McLaren konnte sich während der Wintertests 2012 über relativ wenig beklagen, das Auto lief zuverlässig, die eingebauten Ideen machten keine Probleme und einigermaßen schnell schien das ganze Paket auch zu sein. Ausgerechnet am Tag als das recht umfangreiche Melbourne-Update aufs Auto kam, ließ die Zuverlässigkeit aber zu wünschen übrig, denn Jenson Button musste am Samstagvormittag in Barcelona lange zusehen, wie an einem Hydraulik-Problem gearbeitet wurde. "Wir haben viel vom Tag verloren, vor allem den guten Teil, wenn die Strecke gute Temperatur hat und kein Wind geht. Das haben wir alles verpasst", ärgerte sich Button.
Denn mit den neuen Teilen lief es eigentlich recht gut. "Das Auto fühlte sich sofort besser an. Es gab einige Bereiche, wo uns noch etwas fehlte und ich wusste, mit den Updates würde das besser werden", sagte er. Am Nachmittag begann McLaren dann mit Reifenvergleichen, deswegen wurde am Setup nichts angefasst, um auch die richtigen Schlüsse ziehen zu können, wie sich die verschiedenen Mischungen mit dem gleichen Auto verhalten. "Als wir dann endlich an die Setup-Arbeit gehen wollten, kam der Regen. Wir haben mit dem Paket also keine Fortschritte gemacht. Es ist ein sicherer Schritt nach vorne und es ist stark, was wir damit erreicht haben. Toll, dass wir das heute hier hatten", meinte der Weltmeister von 2009.
Es steckt noch viel drin
Trotzdem musste er nun darauf hoffen, dass Lewis Hamilton am Sonntag einen sauberen Arbeitstag hinter sich bringen kann, an dem ohne Probleme am Setup für das Update gefeilt werden kann. "Denn da steckt noch viel drin. Das Gefühl ist positiv, ich freue mich über die Richtung, die wir genommen haben." Die Balance war um einiges besser gewesen und vom Gefühl her hatte alles gepasst. Ob sich die Windkanal-Werte ebenfalls reproduzieren ließen, konnte Button noch nicht eruieren. "Ob wir jetzt Schnellster oder Zweitschnellster oder langsam sind, das weiß ich nicht. Wichtig ist, dass wir heute gute Fortschritte machten und es sich gut anfühlt", sagte Button.

Angst wegen schwindender Zuverlässigkeit mit dem Update hatte er nicht. Das Hydraulik-Problem sei eine außergewöhnliche Sache gewesen und der Winter bisher sehr erfolgreich in punkto Zuverlässigkeit. "Heute traf es leider genau den falschen Tag, als wir die neuen Teile am Auto hatten. Wir konnten ihn nicht voll ausnutzen. Ich bin aber zufrieden damit, was wir für das erste Rennen haben", erklärte er. Ihm war aber durchaus aufgefallen, dass ein paar andere Teams auch zufrieden sein können. Sauber war ihm besonders ins Auge gestochen, denn Sergio Perez war seine beste Zeit auf Softs gefahren, so wie Kamui Kobayashi bei seiner Bestzeit beim ersten Barcelona-Test. Die meisten Teams nutzten die Supersofts für ihre schnellen Runs.
Red Bull zeigt nicht alles
"Sie [Sauber] machen einen tollen Job und scheinen zuverlässig zu sein. Es ist schön, dass kleine Teams stark sind, hoffentlich sind sie nicht zu stark. Red Bull fährt mit viel Benzin, denke ich. Sie haben ein neues Paket und einige Verbesserungen. Wie immer will Red Bull nicht zeigen, was es kann, also haben sie viel getankt. Ich habe aber keine Ahnung, wie viel, daher schauen wir auf uns", betonte Button. Und beim Blick auf McLaren musste er wieder feststellen, dass alles so viel besser läuft als im Winter 2011. Damals lief das Auto nur störrisch und es gab einiges an Rätselraten wegen des Auspuffs. Zudem stimmte die Pace nicht. "Wir sind jetzt viel glücklicher damit, wo wir stehen. Man will aber immer mehr testen, vor allem wenn wie heute etwas schiefläuft."
Ungeachtet dessen war er überzeugt, wieder um den Titel fahren zu können, bei McLaren erachtet das Button ohnehin als normalen Anspruch. Einen Joker aus dem Vorjahr glaubt er aber nicht mehr zu haben, denn nach seiner Meinung kann der Fahrer nicht mehr so viel Einfluss auf die Reifen nehmen. Großen Abbau hatte er bei McLaren aber ohnehin nicht erkannt, bei Ferrari und Mercedes war ihm das eher aufgefallen. Optimistisch stimmte ihn, dass die Suche nach Abtrieb in diesem Jahr einfacher sein sollte. "Beim angeblasenen Diffusor fand man im Windkanal etwas und glaubte, das bringt eine Sekunde. Am Auto war es dann langsam. Das war schwierig, aber so wie der Abtrieb jetzt geholt wird, ist es viel einfacher. Was im Windkanal funktioniert, funktioniert auch auf der Strecke. Das ist toll, vor allem bei guten Zahlen im Windkanal." Und als schwacher Entwickler gilt McLaren sicher nicht.

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