Formel 1

Abschied für Romain Grosjean - Lotus Vorschau: Abu Dhabi GP

Bei Lotus steht das letzte Rennen des Jahres im Zeichen des Abschieds von Romain Grosjean. Doch Vorsicht: Auch sportlich geht es noch um etwas.
von Chris Lugert

Motorsport-Magazin.com - Der Saisonabschluss in Abu Dhabi ist für Lotus nicht nur deshalb ein besonderes Rennen, weil das Formel-1-Jahr zu Ende geht. Für das Team stehen in den kommenden Tagen und Wochen wichtige Entscheidungen an, die direkten Einfluss auf die Zukunft in Enstone haben werden. Allen voran natürlich die Frage, ob Renault die Mehrheit des Teams kauft und den finanziell angeschlagenen Rennstall als Werksteam in den Wettbewerb schickt. Ratsam wäre es dabei, wenn Lotus seinen sechsten Platz in der Konstrukteurs-WM gegen Toro Rosso verteidigt. Neun Punkte sind schnell aufgebraucht.

Der Motor wird voll aufgedreht, ich werde mir mein Herz aus dem Leib fahren und weiß, dass alle in Enstone ein tolles Saisonende sehen wollen.
Romain Grosjean

Bereits sicher ist jedoch ein Wechsel in der Fahrerbesetzung für 2016. Romain Grosjean bestreitet in Abu Dhabi sein letztes Rennen für Lotus, bevor er im kommenden Jahr für Haas fährt. Auch deshalb ist der Franzose topmotiviert. "Es ist das letzte Mal, dass der E23 im Rennen zum Einsatz kommen wird, ich werde also schauen, dass ich meinem Wagen einen guten Abschied bereite", sagte Grosjean. Dabei soll der Bolide noch einmal komplett strapaziert werden. "Der Motor wird voll aufgedreht, ich werde mir mein Herz aus dem Leib fahren und weiß, dass all die Jungs und Mädels in Enstone ein tolles Ende der Saison sehen wollen", blickt er auf seine langjährigen Kollegen.

Dabei sind für ihn auch die kleinen Dinge abseits der Strecke besonders. "Am Rennwochenende ist die Priorität natürlich, so viele Punkte wie möglich zu sammeln, aber es wird ziemlich ergreifend werden, mein letztes Meeting, Essen, Trackwalk und andere Dinge mit dem Team zu haben. Ich hatte so viele gute und auch viele charakterbildende Momente während meiner Jahre in Enstone, dass wir viel Lachen werden", glaubt der Franzose.

Auf Romain Grosjean wartet ein emotionales Wochenende - Foto: Sutton

Am Yas Marina Circuit ist für ihn nicht unbedingt die Strecke besonders. "Es ist eine gute Strecke mit sehr netten Paddock-Anlagen, die meiner Meinung nach zu den besten im Kalender zählen", findet er. Auch die äußeren Bedingungen seien einmalig. "Es ist außerdem ein sehr spezieller Grand Prix, da der Start am Tag stattfindet und das Rennen unter Flutlicht endet, was es für die Fans aufregend macht, weil sie durch unsere Visiere schauen können und sehen, wie sehr wir uns konzentrieren", erklärt er.

Der Austragungsort ist toll und die Anlage gehört zum Besten, was die Formel 1 zu bieten hat.
Pastor Maldonado

Im Gegensatz zu Grosjean ist Pastor Maldonado auch im kommenden Jahr in Enstone aktiv. Was das Event in Abu Dhabi betrifft, sind sich die beiden jedoch einig. "Es ist immer ein besonderes Event und da es das Saisonfinale ist, ist es noch etwas aufregender. Der Austragungsort ist toll und die Anlage gehört zum Besten, was die Formel 1 zu bieten hat", schwärmt Maldonado, der auch zur Strecke selbst etwas sagt. "Es ist eine gute Strecke. Im ersten Sektor stechen die Kurven zwei bis vier heraus, da sie besonders schön zu fahren sind", meint der 30-Jährige, der ebenso wie Grosjean auf die besonderen Bedingungen bei unterschiedlichem Tageslicht verweist.

Nach seinem Unfall mit Marcus Ericsson zuletzt in Brasilien geriet Maldonado erneut in ein negatives Licht und erhielt obendrein eine Fünf-Sekunden-Strafe. Ohne Grund, meint er, schließlich sei es kein Fehlverhalten seinerseits gewesen. "In der Formel 1 hat man manchmal das Gefühl, als würde man für jede Berührung bestraft. Ich wollte die Lücke nutzen - und wir wollen ja alle Überholmanöver in der Formel 1 sehen - und er schloss die Tür, während er seine Position verteidigte", beschrieb er die Situation aus seiner Sicht und bewertete sie als normalen Rennunfall.

Für seine Kollision mit Marcus Ericsson erhielt Maldonado eine Fünf-Sekunden-Strafe - Foto: Sutton

Lotus: Abu Dhabi Bilanz

Lotus in Abu Dhabi: Das Team aus Enstone feierte vor drei Jahren in Person von Kimi Räikkönen den ersten Sieg unter dem Namen Lotus. Zu weiteren Podiumsplatzierungen reichte es bisweilen nicht.

Romain Grosjean in Abu Dhabi: Der Franzose erreichte 2013 als Vierter zum bis dato einzigen Mal die Punkteränge. In der Vorsaison wurde Grosjean nur 13.

Pastor Maldonado in Abu Dhabi: Der Venezolaner schrieb beim Nachtrennen bislang einmal an, 2012 erzielte er in Diensten von Williams den fünften Platz. Im letzten Jahr machte Maldonado ein Motorschaden einen Strich durch die Rechnung.

Redaktionskommentar

Motorsport-Magazin.com meint: Viel Zeit für Emotionalität ob des Abgangs von Romain Grosjean bleibt Lotus nicht, mit Toro Rosso läuft noch ein Duell um Rang sechs in der Konstrukteurs-WM. Dabei geht es um mehr als nur die goldene Ananas, denn eine Niederlage gegen die jungen Bullen könnte wertvolles Geld kosten, vor allem, falls sich der Deal mit Renault noch zerschlagen sollte. Rein sportlich sollte Lotus jedoch im Vorteil sein, denn auf den zwei langen Geraden benötigt man vor allem Power, vorzugsweise von Mercedes. Die hat Lotus. Es müsste schon einiges schiefgehen, damit das Team aus Enstone noch hinter Toro Rosso fällt. Aber im letzten Rennen kann alles passieren. (Chris Lugert)


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