Die Formel 1 und die USA - irgendwie will das nicht so richtig klappen. Immer wieder versucht die Königsklasse in den Vereinigten Staaten Fuß zu fassen und immer wieder scheitert sie. Rennen auf Parkplätzen und umgebauten Ovalen mit sechs startenden Autos haben sich in Amerika bereits als Flop erwiesen. 2012 kam die Formel 1 trotzdem wieder - nach Austin. Und plötzlich funktionierte es.

Die Strecke ist toll, die Formel 1 findet Anklang bei den Fans. Sogar sintflutartige Regenfälle und ausgesperrte Besucher am Samstag konnten die Texaner in diesem Jahr nicht davon abhalten, am Sonntag trotzdem noch an die Rennstrecke zu fahren. Ja nicht einmal vom Hybrid-Geheule lassen sich die Amis fernhalten - ganz im Gegensatz zu den Deutschen übrigens.

Die Formel 1 ist endlich angekommen und dann wackelt der Grand Prix plötzlich. Im verabschiedeten Rennkalender für 2016 ist der US GP noch mit einem Sternchen versehen. Ein schlechter Witz? Leider nein.

Wechsel der texanischen Regierung

Doch woran liegt es? Die Schuld ist schnell auf einen geldgierigen alten Mann geschoben, der horrende Antrittsgebühren verlangt. Wobei US Promoter Bobby Epstein sogar Ecclestone in Schutz nimmt und CVC, den Inhaber der kommerziellen Rechte als geldgierig hinstellt. Klar, Ecclestone und Epstein verstehen sich persönlich gut.

Bobby Epstein will weiterhin volle Subventionen -
Bobby Epstein will weiterhin volle Subventionen -Foto: Sutton

Wenn man ehrlich ist und den Tatsachen ins Auge blickt, sind es aber weder Bernie Ecclestone, noch CVC die dabei sind, den US GP zu versenken. Es ist die Regierung dort. Der Promoter bekam bislang die Summe X von der texanischen Regierung. Diese Unterstützung hatte der Staat Texas dem Promoter zugesichert, schließlich ist der US GP in Austin ein Aushängeschild für die Region und kurbelt zusätzlich die Wirtschaft an.

Blöd nur: Die neue texanische Regierung unter Gouverneur Greg Abbott berechnet die Subventionen für den US GP anders als die Vorgängerregierung unter Gouverneur Rick Perry. Ein schriftliches Abkommen zwischen dem Staat Texas und dem Promoter soll es nicht geben.

Also hat der Pomoter weniger Geld in der Kasse - zu wenig, um die Antrittsgebühren an die Formel 1 zahlen zu können angeblich. Da frage ich mich: Warum soll Bernie Ecclestone daran schuld sein, dass der US GP auf der Kippe steht?

Wichtige Rennen zahlen weniger

Jetzt fordert wieder jeder, Ecclestone müsse doch ein Einsehen haben, müsse derlei Rennen unterstützen. Doch wie viele Rennen soll Ecclestone unterstützen? Die Traditionsrennstrecken zahlen ohnehin deutlich weniger Antrittsgebühren als Sochi, Baku und Co. Das ist auch richtig so, aber irgendwo gibt es Grenzen. Wenn Ecclestone bei einem Rennen weiter nachgibt, will der nächste Promoter das gleiche und so weiter.

Auch Motorsport-Magazin.com-Redakteur Christian Menath würde lieber nach Austin als nach Baku reisen -
Auch Motorsport-Magazin.com-Redakteur Christian Menath würde lieber nach Austin als nach Baku reisen -Foto: Sutton

Am Ende ist es legitim, Geld für das Anrücken der Formel 1 von einem Rennstreckenbetreiber zu fordern. Das ist das Prinzip der Formel 1. Das Geld geht am Ende auch in die Kassen der Teams. Je weniger Geld hier eingenommen wird, desto weniger bekommen die Teams am Ende raus. Auch Austin muss deutlich weniger für den Grand Prix hinblättern als Baku. Weil auch Ecclestone weiß, dass ein Rennen in den USA wichtiger ist als in Aserbaidschan.

Also bitte nicht immer blind auf die Formel 1 und einen geldgierigen Bernie Ecclestone einhauen. Auch ich würde lieber wieder nach Austin statt nach Baku reisen. Das Beispiel Amerika zeigt, dass die Formel 1 auch äußeren Einflüssen unterliegt. Die muss man dann eben wohl oder übel hinnehmen. Aber nicht das ganze System in Frage stellen.