Nach seinem Erfolg in Silverstone ist Fernando Alonso auf dem Nürburgring nur knapp am zweiten Sieg in Folge vorbeigeschrammt. Hätte er Lewis Hamilton nach seinem zweiten Stopp hinter sich halten können, wäre der Deutschland Grand Prix möglicherweise anders ausgegangen. Das tat er aber nicht, sondern sorgte für Unterhaltung, als er nach Renn-Ende sein Auto abstellen musste und erfolgreich bei Mark Webber auf dem Seitenkasten mitfuhr. Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali erklärte später, dass kein Defekt dafür verantwortlich war.

"Nach der Zieldurchfahrt wird immer eine Benzinprobe genommen und dafür muss ein Liter Benzin im Auto sein. Wir wollten das in jedem Fall aufsparen. Es gab kein Problem, das war nur eine Vorsichtsmaßnahme", berichtete der Teamchef. Die Sparmaßnahmen hatten geholfen, denn es gab keine Strafen für Ferrari. Besonders gefallen hatte Domenicali, dass sein Team trotz des kalten Wetter gut mithalten konnte und es keine zu großen Probleme mit den Reifen gab. Allerdings hatte man vor den harten Gummis durchaus Respekt. "Wir versuchten, die weichen Reifen länger zu nutzen und den Stint auf dem harten zu minimieren", meinte er.

Angst vor dem Harten

Das führte allerdings auch dazu, dass Hamilton beim zweiten Stopp früher reinkam als Alonso und sich dadurch in die Position brachte, um den Spanier nach der Boxenausfahrt erfolgreich anzugreifen und zu überholen. Domenicali gestand, dass Ferrari klar war, dass es eng werden würde. "Hätten wir ihn [Hamilton] in den ersten Kurven hinter uns gehalten, wäre das Rennen anders verlaufen. Aber das ist Teil des Spiels. Wir müssen glücklich sein, dass wir das Auto hatten, um bei diesen Bedingungen, die uns nicht entgegenkommen, so gut mitzufahren."

Zufrieden stellte der Teamchef fest, dass Alonso in den letzten drei Rennen die meisten Punkte aller Fahrer geholt hat und Ferrari nun wieder jene Leistung zeigt, die man von sich selbst erwartet. "Die zweite Saisonhälfte wird eine interessante Show für alle. Ich habe das Gefühl, Red Bull ist immer noch am stärksten und McLaren zeigt, dass sie sehr gut sind. Ich unterschätze unsere Gegner sicher nicht, aber ich freue mich, dass wir reagiert haben und die Leistung jetzt da ist, wo sie sein sollte. In Ungarn sollten wir aber nicht vergessen, dass wir dort voriges Jahr nach dem Sieg in Deutschland plötzlich eine Sekunde hinten waren", betonte er.

Immer angreifen

Deswegen mahnte er auch an, auf dem Boden zu bleiben und weiter hart zu arbeiten. "Wie zuletzt schon gesagt. Wir müssen jedes Rennen angreifen, dann müssen wir schauen, wo das hinführt. Die einzige Hilfe für uns ist, dass mehr Fahrer und Teams vorne mitkämpfen können. So können wir mehr Punkte aufholen und die Lücke besser verkleinern. Aber die Lücke ist noch groß." Dass Ferrari in Deutschland auf einen Setup-Kompromiss zwischen trocken und Regen gesetzt hatte, bereute er nicht. "Wir haben Regen erwartet, aber das hat wohl jeder", meinte er. "Ich denke, niemand hat heute mit einem Trockenrennen gerechnet."