicht, immer größer wird. "Es ist besser auf der obersten Stufe des Podiums zu stehen", lechzt der Italiener nach zweiten und dritten Plätzen nach dem ganz großen Wurf. "Früher oder später - ich hoffe früher - wird die erste Stufe auf dem Podium kommen, weil das Auto gut ist", ist Arrivabene von seiner Mannschaft jedoch vollauf überzeugt.