Motorsport-Magazin.com Plus
Formel 1 / Historisches

Nur wenige Meter und Sekunden zwischen Leben und dem Ende - Heute vor 38 Jahren: Graham Hills tragischer Tod

Das Schicksal der Formel-1-Legende Graham Hill ist ebenso tragisch wie traurig. Der Todesfalle Rennsport entkommen, starb der Brite bei einem Flugzeugabsturz.
von Samy Abdel Aal

Motorsport-Magazin.com - Auf den Tag genau vor 38 Jahren erschütterte eine Hiobsbotschaft die Welt des Motorsports und das Vereinigte Königreich Großbritannien. Der zweifache Formel-1-Weltmeister Graham Hill - Vater des ehemaligen Formel-1-Stars und -Weltmeisters 1996 Damon Hill - war auf tragische Art und Weise ums Leben gekommen. Jedoch starb der erfahrene Pilot nicht etwa im Cockpit eines Rennwagens, wie 41 seiner Kollegen, die ihn zu seiner aktiven Zeit begleitet hatten; nur vier Monate nach seinem Karriereende mit 46 Jahren verunglückte Hill beim Landeanflug seines Privatjets auf London, als er selbst die Maschine in dichtem Nebel in ein Waldstück eines örtlichen Golfclubs steuerte.

"Es war einfach nur schrecklich", kommentierte Ted Dickens, seines Zeichens Leiter des Arkley Golf Clubs gegenüber der BBC. "Die Krankenwägen hatten die allergrößte Mühe, die Unfallstelle überhaupt zu erreichen, ohne in den Bunkern des Kurses steckenzubleiben. Man hat wirklich die Hand vor Augen nicht mehr gesehen." Zusammen mit fünf Passagieren befand sich Hill, dem als bisher einzigen Fahrer der Gewinn der Formel-1-Weltmeisterschaft, der 24h von Le Mans sowie des Indy500-Rennens gelang, auf dem Heimflug von Testfahrten in Le Castellet auf dem Circuit Paul Ricard.

Man hat wirklich die Hand vor Augen nicht mehr gesehen
Ted Dickens

Ebenso wie Hill kamen bei dem Absturz sein Manager Ray Brimble, ein Fahrer seines eigenen Teams sowie drei weitere Angestellte allesamt ums Leben. Spencer Flack, einer der besten Freunde Hills und Leiter des Esltree Aero Club, auf dem die Maschine landen sollte, schilderte den tragischen Unfall: "Es war eine sehr kalte Nacht und der Nebel lag wie in einer Sauna direkt über dem Boden. Selbst die erfahrensten Piloten können bei diesen Verhältnissen ernsthafte Probleme bekommen, denn meistens entscheiden nur wenige Meter und Sekunden über Leben und Tod. Graham hatte einfach nur Pech, und ich kann das Unglück einfach nicht in Worte fassen."

Bereits zu seinen aktiven Zeiten war Hill als Fahrer bekannt, der der Gefahr ins Gesicht lachte und Unfälle zu Lapalien herabspielte. Als er nach seinem schlimmsten Crash beim Großen Preis der USA 1969, bei dem er sich beide Beine brach, nach beruhigenden Worten für seine Frau gefragt wurde, die überbracht werden sollten, entgegnete er lachend: "Sagt ihr, ich werde zwei Wochen lang nicht auf Parties tanzen können." Dass Hill in der 'Todesmaschine' Formel 1, die zu seiner aktiven Zeit 41 der bis dato 49 verstorbenen Fahrer in der Rennserie hervorbrachte, in 17 Jahren 179 Rennen weitestgehend unbeschadet überstand, grenzt nahezu an ein Wunder. Seinen Tod rund vier Monate nach seinem Karriereende darf man dann wohl getrost als britischen Humor des Lebens bezeichnen...

Erfolgreiche Familie: Sowohl Graham Hill als auch Sohn Damon Hill krönten sich mit dem Titel in der Formel 1 - Foto: Sutton

Die Karriere des Graham Hill

Im Alter von 25 Jahren begann Hill seine Rennsportkarriere in einem Formel-3-Rennwagen im Jahr 1954, nachdem er erst ein Jahr zuvor seinen Führerschein bestanden hatte. Kurz darauf heuerte er als Mechaniker beim Lotus-Rennstall in der Formel 1 an, und überredete schließlich das Team, ihm eine Chance als Fahrer zu gewähren. Beim Großen Preis von Monaco des Jahres 1958 gab Hill schließlich sein Debut in der Königsklasse des Motorsports. 1960 wechselte er zu British Racing Motors, mit denen sich Hill 1962 erstmals zum Weltmeister krönte.

Im Jahr 1966 gewann er als aktiver Formel-1-Fahrer beim ersten seiner drei Gastspiele das berühmte Indy500-Rennen, bevor er 1967 zu Lotus zurückkehrte. Nach dem tragischen Tod seiner beiden Teamkollegen im Jahr 1968 krönte sich Hill jedoch ein zweites Mal zum Weltmeister der Formel 1. 1969 siegte Hill in Monaco ein letztes Mal in der Königsklasse des Motorsport - ebenfalls für Lotus - bevor er nach mehreren Teamwechseln seine aktive Karriere 1975 eher unauffällig beendete. 1972 schrieb er jedoch noch einmal Geschichte, als er sich im Team mit Henri Pescarolo bei den 24h von Le Mans zum König des Langstreckensports krönte.


Weitere Inhalte: