Das erste Regenrennen der Saison kam für Ferrari in Montreal genau zur falschen Zeit. Man hatte seine beiden Autos in den ersten beiden Startreihen untergebracht, die Pace im Trockenen hatte gut ausgesehen und dann kam am Sonntag alles anders als erhofft. Vor allem beim strategischen Spiel mit dem Wetter verzockte die Scuderia, obwohl man dort den Meteorologen von Meteo France nicht die Schuld geben wollte, da, wie man es ausdrückte, es immer noch Vorhersagen und nicht Fakten sind, die geliefert werden.

Gleichzeitig machte Ferrari auch genau daran die Gründe fest, warum man bei den Reifenwechseln eher falsch als richtig lag. Wie schwierig eine Einschätzung der Lage war, zeigte sich alleine daran, dass Felipe Massa sich nach Freigabe des Rennens auf Regenreifen gut fühlte und Fernando Alonso so seine Probleme hatte und lieber Intermediates wollte. Das setzte sich auch nach dem zweiten Restart fort. Da von den Wetterfröschen die Information kam, dass zwar Regen kommen sollte, der aber nicht so stark sein würde - auch wenn das einige Teams anders interpretierten - wechselte Alonso auf Intermediates.

Rot ein Geschenk für andere

Damit war der Spanier auch flott unterwegs, überholte die Renaults und näherte sich Mark Webber. Doch dann kam ein heftiger Schauer, der jene auf Intermediates, und auch manche auf Regenreifen, zu einem weiteren Wechsel zwang. Die rote Flagge war dann vor allem für jene ein Geschenk, die draußen geblieben waren, denn sie konnten ohne Zeitverlust Reifen wechseln. Nach dem neuerlichen Restart ging es bald wieder auf die Zwischenlösung bei den Reifen, doch Alonsos Zusammentreffen mit Button beendete das Rennen des Spaniers, sorgte für ein weiteres Safety Car und half damit eben Button, der die Gelbphase mit ausgelöst hatte.

Ferrari mischte auch vorne mit, Foto: Sutton
Ferrari mischte auch vorne mit, Foto: Sutton

Die Überrundung von Narain Karthikeyan sorgte dann noch dafür, dass Felipe Massa sich die Nase an der Absperrung beschädigte und somit ebenfalls aus dem Kampf um Spitzenplätze verschwand. Der Brasilianer wollte mit Slicks neben der Ideallinie überrunden und rutschte einfach weg. "Wenn ich denke, dass wir unseren ersten Saisonsieg hätten feiern können, fühle ich immer noch etwas Ärger", meinte Stefano Domenicali deswegen auch auf der Website von Ferrari. "Wir waren gut auf dieses Rennen vorbereitet und alles verpuffte aufgrund einer unglaublichen Serie widriger Umstände.

Button fuhr ähnliche Strategie

Domenicali erklärte, dass er sich ein gewisses ironisches Lächeln nicht verkneifen konnte. Denn Rennsieger Button wollte er zwar gratulieren, weil das der Respekt vor der Konkurrenz für ihn einfach verlangt, doch der Brite hatte einen Boxenstopp-Rekord aufgestellt, war meist hinter den Ferrari gefahren und dennoch als Erster angekommen. "Ein weiterer Beweis dafür, wie schwierig es ist, von außen ein Rennen zu lesen, liegt darin, dass er ähnliche Strategie-Entscheidungen getroffen hat wie jene, für die wir kritisiert werden - nach meiner Meinung nach übertrieben kritisiert werden. Es stimmt, dass das Endergebnis das Urteil von Leuten beeinflussen kann. Das ist eine Regel des Sports und wir müssen sie akzeptieren, aber das bedeutet nicht unbedingt, dass wir dem zustimmen müssen", sagte Domenicali.

Für ihn war es wichtig, das Rennen schnell zu vergessen, das Negative hinter sich zu lassen und auf die positiven Aspekte zu schauen. Denn er hatte, aufgrund der Strecken-Charakteristik aber auch aufgrund der Arbeit des Teams, einen ersten Lohn für die Mühen gesehen, die Ferrari unternommen hat. "Das war schon in Monaco so und in Montreal waren wir stark genug, damit wir um den Sieg kämpfen konnten. Wir müssen diesen Weg weitergehen, denn früher oder später werden die Ergebnisse kommen. Es macht jetzt keinen Sinn, auf den Stand in den Weltmeisterschaften zu schauen, da das aktuell unnötig ist. Wir müssen agieren wie Fußball-Teams, die sehen, dass sie zurückgefallen sind und jedes Spiel auf Angriff spielen, nur für den Sieg. Wenn dann die anderen Fehler machen und sich die Situation ändert, werden wir sehen, wo wir stehen."