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Formel 1

Volkshelden für die Ewigkeit - Die größten Formel-1-Fahrer der Geschichte

Die Frage nach dem besten Piloten ist so alt wie die Formel 1 selbst. Motorsport-Magazin.com wagt dennoch ein Ranking der größten Fahrer der WM-Geschichte.
von Redaktion Motorsport-Magazin.com

Motorsport-Magazin.com - Die Formel 1 in ihrer uns heute bekannten Konstitution besteht seit 1950. 2016 geht die Königsklasse des Motorsports also bereits in ihre 67. Saison. Viel Zeit für unzählige Fahrer, ihr Glück in der höchsten Liga auf vier Rädern zu versuchen. Nur die wenigsten von ihnen schafften den ultimativen Durchbruch.

Welche Eigenschaften braucht es, um nicht nur an die Spitze zu gelangen, sondern sogar in einen ganz erlesenen Kreis vorzustoßen, Legenden-Status zu erlangen? Erfolg, Mut, Charisma und pures Talent zum Beispiel. Anhand dieser vier Kategorien hat die Redaktion von Motorsport-Magazin.com ihre Top-Five der größten F1-Piloten der Geschichte gewählt.

KriteriumBedeutung
ErfolgSportliche Erfolge als Rennfahrer in dieser Rennserie
TalentFahrerisches Talent, technisches Wissen, Vielseitigkeit (unterschiedliche Rennserien)
CharismaCharakter, politischer & öffentlicher Einfluss
MutRisikobereitschaft abseits der Rennstrecke, mutige Entscheidungen in seiner Karriere

Die Entscheidung fiel schwer, ja. Schwerer als gedacht jedoch nicht. Immerhin gibt es mit Alain Prost, Juan Manuel Fangio, Sebastian Vettel oder Nelson Piquet, um nur eine Auswahl zu nennen, noch viele weitere echte Giganten der Sportgeschichte, die den Sprung in unsere Top-Five fast genauso sehr verdient hätten - und für einzelne Redakteure auch haben.

Doch im Durchschnitt unserer Abstimmung schafften es schließlich folgende fünf Herrschaften an die Spitze des Rankings: Michael Schumacher, Ayrton Senna, Jim Clark, Niki Lauda und Sir Jackie Stewart. In diesen fünf Fahrern sahen wir obige Kriterien am besten vereint. Sie schicken wir nun in ihr vielleicht größtes Rennen - um den Titel des größten F1-Fahrers der Geschichte.

FahrerSaisons SiegeTitelBesonderheiten
J. Clark9252Geniale Sieg-Quote
N. Lauda13253WM-Comeback nach Horror-Crash
M. Schumacher19917Rekordweltmeister, längste Titel-Serie
A. Senna11413Ein Mythos wie Ferrari
J. Stewart10273Streiter für Sicherheit

1. Erfolg: Schumi unerreicht

Thanks for everything, Michael: (6:00 Min.)

Hier kann es nur Einen geben: Beim Blick in die Statistik-Bücher findet niemand einen Weg vorbei an Michael Schumacher. Der mit sieben Titeln vielleicht ewige Rekordweltmeister der Formel 1 führt nahezu alle wichtigen Bestenlisten an. 91 Siege, 68 Pole Positionen, 77 schnellste Rennrunden, davon 22 Hattricks, 155 Podien, 142 angeführte Grands Prix. Alles Bestmarken, teils mit gigantischem Vorsprung. Noch dazu gelang Schumacher zwischen 2000 und 2004 die längste Titelserie überhaupt. Dieses ganz eigene Level spiegelt sich entsprechend in unserem Ranking: fünf Punkte sind allein für Schumacher reserviert.

