Formel 1

Ex-F1-Piloten in der DTM: Wenn Jean Alesi die Erde küsst...

Das DTM-Debüt von Mika Häkkinen wurde auch von den F1-Fans mit Spannung erwartet - der Finne schlug sich beachtlich. Und Ex-F1-Pilot Jean Alesi triumphierte...
von Michael Noir Trawniczek

Motorsport-Magazin.com - Ein wenig erinnerte der völlig abgekämpfte Jean Alesi an den "Rambo"-Darsteller Sylvester Stallone, als er sich hinkniete und den frisch gummierten Boden des Hockenheimrings küsste. Der Franzose wirkte ungemein erleichtert - kein Wunder, hatte er doch gerade den ersten Lauf der DTM-Serie für sich entscheiden können...

Der Saisonauftakt der DTM wurde auch von vielen Formel 1-Fans mit großem Interesse beobachtet - nicht nur wegen Jean Alesi, Allan McNish, Heinz Harald Frentzen und Bernd Schneider, der ja ebenfalls in der Königsklasse seine Runden drehte. Denn an diesem Wochenende hat ein weiterer ehemaliger Formel 1-Pilot sein DTM-Debüt gefeiert - und zwar niemand geringerer als der zweifache Formel 1-Weltmeister Mika Häkkinen.

Gestern, nach dem Qualifying, machte sich Ernüchterung breit. Die ehemaligen Formel 1-Piloten, denen man nachsagt, sie seien die "weltbesten Automobillenker", landeten bis auf Jean Alesi und Bernd Schneider, der als mehrfacher DTM-Champion ja bereits als Tourenwagenprofi gilt, allesamt im Hinterfeld. Frentzen, der nach einem mühevollen und wenig befriedigendem Debütjahr in dieser Saison einen zweiten Anlauf bei den Tourenwagen nimmt, konnte wieder nur Platz 19 erzielen. Der ehemalige Toyota-Pilot und Renault-Tester Allan McNish landete nur auf Platz 14 und schließlich qualifizierte sich Mika Häkkinen bei seinem DTM-Debüt nur für den 15. Startplatz...

Häkkinen: Ich musste meinen Fahrstil ändern!

Schon im Vorfeld berichtete Mika Häkkinen: "Ich habe meinen Stil verändert. In einem DTM-Auto sitzt man fast auf der Hinterachse. Das ist ganz anders als in der Formel 1. Das Gefühl, wenn das Auto in die Kurve rutscht, ist unterschiedlich, auch das Bremsen. In der Formel 1 spielt das Gewicht des Autos in den Kurven keine Rolle, weil alles so leicht ist. In einem DTM-Auto muss man das Gewicht ausnutzen. In der Formel 1 muss man manchmal sehr aggressiv fahren, um die Reifen oder andere Dinge zum Arbeiten zu bringen. Macht man das in der DTM, wird man verlieren, man verliert die Balance, überhitzt die Reifen. Man darf nicht zu hart fahren, aber auch nicht zu vorsichtig, dann funktioniert es auch nicht. Es ist schwer, genau den richtigen Bereich zu finden."

Nach dem 15. Startplatz befürchteten die immer noch zahlreichen Mika-Fans bereits, der finnische Doppelweltmeister könnte bei seinem DTM-Debüt, selbstverständlich auf einem Mercedes, vor einem ähnlich harten Jahr stehen wie es Opel-Pilot Heinz Harald Frentzen hinter sich hat. Der Mönchengladbacher erklärte gegenüber der Frankfurter Allgemeinen: "Es war eine schwierige Konstellation, denn es war kaum zu beurteilen, ob ich den falschen Fahrstil habe, das Auto falsch bediene oder ob wir die Abstimmung nicht getroffen haben. Das war das Hauptproblem!" Doch dann klärte Mika Häkkinen auf: "Die vordere linke Bremsscheibe hat überhitzt. Deshalb konnte ich nur zwei statt drei schnelle Runden fahren." Und Mercedes-Rennleiter Norbert Haug fügte hinzu: "Mika lag nur drei Zehntel außerhalb der Top Ten. Das war alles in allem eine gute Leistung."

Alesi und Häkkinen holen die F1-Kastanien aus dem DTM-Feuer

Nach der unscheinbaren Vorstellung am Samstag folgte heute Sonntag eine doch beeindruckende Demonstration der früheren Formel 1-Helden. Das Debütrennen des Mika Häkkinen gestaltete sich als wahres Abenteuer - die zahlreich erschienenen Fans erlebten einen spannenden Saisonauftakt. Es wurde hart gefightet - und Mika Häkkinen lieferte sich unter anderem einen harten Zweikampf gegen Allan McNish. Ohne seine Durchfahrtsstrafe wegen Pitlanespeeding hätte der mit großem Einsatz fahrende Mika Häkkinen bei seinem DTM-Debüt sogar noch mehr als den erfreulichen achten Platz erobern können.

Wie erging es den anderen Ex-F1-Piloten? Allan McNish wurde Elfter, Heinz Harald Frentzen blieb seinem Pech treu und musste schon bald aufgeben. Jean Alesi aber holte für die ehemaligen Formel 1-Heroes die Kastanien aus dem DTM-Feuer. Sicher half ihm auch die perfekte Boxenstrategie der Mercedes-Kommandobrücke - die Silbernen dürfen sich über einen Dreifacherfolg erfreuen. Garry Paffett und Bernd Schneider standen neben Jean Alesi auf dem Siegerpodest.

Fazit: Nach einem enttäuschenden Qualifying konnten die früheren Piloten aus der Königsklasse am Rennsonntag großteils überzeugen. Jean Alesi scheint nun endgültig zur DTM-Spitze zu gehören - und von Mika Häkkinen dürfte man noch einiges erwarten können...

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