1. - S wie Startaufstellung
Das Qualifying auf dem Yas Marina Circuit bot eine Besonderheit. Denn es steht zwar wie schon 13 Mal zuvor Sebastian Vettel auf der ersten Startposition, doch mit diesem Ergebnis konnte er den Rekord von Nigel Mansell einstellen, der 1992 ebenfalls 14 Pole Positions einfuhr. Danach sah es aber zuerst nicht aus, denn Vettel hatte während der vorangegangenen Trainings mit seinem RB7 zu kämpfen. Er war in keiner einzigen Session an der Spitze - dann zauberte der Titelverteidiger in letzter Sekunde doch wieder die perfekte Runde aus dem Hut.
Das ließ im Fahrerlager aber niemandem mehr die Kinnlade offen stehen. "Inzwischen überrascht es einen nicht mehr", bestätigte Marc Surer im Gespräch mit Motorsport-Magazin.com. "Wenn es so aussieht, als ob er keine Chance hätte, bekommt er es genau auf den Punkt doch noch hin. Ich nenne das den Vettel-Faktor."
Unmittelbar hinter Vettel scharren die beiden McLaren-Piloten Lewis Hamilton und Jenson Button mit den Hufen. Sie waren von den meisten Statistikern als Favoriten auf die Pole gesetzt worden und dementsprechend enttäuscht. "Ich fühle mich wohl im Auto, aber am Ende war ich leider nicht so schnell wie gedacht", erklärte Hamilton, der seine Runde in Q2 besser fand. Button hingegen hatte das gesamte Wochenende schon mit seinem MP4-26 zu kämpfen, was die sinkenden Temperaturen in der Dunkelheit noch verschlimmerten.
Neben dem alles überstrahlenden Vettel und dem McLaren-Duo ging Mark Webber fast unter - trotz P4 am Samstag. "Es ist schon in Ordnung, aber ich bin von meinem letzten Run enttäuscht. Der war unsauber und wir hätten da etwas besser über die Dinge kommunizieren müssen, die wir managen wollten", hatte sich der Australier ein besseres Resultat erhofft. Hinter dem dominanten Quartett reihten sich erwartungsgemäß die beiden Ferraris ein. Fernando Alonso stellte seinen 150° Italia, ausgerüstet mit dem neuen Flatterflügel, auf den fünften Startplatz. Teamkollege Felipe Massa ordnete sich mit der alten Version des Flügels eine Position dahinter ein.
2. - S wie Start

Helmut Marko brachte es auf den Punkt. "Wenn wir den Start wieder schaffen, ist es die übliche Vettel-Sache, sich nach dem Gegner auszurichten", so der RBR-Motorsportberater. Dass Vettel der 5,554 km lange Kurs liegt, ist nach seinen Siegen in den vergangenen beiden Jahren kein Geheimnis. Ein weiterer Vorteil: Vettel startet von der sauberen Seite. Verfolger Hamilton plant allerdings schon den großen Startangriff. "Ich will wirklich als Erster in die erste Kurve einbiegen", so der Brite aggressiv.
Gleichzeitig schickte er eine Kampfansage an Vettel. "Letztes Jahr bin ich als Zweiter losgefahren, habe in der ersten Kurve aber früh gebremst und Sebastian die Kurve überlassen", erinnerte sich der McLaren-Pilot zurück. "Ich habe ihm heute aber schon angekündigt, dass das morgen nicht noch einmal passieren wird." Doch selbst wenn der RB7 an der Spitze von dannen zieht, erwarten viele diesmal bis zum Schluss ein enges Rennen. "Im Rennen wird es für ihn sehr schwierig", äußerte sich Christian Danner gegenüber Motorsport-Magazin.com. "Ich denke, dass Jenson Button ihm das Leben schwer machen wird. Die Streckencharakteristik kommt einem sauberen Fahrstil entgegen, genau den hat Jenson."
3. - S wie Strecke
Man kennt es noch aus der vergangenen Saison: überholen und Abu Dhabi sind zwei Begriffe, die eher selten im selben Satz zu finden sind. Diesmal könnte sich das allerdings dank DRS-Zonen ändern. Die FIA ordnete wieder einmal zwei Zonen auf dem Kurs an, auf denen der Flügel flach gestellt werden darf. Um nicht das Risiko eines potentiell langweiligen Rennens einzugehen, wurde eine Zone nach dem Qualifying verlängert. Die ursprünglich geplante DRS-Zone sollte 470 Meter nach Kurve sieben beginnen, doch der Weltverband hatte Bedenken, dass diese womöglich zu kurz sein könnte. Nun wird die Zone um 75 Meter verlängert.

Button glaubte derweil nicht, dass die Maßnahme fruchtet. "Ich habe gestern DRS ausgangs Kurve sieben und den Weg runter Richtung Kurve acht ausprobiert und es war dennoch schwierig die Autos zu überholen", so der Brite. "Eine Verlängerung um 75 Meter wird da keinen großen Unterschied machen, denn wir nutzen nur die Hälfte der Geraden - es bleibt weiterhin schwierig." Der Petrov-traumatisierte Alonso wollte sich noch nicht zur Neuerung äußern, doch am Freitag habe er den Eindruck gehabt, dass die Zone nicht ausreichend lang war.
Dass der Yas Marina Circuit zu den optisch am beeindruckendsten Kursen im Rennkalender gehört, ist kein Geheimnis. Interessant sind die äußeren Bedingungen, mit denen die Fahrer konfrontiert werden. Im Verlaufe des Tages sinken die Temperaturen von 30 auf bis zu 19 Grad herunter, nachdem sich die Sonne vom Himmel verabschiedet hat.
Neben den abfallenden Temperaturen sorgt die untergehende Sonne auch für Schwierigkeiten in Sachen Sicht, nachdem das Rennen in der Dämmerung um 17.00 Uhr Ortszeit startet. Die F1-Piloten müssen mit besonderen Visieren herumtricksen. "Und man muss die Augen zusammen petzen", so Vettel weiter. "Zum Glück gibt es nicht so viele Kurven, wo man gestört wird. Die Sonne geht relativ schnell unter." Doch an zwei, drei Stellen des Kurses könne man bei ungünstigem Lichteinfall quasi nichts sehen. "Man wird geblendet und dann ist es mehr oder weniger Gefühlssache."
4. - S wie Setup

"Man wünscht sich, dass man das Auto die ganze Zeit verstellen kann", so Vettel im Hinblick auf das 18. Rennen der Saison. "Das geht aber leider nicht, also muss man mit den Mitteln kämpfen, die einem zur Verfügung stehen." Der Grund ist klar: Die abfallenden Temperaturen beeinflussen die Performance der Reifen und somit auch die Balance des Autos. Es gilt also, einen möglichst guten Kompromiss zu finden.
Bislang noch nicht zufrieden ist Button. "Ich konnte dieses Wochenende nie so wirklich eine Balance finden, die mir perfekt passt. Das Auto hat sich dann für das Qualifying noch einmal ganz schön verändert", bemängelte der Brite, der angab, bereits im Training Probleme mit der Heckpartie seinen MP4-26 gehabt zu haben. "Im Qualifying hatte ich dann zwar auf einmal Grip auf der Hinterachse, dafür aber auch massives Untersteuern - für mich fühlte sich das Auto also erneut komplett anders an."
Setup-Hadern hörte man auch aus der Ferrari-Box, wo Massa am Samstag mit dem alten Frontflügel das Qualifying bestreiten musste. Er hätte lieber - wie Alonso - den neuen Flügel benutzt, der aufgrund seiner Flattereigenschaften bereits für Aufsehen sorgte. "Natürlich, da ich die alte Version des Frontflügels nutzen musste, kostete mich das etwas an Performance", ist Massa überzeugt. "In Indien, als wir die beiden Versionen verglichen, hatte ich sofort das Gefühl, dass der neue eine Verbesserung bedeutete. Er verlieh mir mehr Grip und bessere Stabilität beim Bremsen."
5. - S wie Strategie
Einfache Milchmädchenrechnung 2011: Strategie gleich Reifen. Wie verhalten sich die Pirellis auf dem Asphalt, wann sind Boxenstopps am strategisch sinnvollsten? Während viele Rennen zu wahren Reifenpokern ausarteten, sollte sich dieser Punkt in Abu Dhabi eher in Grenzen halten. Der Reifenabbau sollte laut Paul Hembery kein großes Problem darstellen. "Das sollte den Fahrern erlauben, einfach so schnell zu fahren, wie sie können, und sich auf ihre Kämpfe untereinander zu konzentrieren", sagte der Pirelli-Motorsportdirektor.
Pirelli hat die weiche und Medium-Mischung im Gepäck, zwei Stopps sollten die Regel sein. Interessant ist unterdessen die spektakuläre Boxenein- und Ausfahrt. "Die ist nicht einfach, da kann man viel Zeit verlieren", stellte Button fest. Oder auch die Orientierung, wie Jaime Alguersuari 2009 feststellen musste, als der zielgerichtet die Box an steuerte - dummerweise die von Red Bull…
6. - S wie Sonntagswetter
Dämmerung, dunkel, Feierabend. Um 17:00 Ortszeit erlischt die Startampel in Abu Dhabi, dann geht es für die Piloten in der Dämmerung los. Regenwahrscheinlichkeit 0 Prozent, Dunkelwahrscheinlichkeit 100 Prozent. Darauf kommt es auf dem Yas Marina Circuit an und das macht das Flair des Rennens aus. Dass die Temperaturen nach Sonnenuntergang rapide sinken und die Piloten vor besondere Herausforderungen stellen, wurde bereits abgehandelt. Genießen wir also die wunderbaren Bilder, die der Große Preis von Abu Dhabi liefert.
7. - S wie Spannung
Fahrer- und Teamweltmeisterschaft sind längst entschieden, der Kampf um den Vize-Titel nur bedingt spannend. Trotzdem lohnt es sich, am Sonntag zur humanen Zeit um 14.00 Uhr ab dem Start mitzufiebern. Die Rennen sind dank der neuen Regeln spektakulär wie schon lange nicht mehr. In Abu Dhabi sollte zudem an der Spitze diesmal keine Langeweile einkehren - nur wenige glauben, dass Vettel an der Spitze wieder einsam seine Kreise ziehen kann. "Ich glaube auf jeden Fall nicht, dass Vettel wegfahren kann", meinte Marc Surer. "Es gibt hier keine schnellen Kurven, also ist der übliche Vorteil des Red Bull in den schnellen Kurven nicht vorhanden."
Ähnliches hört man von Lauda, der in dieser Saison nicht selten betont hatte, dass Vettel der Konkurrenz wegziehen würde, sofern er den Start gewinnt. "Ich behaupte, dass McLaren ein bis zwei Zehntel schneller ist als der Red Bull", orakelte der Österreicher. "Qualifying und Rennen sind zwei Paar Schuhe. Ich denke, dass McLaren morgen sehr stark sein wird. Deshalb wage ich nicht zu sagen, wie das Rennen ausgeht."



diese Formel 1 Analyse