Hinter dem Rekordchampion geht es jedoch extrem eng zu. Mit jeweils vier Punkten sitzen Schumacher Ayrton Senna, Sir Jackie Stewart und Jim Clark gleichauf im Nacken. Letzterer hält mit Pole-Genie Senna und den drei Titeln sowohl auf Seiten des Brasilianers als auch Stewarts mit, obwohl er sich selbst 'nur' zwei Mal die WM-Krone aufsetzte. Hintergrund ist die Quote. Clark leistete in kurzer Zeit Unfassbares - 25 Siege in 72 GP bis zu seinem plötzlichen Unfall-Tod. Selten ist sich die Expertenwelt der Formel 1 so einig: Hätte Clark den Unfall in Hockenheim überlebt, er wäre noch auf Jahre unschlagbar gewesen.

Den ersten vier leicht hinterher hechelt Niki Lauda. Der Österreicher bringt es zwar ebenfalls auf drei Titel, doch brauchte er dafür auch viele Jahre. Zum Vergleich: Wie Clark sammelte Lauda 25 Siege - allerdings in 100 Rennen mehr. Auch Stewart hat Lauda hier Einiges voraus. Noch dazu ließ Lauda Chancen auf weitere Championate liegen. Das wirkt sich in der Erfolgsbilanz an dieser Stelle mit drei Punkten negativ aus, wird ihm jedoch bei einem anderen Kriterium noch Vorteile verschaffen ...

2. Talent: Dreikampf der Begnadeten

1995: Schumachers Fahrstil analysiert: (04:57 Min.)

Wieder steht Michael Schumacher an der Spitze des Rankings. Dieses Mal haben wir jedoch Ayrton Senna und Jim Clark auf eine Stufe mit dem siebenmaligen Weltmeister gestellt. Alle erzielen fünf Punkte. Bei Schumacher fällt die Begründung dennoch besonders leicht. Seine Geschichte ist im deutschsprachigen Raum eben besonders gut bekannt: Ohne jede Erfahrung in den Ardennen bestritt Schumacher 1991 sein erstes Formel-1-Rennen in Spa-Francorchamps. Im Qualifying stellte er den unterlegenen Jordan sensationell auf Platz sieben. Sofort warb Benetton den Deutschen ab, nur ein Jahr darauf siegte Schumacher erstmals - am selben Ort. Zwei Jahre später der erste Titel.

Neben dieser Frühphase bleiben noch weitere Facetten, die sich durch Schumachers gesamte Karriere ziehen und seinen Spitzenplatz untermauern. Sein technisches Verständnis und sein Maschinen gleicher Fahrstil etwa: "Ferrari wie auf Schienen" - eine bekannte Begrifflichkeit. Und selbst wenn es eine halbe Spaßveranstaltung ist: Seriensiege beim Race of Champions sprechen für die ultimative Begabung, völlig egal zu welcher Art Auto das Lenkrad gehört. Warum Jim Clark hier dennoch mithalten kann haben wir zum Teil schon im Kapitel Erfolge gestreift, ergänzen möchten wir hier jedoch Clarks Überlegenheit gegenüber seiner Konkurrenz in den Sechziger Jahren. Selten war ein Pilot dem Rest des Feldes ganz einfach wegen seiner fahrerischer Extraklasse dermaßen weit enteilt. Nur technische Defekte seines Lotus verhinderten mehr Titel. Gleiches gilt für sein Aus bei einem 1000-Kilometer-Rennen 1962 auf dem Nürburgring, das Clark mit weit unterlegenem Material dennoch dominierte.

Ähnliches gilt für Ayrton Senna. Niemand brachte das Auto dermaßen schnell um die Ecke wie der Brasilianer. Ginge es allein danach, müssten wir unsere Skala eigentlich um eine Sechs erweitern. Unvergessen Sennas regelmäßige Geniestreiche in Monaco, seine unfassbar überlegene Pole in Suzuka 1989 oder sein legendärer Heimsieg in Brasilien 1991, dessen Schlussphase Senna unter Schmerzen und Krämpfen komplett im sechsten Gang überstand.

