Formel 1

ECU Lockout Periode schuld - Erklärt: Räikkönens Kanada-Dreher

Kimi Räikkönen drehte sich beim Kanada GP 2015 in der Spitzkehre. 2014 unterlief ihm genau der gleiche Fehler. Motorsport-Magazin.com erklärt das Problem.
von Christian Menath

Motorsport-Magazin.com - Kimi Räikkönen fährt beim Kanada GP auf einem ungefährdeten dritten Platz. In Runde 27 kommt der Finne zum Boxenstopp - und dreht sich anschließend in der Spitzkehre. Rückblick: 2014 fährt Räikkönen auf einem weniger komfortablen zwölften Rang, kommt in Runde 39 zu seinem zweiten Stopp - und dreht sich anschließend in der Spitzkehere.

Es ist genau das Gleiche passiert wie im letzten Jahr.

Auch Räikkönen kann sich an das Missgeschick aus 2014 erinnern. "Es ist genau das Gleiche passiert wie im letzten Jahr", schimpfte er schon am Funk. Damals beklagte sich der Iceman schon darüber, dass die Leistung plötzlich einsetzte. In diesem Jahr das gleiche: "Im Training hatten wir keine Probleme, aber auf beiden Outlaps passierte etwas komisches, das für eine enorme Leistungsentfaltung sorgte. Man konnte es nicht kontrollieren."

Und der Finne hat recht, die Leistung setzte beide Male plötzlich ein. Allerdings hätte er in beiden Fällen darauf vorbereitet sein müssen. Das Reglement schreibt eine sogenannte ECU Lockout Periode vor. Ein Zeitraum, in dem die Motorsteuerung nicht verändert werden darf, sprich die Mappings nicht gewechselt werden dürfen.

Auch 2014 drehte sich Räikkönen in der Spitzkehre - Foto: Sutton

Diese Periode gilt nach jedem Rennstart und nach jedem Boxenstopp. Dadurch soll verhindert werden, dass für den Start brutale Mappings verwendet werden, die nach wenigen Metern wieder geändert werden. 60 Sekunden muss das Mapping nach jedem Start gleich bleiben, erst dann darf der Fahrer umschalten.

Adrian Sutil passierte in Hockenheim das gleiche Missgeschick - Foto: Sutton

Was macht das Mapping? Um beim Start besser wegzukommen, setzen die Teams auf ein aggressiveres Mapping. Das Drehmoment setzt früher ein, damit die ersten Meter schon voll beschleunigt wird. Das Ansprechverhalten des Motors verändert sich.

"Ich war mir ziemlich sicher, dass wir das Problem im letzten Jahr gelöst hatten. Ich weiß nicht warum... ", rätselt Räikkönen. "Es ist eine eigenartige Sache, weil wir im Training solche Dinge üben. Aber in diesem Jahr gab es noch keine Probleme, auf keiner Strecke. Ich kenne die Antwort nicht." Warum immer Kanada?

Adrian Sutil ist beim Deutschland GP 2014 ein ähnlicher Fehler unterlaufen. Der Deutsche drehte sich nach seinem Boxenstopp aus der letzten Kurve heraus auf die Start- und Zielgerade. Weil die Rundenzeiten in Hockenheim und Kanada sehr niedrig sind, fahren die Piloten fast eine gesamte Runde mit dem aggressiven Motorenmapping.

Am Ende kostete Räikkönen der Dreher das Podium. Valtteri Bottas staubte den letzten Platz auf dem Treppchen ab. "Nicht das Ergebnis, das wir wollten", kommentierte Räikkönen knapp. Allerdings lag es nicht nur am Dreher, dass für ihn nicht mehr ging. "Die Reifen haben gut funktioniert, aber auf dieser Strecke ist das Benzinsparen ein wichtiger Teil. Das hat unseren Speed heute am Ende beeinträchtigt."


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