Hatte Red Bull Racing vor dem Kanada-Wochenende ziemlichen Respekt gehabt, so musste es am Ende bedauern, keinen Doppelsieg gefeiert zu haben. Trotzdem wollte Teamchef Christian Horner nicht traurig darüber sein, mit Sebastian Vettel und Mark Webber auf die Plätze zwei und drei gekommen zu sein. Vor allem Vettel tat ihm etwas leid. "Er war so ziemlich der Einzige, der [bis kurz vor Schluss] den ganzen Nachmittag nichts falsch gemacht hatte, aber Jenson war am Ende dann sehr schnell. Wir haben alle gesehen, wie stark das DRS war. Deswegen kämpfte Sebastian, damit Jenson mehr als eine Sekunde zurück blieb", sagte Horner.

Bei Vollgas aufs Nasse

Doch Button war eingangs der letzten Runde nahe genug dran, also wusste Vettel, er muss Gas geben. "Er gab Vollgas und kam mit einem Rad leicht auf den nassen Asphalt. Das Hinterrad blockierte und das war der Unterschied zwischen Sieg und Niederlage. Wenn man fast den ganzen Grand Prix führt und nur wenige Meter vor dem Ziel verliert, frustriert einen das", erklärte der Teamchef. Auf der anderen Seite hielt er fest, dass von den direkten Konkurrenten weder Fernando Alonso noch Lewis Hamilton gepunktet hatte, es viele Zwischenfälle gab und auf einer Strecke, die normal Red Bull nicht so liegt, die Plätze zwei und drei doch gut seien.

"Wenn man aber führt und so in die letzte Runde geht, ist es natürlich schade, dass man nicht gewinnt." Dass Button überhaupt noch aufschließen konnte, lag daran, dass Vettel seinen Vorsprung in der Endphase auf Michael Schumacher ausrichtete. Als Button den Rekordweltmeister überholte, ging der Brite aber eine sehr starke Pace. "Seb reagierte, aber McLaren war aus welchem Grund auch immer sehr stark am Ende. Jenson war phänomenal schnell. Seb gab alles, um ihn zu besiegen. Wer weiß, was auf der letzten Geraden mit DRS passiert wäre, aber soweit ging es ja nicht, weil Seb den Fehler machte. Es war ein Fehler an einem Tag, an dem viele Fahrer Fehler machten. Nach sieben Rennen fehlen ihm nur 14 Punkte auf die maximale Ausbeute, es ist immer noch ein tolles Ergebnis für das Team und Seb."

99,9 Prozent in Führung

Und weil vielen, wenn nicht sogar allen, Fehler unterlaufen waren, wollte Horner auch nicht, dass Vettel enttäuscht ist. "Er machte seine Sache sehr gut und am Ende war es eben eine dieser Sachen." Der Teamchef fand auch nicht, dass das Rennen vorzeitig hätte beendet werden sollen. Schließlich holte Vettel 18 Punkte und nicht 12,5, die er bei halber Punktezahl als Sieger erhalten hätte. Vor allem aber war er mit der Teamleistung zufrieden. "Wir kamen her und erwarteten eine schwere Zeit. Wir fuhren auf Pole und führten 99,9 Prozent des Rennens an. Wir kamen mit beiden Autos auf das Podest. Das Montreal-Wochenende endete an einem Tag, an dem unsere Gegner nicht voll punkten konnten, sehr stark für uns."

In Valencia erwartete Horner abermals kein einfaches Wochenende für Red Bull, da es dort wieder längere Geraden gibt. Für Silverstone rechnete Horner dann wieder mit einer ganz starken Vorstellung seines Teams. "Auch der Nürburgring sollte interessant für uns sein." Interessant war auch der Zwischenfall zwischen Webber und Lewis Hamilton gleich nach Rennfreigabe. "Das Manöver sah etwas überoptimistisch aus. Er wollte ihn sicher nicht berühren, aber tat es doch. Danach musste sich Mark zurückkämpfen. Eine gute Strategie, gute Reifenwahl und gute Kommunikation brachten ihn wieder nach vorne. Es sah sogar so aus, als hätten wir die Plätze eins und zwei haben können", sagte Horner.

Die Sache mit KERS

Allerdings kam der Kampf mit Michael Schumacher um Platz zwei dazwischen, bei dem Webber zunächst vorbeikam, aber die Schikane abkürzte und deswegen die Position wieder zurückgeben musste. "Dann kam Jenson vorbei und fuhr davon. Nach einem ereignisreichen Tag für Mark gestern ist Platz drei auf dem Podest gut." Horner musste noch betonen, dass es mit KERS keine Probleme gab, auch wenn seine Fahrer indirekt einen anderen Eindruck erweckten. "Wir haben es gemanagt und wollten nichts riskieren. Es bringt im Nassen nicht so viel, als wir es brauchten, hatten wir es", meinte Horner. Er versprach aber, dass für die nächsten Rennen an weiteren Lösungen gearbeitet wird.