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Formel 1

Michael Schumacher 2005: Erneuter Triumph oder Ende einer Ära?

Während Michael Schumacher heiß auf seinen 8. WM-Titel ist, schwanken seine Rivalen zwischen Angst und Optimismus.
von Stephan Heublein

Motorsport-Magazin.com - Stellen Sie sich vor, dass Sie mit Ihrer Familie einen schönen Sonntagsspaziergang durch einen winterlichen Park unternehmen, als Ihre siebenjährige Tochter plötzlich aus heiterem Himmel im Günther Jauch Stil die folgende Quizfrage an Sie richtet: "Warum fährt Michael Schumacher so gerne rote Autos?"

"a) Weil Rot seine Lieblingsfarbe ist.
b) Weil er verheiratet ist.
c) Weil er gerne rote Autos fährt.
d) Weil er so gut auf Bäume klettern kann?"

Und während die Ferrari-Rivalen bei dieser für sie Nerven zehrenden Fragestellung – wann er denn "endlich" seinen roten Helm an den Nagel hängt und wieder einmal einem anderen Fahrer die WM-Krone überlässt – bereits alle Joker verbraucht haben, hilft Ihnen der Telefonjoker Michael höchst persönlich bei der Beantwortung aus: "Ich habe immer noch tierischen Spaß an dem, was ich tue."

Entsprechend ist er weder Formel 1-Müde noch wird er müde diesen Satz immer und immer wieder zu wiederholen und die wilden Rücktrittsspekulationen zu dementieren. "Sagen wir so: natürlich gibt es hier und da mal ein kleines Zipperlein", gesteht der zweifache Familienvater ein, "aber eben nur ein kleines. Insgesamt fühle ich mich sehr, sehr fit und, ehrlich gesagt, weitaus jünger als 36."

Diesen letzten Satz darf die Konkurrenz dabei ruhig als Kampfansage des Titelverteidigers verstehen: "Das ist eine! Ich gehe in die neue Saison wie in jede davor: hungrig, voller Motivation und mit Lust auf die Kämpfe, die da kommen werden", sprühte der siebenfache Champion schon im alten Jahr voller Tatendrang für 2005.

Roter Quantensprung oder Riesen-Chance für die Gegner?

Die neutralen Formel 1 Fans und Beobachter stellen sich deshalb zurecht bereits jetzt zu diesem frühen Zeitpunkt des Jahres die große Frage: Gibt es wieder einen Alleingang von Michael Schumacher? "Nein. Die anderen haben im neuen Jahr eine Riesen-Chance, Ferrari zu packen", widerspricht Ex-F1-Weltmeister Niki Lauda dieser These. "Weil ihnen die neuen Regeln mit etwas Glück in die Karten spielen."

Hätte Michael Schumacher also lieber testen sollen, statt sich in Norwegen mit seiner Familie zu erholen? Wieder dementiert Lauda: "Von wegen! Er weiß, dass er geil auf Siege sein muss, wenn es wieder losgeht", so der Österreicher. "Michael macht´s richtig: Der holt jetzt tief Luft – und bläst dann zur nächsten Titel-Attacke. Der Junge kriegt nie genug."

Und er hat das Material dazu immer weiter zu siegen. Ob sich dies in der Saison 2005 aufgrund der vielen einschneidenden Regeländerungen ändern wird, bleibt abzuwarten. Frank Williams hegt jedoch leichte Zweifel daran - und hat sogar Angst vor einem neuerlichen Quantensprung der Italiener.

"Sie sind ein fantastisches Team und machen beinahe keine Fehler", erklärte Williams. "Was mich aber zutiefst beunruhigt ist, dass Ferrari vor nicht allzu langer Zeit bekannt gab ein neues Auto für den April zu bauen. Sie sagten dies nicht vor neun Monaten, also gingen sie bei der Aerodynamik den gleichen Weg wie wir, aber sie sagten sich dann, dass sie cleverer und erfinderischer sein müssen. Deshalb habe ich nun Angst, dass sie vielleicht etwas sehr, sehr cleveres gefunden haben und sie deswegen glauben, dass ein Neuanfang die beste Möglichkeit ist. Ich hoffe, dass ich damit falsch liege."

Verstärkt werden diese Bedenken des Briten durch Michael Schumachers gelassene Reaktion auf das verspätete Debüt seines neuen Arbeitsgerätes. "In meinen Augen ist es kein Nachteil", betont der Ferrari-Star. "Wir haben das in den vergangenen Jahren schon so praktiziert, und es hat sich nie nachteilig ausgewirkt. Wir haben mit dem F2004 eine solch gute Basis, immerhin ist er das Weltmeister-Auto. Im Gegenteil, ich denke, bei all den neuen Regeln ist es gut, dass wir auf Bewährtes zurückgreifen können."