Niki Lauda kommt an das Spitzenquartett auch in dieser Wertung nicht heran. Eine gute Drei erzielt der Österreicher dank seines technischen Sachverstands bei der Weiterentwicklung seiner Boliden dennoch. Doch wiegt das Tüftler-Dasein die pure Begabung, etwa jene seines großen Rivalen James Hunt, nicht ganz auf. Jackie Stewart, nach Jim Clarks Tod die neue klare Nummer eins, sortiert sich dazwischen ein und bekommt damit vier Punkte für unsere Gesamtwertung.

3. Charisma: Volksheld Ayrton Senna

Monaco 1988: Sennas Mythos: (3:00 Min.)

Unglaublich, aber wahr: Kleiner Punktabzug bei Michael Schumacher! Aber nur in der B-Note. Politischen Einfluss hatte Schumacher durch seine enorme ökonomische Bedeutung für die Formel 1 nämlich ganz klar. Sogar exorbitant viel, vergleichbar mit einem Valentino Rossi in der MotoGP. Keiner bewegte die Massen jemals mehr an die Strecken oder vor die TV-Bildschirme als Schumacher. Allenfalls Ayrton Senna hält hier mit. Es ist kein Zufall, dass es für diese beiden als einzige aller ehemaligen Fahrer noch heute eigene Fanartikel-Buden an den Kursen rund um den Globus gibt.

Auch für einen Jim Clark und einen Jackie Stewart trifft Vieles davon zu. Einzig der frühere Zeitpunkt ihrer Ägiden sorgt dafür, dass die Hype gegenwärtig weniger spürbar ist, sodass wir dem Briten-Duo ebenso wie Senna die Bestnote zugestehen. Stewart punktet sogar noch auf eine zusätzliche Art: durch sein großartiges politisches Engagement für die Sicherheit der Fahrer. Warum Schumacher nun mit vier Punkten knapp hinter dem Fünfer-Spitzentrio Senna, Stewart, Clark rangiert? Abschottung nach Außen: Der Deutsche hielt sich und seine Familie größtenteils aus dem öffentlichen Rummel um seine Person heraus. Absolut in Ordnung und gerechtfertigt bei all dem Trubel und Hype. Allerdings sorgte dies abseits seiner Fan-Scharen auch für eine Gruppe großer Kritiker, die Schumacher Arroganz vorwarfen.

Das gab es bei Ayrton Senna nicht. Der war unumstrittener Volksheld, fast schon mit Götterstatus. Fast die gleiche Punktzahl gestehen wir Niki Lauda zu. Der war zwar ein ganz anderer Typ als alle vier Vorgenannten und seiner Zeit sicherlich nicht Frauenschwarm Nummer eins. Aber eben ein richtiger Typ mit Ecken und Kanten. Ein Blatt vor den Mund nahm und nimmt ein Lauda nie. Damit eckt man an, verschafft sich jedoch dennoch Standing und Respekt im Fahrerlager. Vier Punkte.

4. Mut: Riskante Teamwechsel & Comebacks

Rush - deutscher Trailer: (1:00 Min.)

Kommen wir zur letzten Kategorie. Unter Mut verstehen wir hier jedoch die Bereitschaft zu Risikobereitschaft auch abseits der Strecke als nur darauf. Deshalb schneidet Niki Lauda in dieser Kategorie - gemeinsam mit Michael Schumacher - endlich am Besten ab. Wäre es andersherum hätte er keine Chance. Doch wir betrachten etwa seine Entscheidung, beim Saisonfinale 1976 im strömenden Regen von Fuji freiwillig aufzugeben als Akt der Größe. Wer Lauda dafür Feigheit vorwerfen möchte, mag das tun. Wir sehen es genau andersherum: Als klares Statement an die Formel 1, dass nichts, aber auch rein gar nichts, eine Gefahr für Leib und Leben rechtfertigt. Nicht einmal der Gewinn des WM-Titels, den Lauda durch seinen Entschluss in Japan an James Hunt verlor.

Auch Sir Jackie Stewart bekommt in dieser Wertung daher zumindest noch vier Punkte - für einen seiner Zeit vorauseilenden und der damaligen Meinung beinahe schon rebellisch entgegen laufenden Einsatz für mehr Sicherheit. Aber noch einmal zurück zu Lauda: Sein schnelles Comeback nach seinem Feuer-Crash auf der Nordschleife sowie seine Rückkehr 1982 nach zwei Jahren Pause zeugen ebenfalls von überragendem Mut.

Schumachers erneute Bestmarke rührt hingegen vom eigentlich dominierenden Faktor dieser Kategorie: Mut zum Wechsel ins Ungewisse, raus aus der Komfortzone. Heißt konkret: Vor allem Schumachers Wagnis, Benetton nach zwei WM-Titeln in Richtung des zu dieser Zeit völlig verlotterten Ferrari-Teams zu verlassen. Aber genauso sein Comeback mit Mercedes, damals noch alles andere als das Nonplusultra der F1. Klare Fünf!

Ganz anders Ayrton Senna. In dieser Kategorie ist der Brasilianer im Vergleich zu unseren vier anderen Legenden klares Schlusslicht. Nach seinem Aufstieg von Lotus erst einmal beim dominanten McLaren-Team untergekommen, blieb Senna in seinem dort gemachten Nest. Selbst sein Wechsel zu Williams 1994 passt ins Bild, hatte Williams McLaren da längst als Nummer eins abgelöst. Bleibt noch Jim Clark. Den sah man sogar ausschließlich bei nur einem Team. Trotzdem bekommt er eine vier. So mutig, einen Lotus zu fahren, musste man in den Sechziger Jahren erst einmal sein.

5. Gesamt: Schumania!

Die größten Champions aller Zeiten: (6:00 Min.)

22 Autos fahren im Kreis und am Ende gewinnt Deutschland. Diese leicht für die F1 abgewandelte Fußballweisheit trifft für niemanden so sehr zu wie für Michael Schumacher. So überrascht es wenig, dass der Rekordweltmeister mit 19 von 20 möglichen Punkten unsere Wahl zum Größten aller Zeiten gewonnen hat. Schumi hat einfach alles zu bieten: Ein so überragendes Talent, das ihm nicht nur einen kometenhaften Aufstieg ermöglichte, sondern sogar eine große Risikobereitschaft bei Teamwechseln erlaubte - ohne sich mittelfristig mit weniger als absoluter Dominanz und neuen Rekorden in allen wichtigen Bestenlisten abgeben zu müssen. Dass die 20 nur dank ein paar fehlender Homestories in der Bunten nicht gefallen ist, lässt sich da locker verschmerzen.

Schon überraschender als der nächste Triumph Schumachers ist sein erster Verfolger. Nicht Ayrton Senna hat es auf Platz zwei unserer Rankings geschafft, sondern Jim Clark. Der von Fangio einst als "Bester aller Zeiten" geadelte Brite erreicht schlichtweg in allen vier Kategorien ein extrem hohes Niveau - insgesamt 18 Punkte. Anders das Duo auf Rang drei: Den letzten Platz auf dem Podest teilen sich bei uns schließlich Senna und Jackie Stewart. Der Schotte punktet wie Clark noch relativ konstant hoch, Senna hingegen kommt ein Ausreißer teuer zu stehen: Sein unbestrittenes Top-Talent hat er niemals der wagnisreichen Reifeprüfung unterlegenen Materials unterzogen. Niki Lauda verpasst das Podium derweil so knapp wie den Titel 1976.

FahrerErfolgTalentCharismaMutGesamt
J. Clark455418
N. Lauda334515
M. Schumacher554519
A. Senna455317
J. Stewart445417

Und jetzt seid ihr dran! Welcher der fünf Fahrer in unserer Auswahl ist für euch die Nummer eins? Stimmt in der Umfrage ab und diskutiert in den Kommentaren über eure größten Legenden der Geschichte, solltet ihr jemand ganz anderen favorisieren. Wir sind gespannt auf eure Vorschläge!


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