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Formel 1 / Kolumne - Pro und Contra

Sollen die kleinen Teams mit alten Autos fahren dürfen?

Die Strategy Group entscheidet, ob Marussia und Caterham mit den 2014er-Autos antreten dürfen. Die Motorsport-Magazin.com-Redakteure diskutieren darüber.
von Annika Kläsener & Philipp Schajer

Pro: Ein wichtiger Puzzlestein

Bei den kleinen Teams steckt unverkennbar viel Bemühen dahinter, in der Formel 1 an den Start zu gehen. Man hat nicht den Eindruck, dass es diese Teams als selbstverständlich ansehen, in der Königsklasse zu fahren. Ein gutes Beispiel ist der harte, zunächst aussichtslos erscheinende Kampf Caterhams, beim Saisonfinale 2014 in Abu Dhabi an den Start zu gehen. Soll all das wirklich umsonst gewesen sein?

In Austin waren nur 18 Autos am Start - Foto: Sutton

Caterham und Marussia sind in der Vergangenheit hinterhergefahren, ihr sportlicher Wert ist also zugegebenermaßen überschaubar. Dennoch machte sich ihr Fehlen bemerkbar. Als das geschrumpfte Feld kurz nach dem Start auf dem Circuit of The Americas in die Esses ging, wurde deutlich, wie klein ein Feld von 18 Autos ist.

Das soll allerdings nicht heißen, dass Hinterbänklerteams nur Auffüller sind. Sie sind vielmehr ein wichtiger Puzzlestein im Gesamtbild der Formel 1. Die großen Teams würden sich keinen Zacken aus der Krone brechen, wenn sie den kleinen Teams erlauben würden, 2015 mit ihren alten Autos an den Start zu gehen. Das Reglement hat sich nicht stark verändert, die Autos sind ebenso sicher und einen Performancevorteil hätten die Hinterbänkler sicherlich nicht. Zum Wohle des Ganzen und im Sinne der Fans ein Auge zuzudrücken, wäre das richtige Signal für die gebeutelte Formel 1.

Contra: Das Elend nicht künstlich verlängern

Bei aller Liebe zu den kleinen Teams, aber es wäre wirklich nicht zielführend, sie 2015 mit 2014er-Autos antreten zu lassen. Schon im letzten Jahr war der Rückstand auf die Spitze enorm - jeder kann sich ausrechnen, wie es in dieser Saison mit der veralteten Technik aussehen würde. Das regelmäßige Scheitern an der 107%-Hürde wäre programmiert und wir hätten wieder Zustände wie zu Zeiten der Vorqualifikation.

Marussia und Caterham haben Schiffbruch erlitten - Foto: Sutton

Selbstverständlich steigert sich die Attraktivität der Formel 1 durch ein größeres Fahrerfeld. Allerdings nur, wenn auch die Konkurrenzfähigkeit aller Teams gegeben ist. Schleppt man hingegen chancenlose Rennställe mit, nur um den Grid mit aller Macht aufzufetten, ist das völlig kontraproduktiv und zieht das ohnehin schon angekratzte Image der Königsklasse weiter in Mitleidenschaft. Niemand hat etwas davon, wenn am Rennende Rückstände von fünf bis zehn Runden zu Buche stehen.

Marussia und Caterham sind ebenso wie HRT gescheitert, so hart dies auch klingen mag, da die neuen Teams unter falschen Versprechungen - Stichwort Budgetobergrenze - in die Formel 1 gelockt wurden. Es wäre an der Zeit, einen Schlussstrich zu ziehen und das Elend nicht noch weiter künstlich zu verlängern. Die Formel 1 muss hoffen, dass weitere Teams dem Vorbild von Gene Haas folgen und mit dem nötigen finanziellen Background den Einstieg wagen, und nicht den Einsatz veralteter Technik forcieren.


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