Motorsport-Magazin.com Plus
Exklusiv
Formel 1

Von der Konkurrenz ausgelacht - Johnny Herberts Fotoalbum – Teil 8

Ex-F1-Pilot Johnny Herbert wirft mit Motorsport-Magazin.com einen exklusiven Blick auf die spannendsten und lustigsten Ereignisse seiner Karriere.
von Christian Menath

Motorsport-Magazin.com - Johnny Herbert gehört schon fast zum Formel-1-Inventar. Ob als Fahrer, der Grand-Prix-Siege feiern durfte, als FIA-Steward, als Midland-Repräsentant oder als TV-Experte - der Brite weiß immer spannende und vor allem unterhaltsame Geschichten zu erzählen. Anlässlich seines 50. Geburtstages traf sich Motorsport-Magazin.com im vergangenen Jahr für ein Magazin-Special mit Herbert. Das Mammut-Interview dauerte mehr als zwei Stunden, selbst die offizielle Bestätigung von Sebastian Vettel bei Ferrari konnte ihn nicht aus der Ruhe bringen. Weil nur ausgewählte Geschichten den Weg in die Printausgabe fanden, zeigen wir ihnen bis zum 13. Januar jeden Tag ein Bild aus Herberts Fotoalbum.

1985 Britisches Formel Ford Finale, Brands Hatch

Das war mein erster großer Sieg, ein sehr wichtiger Teil meiner Karriere. Ich fuhr für Dieter Quest. Ich bin in diesem Jahr gegen Mark Blundell, Bertrand Gachot und Damon Hill gefahren. Es war ein sehr konkurrenzfähiger Jahrgang. Damon ist in die Formel 1 gekommen und hat eine Weltmeisterschaft gewonnen, Bertrand ist in die Formel 1 gekommen, Mark ist in die Formel 1 gekommen und ich auch. Vier Fahrer der 1985er Formel Ford Saison sind in die Formel 1 gekommen. Es war ein guter Jahrgang. Das Jahr verlief ganz okay, ich habe ein Rennen in der Saison gewonnen - Silverstone. Ich war immer da, aber es war immer ein Van Diemen Auto vor mir. Entweder Mark, oder Bertrand, manchmal auch Damon. Es waren immer die Van Diemen. Sie haben sich abgewechselt, aber ich war immer in der gleichen Position. Es war schwierig, weil ich mit dem Werksteam von Van Diemen gekämpft habe und ich im kleinen Team von Quest war.

Am Ende der Saison wurden wir aber ziemlich stark. Beim Test war ich sogar Schnellster, wenn ich mich richtig erinnere. In das Finale bin ich als einer der Favoriten, wenn nicht sogar als der Favorit gegangen. Wir sind ins Qualifying gegangen, es war feucht. Die Session hat damals etwa 20 Minuten gedauert. Man wusste also, am Ende der Session, würde es am schnellsten sein. Ich bin in die erste fliegende Runde gegangen, durch Paddock gefahren und habe gesehen, dass Druids - die Haarnadel - noch etwas feucht war. Ich bin nicht schnell reingefahren, habe eingelenkt, und plötzlich kam mein Heck. Ich habe mich gedreht und bin in den Fangzaun eingeschlagen, die Aufhängung war kaputt. Ende. Ich habe mir nur gedacht: Das kann nicht wirklich passiert sein. Ich dachte, das Wochenende wäre vorüber. Ich hatte nicht einmal eine Runde gefahren und war bereits draußen. Das Festival war eine große Sache, es waren mehr als 200 Autos dabei.

Das Auto kam zurück zum Team und wir waren etwas deprimiert. Ich erinnere mich noch an die Mechaniker von Van Diemen. Sie haben gelacht. Wir waren die Favoriten, wir hatten ihnen Probleme bereitet und jetzt waren wir weg, kein Problem mehr. Wir sind dann zur Rennleitung gegangen und haben gefragt, ob es irgendeine Möglichkeit gibt, doch noch zu starten. Denn man musste mindestens drei Runden gefahren sein, um eine Starterlaubnis zu erhalten. Es gab an diesem Wochenende auch noch ein Vor-1984er Formel-Ford-Rennen. Dann ließen sie mich dort drei Runden fahren, ohne Zeitnahme, ohne alles. Nur drei Runden, um mich zu qualifizieren. Dafür durfte ich dann beim ersten Lauf des Finals antreten - allerdings mit zehn Sekunden Rückstand. Und die Rennen hatten nur acht oder zehn Runden. Nicht viel Zeit also, um aufzuholen.

Aber das ist interessant, weil ich da anders war. Ich war zurück im Rennen, aber ich war am Ende der Startaufstellung plus zehn Sekunden Strafe. Ich habe mir dann gedacht: Es gibt Bertrand, Damon, Jonathan Bancroft, Mark Blundell und vielleicht noch einen. Es gab fünf Leute, die realistisch gesehen gewinnen konnten. Ich war also besser und schneller als 195 andere Leute hier. Wenn ich besser bin als sie, dachte ich mir, kann ich auch ins Finale kommen. Ich habe nicht gedacht, dass ich gewinnen kann, aber ich habe an die Chance geglaubt, ins Finale zu kommen.

Ich bin also im ersten Lauf mit zehn Sekunden Rückstand gestartet. Am Ende war ich Zehnter oder Zwölfter. Ich war auf dem letzten Platz, der zum Weiterkommen qualifizierte. Deshalb bin ich dann als 18. oder 20. ins Viertelfinale gestartet. Dort musste ich dann wieder unter die Top-12 kommen und ich habe es wieder geschafft. Im Halbfinale bin ich dann als Zwölfter gestartet und wurde noch Zweiter. Ich bin deshalb im Finale auf der Außenseite gestartet. Jonathan, Damon und dann kam schon ich. Die rechte Seite in Brands Hatch ist etwas knifflig, die Mitte ist okay, aber außen kannst du länger auf dem Gas stehen. Ich war eigentlich auf der besten Position für den Start. Ich habe einen guten Start erwischt, bin in Führung gegangen, habe Jonathan Bancroft 20 Runden hinter mir gehalten und habe das Formel Ford Festival gewonnen. Ich war der Erste, der das Festival vom Ende der Startaufstellung aus gewonnen hat - plus zehn Sekunden. Das hat es noch etwas spezieller für mich gemacht. Das war ein wichtiger Teil zu Beginn meiner Formel-Karriere.