Die Regeländerungen als Zünglein an der Waage?2>

Dennoch erwartet sich Frank Williams, dass sein Team in der Saison 2005 dort ansetzen kann wo man die Saison 2004 mit einem Sieg in Interlagos beendete. "Wir sollten einen guten Start in die Saison erleben", so Williams, "aber da sich die Regeln geändert haben, weiß natürlich niemand genau wie viel Abtrieb die anderen haben werden."

Eine Aussage die dieser Tage allüberall in der Formel 1 Welt getätigt wird. Demzufolge fragt sich auch Niki Lauda welchem Reifenhersteller die neuen langlebigen Pneus eher entgegen kommen. "Fakt ist, dass Michelin viel mehr Daten zur Verfügung stehen – z.B. von Mercedes, BMW, B·A·R und Toyota. Bridgestone hat ja nur noch Ferrari. Das könnte einen Vorteil für die Jäger bedeuten."

Während die neuen Aerodynamik- und Reifenregeln also laut dem Österreicher eine erstarkte Konkurrenz hervorbringen könnten, sieht Schumacher dem in aller Ruhe entgegen. "Ja, aber alle werden sich auf die neuen Gegebenheiten einstellen müssen", erinnert er, dessen Teamchef Jean Todt hingegen andere Hintergedanken erkannt haben möchte. "Mein Eindruck ist, dass alle Ferrari einbremsen möchten und dass sie versuchen herauszufinden wo sie uns am meisten schaden können."

Ein Unterfangen, welches nach Schumachers Ansicht aber nicht funktionieren wird. "Ein erfahrenes, eingespieltes und erfolgreiches Team wie wir wird sich in meinen Augen besser darauf einstellen können. Wir haben alle Voraussetzungen dafür, auch dieses Jahr wieder um die Titel zu kämpfen - und wir sind jetzt schon heiß darauf."

Briatore möchte Ferrari schlagen

Ebenfalls heiß auf Siege und den WM-Titel ist Renault-Teamboss Flavio Briatore, der schon mehrfach ankündigte: "Im nächsten Jahr schlagen wir Ferrari. Definitiv!"

Mit Fernando Alonso und Giancarlo Fisichella besitzen die Franzosen zweifelsohne zwei Piloten, die dazu in der Lage sein sollten. Die alles entscheidende Frage lautet demnach: Wird auch das Auto diesen hohen Ansprüchen gerecht werden?

Briatore hat da keine Zweifel: "Ich sage Ihnen: 2005 ist die Dominanz von Ferrari vorbei. Dann werden wir sie besiegen. Alle Defizite, die uns jetzt noch bremsen, sind bis dahin aufgearbeitet", kündigt Flavio Großes an. "Wir müssen nicht mehr zwei, drei Jahre warten. 2005 ist Michael dran. Denn schon jetzt ist klar, dass wir dann endlich das Paket haben werden, um Ferrari zu packen: Motor, Chassis, Reifen."

Nicht ganz so forsch geht McLaren-Neuzugang Juan Pablo Montoya ins neue Jahr. Dennoch möchte auch er liebend gerne wieder harte Duelle gegen Michael Schumacher ausfechten. "Es wäre wirklich schön, wenn wir in einer siegfähigen Position wären und um die Meisterschaft kämpfen könnten", träumt der Südamerikaner vom Titel, "aber im Moment ist es zu früh darüber zu sprechen und wir müssen zuerst am Setup des Autos arbeiten."

Niemand ist für immer an der Spitze

Für den Shootingstar des vergangenen F1-Jahres, Jenson Button, steht unterdessen felsenfest, dass "niemand für immer an der Spitze" stehe und auch ein Michael Schumacher "eindeutig bezwungen" werden könne. "Er ist schlagbar und ich glaube, dass die meisten Fahrer in der Startaufstellung ähnlich denken."

Entsprechend geht der B·A·R-Pilot "zuversichtlich" in die neue Saison. "Manche Leute vielleicht sagen werden, dass ich zu zuversichtlich bin, aber ich bin im richtigen Auto, ich glaube, dass wir um den WM-Titel kämpfen können." Denn: "Auch Michael wird geschlagen werden und ich hoffe, dass dies eher früher als später geschehen wird."


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