Exklusiv
Formel 1 / Interview

Alonsos Tweet finde ich großartig - Christian Danner spricht Klartext

Christian Danner spricht mit Motorsport-Magazin.com über die Reifenwahl in Bahrain, Gejammer aus Eigennutz und psychologische Kriegsführung im Jahr 2013.
von Karin Sturm

Motorsport-Magazin.com - Das sieht heute ein bisschen nach den üblichen Verdächtigen aus...
Christian Danner: Ja, das stimmt. Die haben die harten Reifen aufgeschnallt und fahren, fahren, fahren... Keiner beschwert sich über die Reifen, alles ist schön, alles ist gut, 55 Grad Asphalttemperatur und alle fahren ein ganz normales Training. Also jetzt wird es langsam mal Zeit aufzuwachen.

Es sind immer noch die selben Fahrer vorne, wie zum Beispiel Kimi, der der am sanftesten mit den Reifen umgeht.
Christian Danner

Lag es vielleicht daran, dass die Fahrer hauptsächlich auf den harten Reifen unterwegs waren?
Christian Danner: Der Medium läuft auch gut. Ich habe mir die Reifen angeschaut: keine Spur von Graining. Es haben ja so viele geschrien: 'Härtere Reifen, härtere Reifen' - aber es sind immer noch die selben Fahrer vorne, wie zum Beispiel Kimi, der der am sanftesten mit den Reifen umgeht.

Die Fahrer haben auch aus ein paar anderen Gründen geschimpft. Unter anderem, dass es kaum noch richtige Überholmanöver gab, weil sich niemand mehr gewehrt hat und das es kein Spektakel mehr gibt.
Christian Danner: Natürlich schimpfen Sebastian Vettel und Niki Lauda, weil sie für sich und ihr Team etwas Besseres herausholen möchten.

Das schwarze Gold: Auch in Bahrain wieder im Blickpunkt - Foto: Sutton

Das haben aber auch Leute gesagt, die nicht betroffen waren.
Christian Danner: Ich habe jetzt nur die beiden zitiert, die am lautesten geschrien haben. Unterm Strich macht Pirelli das genau richtig. Die fahren ihre Schiene, das läuft und damit fertig. Ich finde das gut und spannend - und die Fahrer, die sich darauf einstellen können, haben einen Vorteil.

In China war es aber tatsächlich so, dass es kaum ein richtiges Überholmanöver gab und die Fahrer einfach nur vorbeigewunken wurden. Die Spannung entstand durch das Zusammenrechnen am Computer...
Christian Danner: Und was war bei vier Boxenstopps mit Tanken anders? Kimi [Räikkönen] hat das ganz gut auf den Punkt gebracht. Er hat gesagt: 'Nichts ist anders, man musste schon immer innerhalb des Limits der Reifen fahren.' Wenn man natürlich keinen Sprit im Auto hat, kann man härter fahren, das gefällt manchen Fahrern besser. Jetzt, mit 180 Kilo Sprit im Tank, müssen sie ganz anders fahren. Also: In welcher Konstellation sich ein Fahrer auch befindet, er muss immer Kompromisse machen und sich auf die Umstände einstellen. Hätte ich mit meinem Turbo so Gas gegeben, wie ich es wollte, hätte sich der Hinterreifen nach zehn Runden delaminiert. Konnte ich machen, musste ich aber nicht. Da habe ich lieber sanft Gas gegeben und der Reifen hielt dafür 20 Runden.

Hätte ich mit meinem Turbo so Gas gegeben, wie ich es wollte, hätte sich der Hinterreifen nach zehn Runden delaminiert.
Christian Danner

So viel zu den Reifen. Mercedes ist hier nicht ganz so schnell. Woran kann das liegen?
Christian Danner: Das muss die Streckencharakteristik sein. In Shanghai waren sie gut. Es ist allerdings schwierig, die Zeiten aus dem Freien Training zu interpretieren. Es stimmt schon, es war ein bisschen hin und her bei ihnen. Aber wenn man es genau nimmt, haben auch an diesem Wochenende die drei Besten, Red Bull, Ferrari und Lotus, die Nase vorne, egal, ob weiche oder harte Reifen, ob Bahrain oder China. Da gehört Mercedes noch nicht ganz dazu.

Hast du eine Erklärung dafür, dass Romain Grosjean nicht zurecht kommt?
Christian Danner: Ich gehe davon aus, dass er noch nicht die richtige Richtung gefunden hat, dass er seinen Fahrstil noch nicht an die technischen Gegebenheiten angepasst hat. Und die verbauen sich immer wieder an seinem Auto. Das kann schon passieren, dass man sich dabei immer wieder verzettelt. Mir tut es leid für ihn, ich weiß, er ist ein echt schneller Mann. Da hilft es jetzt nur, kühlen Kopf zu bewahren und die Sachen auszusortieren.

Fernando Alonso: Was hat der Ferrari-Star jetzt wieder ausgeheckt? - Foto: Sutton

Hast du den Tweet von Fernando Alonso gesehen, der ihn bei einem gemeinsamen Abendessen mit Mark Webber zeigt?
Christian Danner: Natürlich, so etwas finde ich großartig. Gott sei Dank machen die Fahrer so etwas, da sind sie ein bisschen sichtbarer geworden. Früher waren sie unter der Fuchtel der Pressesprecher und durften keinen Mucks von sich geben. Früher hat Piquet Mansell in einem Interview mit der Times provoziert, als er über dessen Frau gesagt hat: 'Die ist so hässlich, da würde er an jedem Morgen in Ohnmacht fallen.' Heute läuft die psychologische Kriegsführung ein bisschen anders - und der große Vorteil ist, dass wir daran teilhaben dürfen. Das finde ich viel interessanter, als das teaminterne Gestichel, das sie sowieso machen.

Aber Sebastian scherrt sich nicht darum, was Alonso so von sich gibt...
Christian Danner: Das macht gar nichts, weil es interessant ist. Ich verfolge das mit großem Amüsement. Und: Vettel kann nur Stärke zeigen, wenn er es ignoriert. Aber vielleicht findet Alonso doch irgendwann eine Stelle, wo es Sebastian wehtut.

Gott sei Dank machen die Fahrer so etwas, da sind sie ein bisschen sichtbarer geworden.
Christian Danner

Was glaubst du? Ist es von Alonso oder eher von Webber ausgegangen?
Christian Danner: Das ist ganz sicher von Fernando ausgegangen. Wir wissen alle, dass er sehr aktiv auf Twitter ist und da ziemlich abenteuerliche Sachen postet, wie wie zum Beispiel das Foto mit den Sturmgewehren.

Und der Stallkrieg zwischen Vettel und Webber hat keine Rolle gespielt?
Christian Danner: Webber hat sich mit Sicherheit über die Idee totgelacht. Die sind beide bei Flavio Briatore unter Vertrag, da lernt man so etwas.


Weitere Inhalte:
Formel 1 Tickets
Wir suchen Mitarbeiter
Mitarbeiter Motorsport Designer Journalismus Programmierer Video