Die zwei voneinander unabhängigen DRS-Zonen in Monza haben vor dem Rennwochenende viele Köpfe rauchen lassen, denn sie bieten auf den langen Geraden des Traditionskurses eine völlig neue strategische Option. "Strategisches Denken könnte nötig sein, um festzustellen, wann und wie man es nutzt", sagte Mercedes-Teamchef Ross Brawn am Donnerstag. Er ging davon aus, dass das Rennwochenende sich durch DRS im Vergleich zu früher durchaus verändern könnte. Wobei er generell aber vorsichtig bleiben wollte, die Bedeutung von DRS zu hoch oder zu niedrig zu bewerten.
"Wir lernen bei DRS immer noch dazu. Nach der Saison können wir es dann besser tunen. Persönlich denke ich, in Kanada hatten wir zu viel, anderswo nicht genug. Es war etwas schwierig, ein Urteil über DRS zu fällen, weil die Reifen die Rennlandschaft stark verändert haben. Wir werden am Ende der Saison über DRS sprechen und schauen, was wir denken. Es wird aber interessant, was hier passiert. Es ist nicht klar, welchen Effekt es haben wird. Es bedeutet aber, das hintere Auto wird durch den doppelten Einsatz viel Rundenzeit gutmachen", sagte Brawn.
Eine komplexe Entscheidung
Wichtig wird es dafür aber sein, auch die passende Abstimmung zu finden. Denn im Qualifying wäre ein anderes Setup passend als im Rennen. So kann man im Qualifying DRS so oft nutzen wie man will, im Rennen eben nur in den dementsprechenden Zonen und nur wenn man nahe genug am Vordermann ist. Dadurch könnte man im Qualifying mehr Flügel fahren und den höheren Luftwiderstand dank des geöffneten Flügels auf den Geraden eliminieren, wäre dann im Rennen aber angreifbar. "Das ist eine recht komplexe Entscheidung. Es wird in diesem Jahr größere Unterschiede geben als früher, weil damals alle im gleichen kleinen Bereich agierten. Jetzt gibt es eben den Unterschied, was optimal im Qualifying und was optimal im Rennen ist. Wir sind noch nicht sicher, welche Richtung wir nehmen", erklärte Brawn.
Einfluss auf die Entscheidung wird die Gangübersetzung haben. In Monza werden recht lange Gänge gefahren und da die volle Bandbreite ausgenutzt. Brawn wies aber darauf hin, dass die Teams zu Beginn der Saison 25 Übersetzungen festlegen müssen und für nur ein Rennen nicht zu viele Möglichkeiten verschwenden wollen. "Die meisten Teams werden eine Übersetzung für hier gewählt haben und das wird dann auch die Entscheidung der Flügel-Niveaus beeinflussen", sagte er. Ungeachtet dessen war Brawn recht optimistisch für Monza, denn der Mercedes-Motor ist stark und das Auto mit wenig Abtrieb gut. "Es ist aber schwierig, die richtige Balance zu finden. Das liegt am Überfahren der Kerbs, am starken Bremsen und daran, dass man den niedrigsten Abtrieb der Saison fährt. Es gibt viel Arbeit."

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