Der Shanghai International Circuit ist der dritte Termin im Rennkalender 2011. Seit 2004 fahren die Piloten auf dem Kurs, der in jedem Jahr einen anderen Sieger hervorbrachte. Die Strecke, die ca. 200.000 Zuschauer fasst, wurde von Rennstrecken-Architekt Hermann Tilke entworfen, und ist dem chinesischen Zeichen 'shang' nachempfunden. Es bedeutet so viel wie 'aufwärts' oder 'nach oben'.

Schlüsselstelle - Kurve eins

Der 5,451 km lange Kurs wird insgesamt 56 Mal umfahren, durch neun Rechts- und sieben Linkskurven. Besonders ist hierbei Kurve eins, auch 'Schneckenkurve' genannt. Nach der Start-Zielgeraden kräuselt sie sich in immer enger werdendem Radius nach rechts. "Die erste Kurve ist einmalig: Du fährt im siebten Gang mit Vollgas hinein, und dann schaltest du herunter, da sie kontinuierlich enger wird", schildert Jenson Button seine Erfahrungen. "Es ist eine sehr lange Kurve - es geht nur darum ausdauernd zu sein - und da ist eine kleine Bodenwelle rechts am Eingang, die es noch zusätzlich schwer machen kann", fügt der Sieger von 2010 hinzu.

Auch Lotus-Renault-Pilot Vitaly Petrov freut sich auf die Herausforderung nach dem Start: "Sie ist schon interessant, aber nicht einfach", verrät der Russe, der die Schwierigkeit erkannt hat. "Die erste Kurve ist deshalb so schwierig, weil sie ewig weitergeht." Doch nicht nur aus Fahrersicht ist diese Kurve eine Prüfung, wie der Technische Direktor von Williams, Sam Michael, erklärt: "So etwas erfordert eine ausbalancierte Front, damit der Fahrer das Auto so präzise wie möglich platzieren kann." Dementsprechend sieht sein Fahrer Pastor Maldonado "eine der längsten Kurven der Saison", als Schlüsselstelle des Rennens.

Das Infield

Auch die folgenden Kurven zwei, drei und vier, werden sehr langsam gefahren und führen in "einige speziell ineinander geschwungene Kurven", erklärt Saubers Technischer Direktor, James Key, die Streckenführung. "Für diese Passagen sind eine gute Bremsstabilität und eine gute Traktion wichtig", fügt er hinzu. Dies sei zumal entscheidend, da eine sehr hohe Querbeschleunigung herrsche. Besonders anspruchsvoll ist diese Passage für die Hinterreifen, deren Abbau in diesen Kurven sehr beschleunigt wird.

Die schier endlos wirkende Gerade des Shanghai International Circuit -, Foto: Sutton
Die schier endlos wirkende Gerade des Shanghai International Circuit -, Foto: Sutton

Die Gerade

Doch neben dem Infield, kommt jedem Zuschauer sofort die lange Gegengerade in den Sinn, die alleine 1.46 km des Kurses ausmacht. Nach einer Doppel-Rechts am Eingang, führt sie mit Höchstgeschwindigkeit zu einer Spitzkehre, die als gute Überholmöglichkeit gilt. "Ich denke, es wird auf der enormen Gegengeraden, sogar ohne DRS, eine Menge Überholmöglichkeiten geben", ist sich Button sicher. Auch Rookie Sergio Perez hat diesen Punkt der Strecke als seinen Lieblingsfleck auserkoren: "Besonders gut gefällt mir die lange Gerade, auf der man richtig schnell ist, mit der harten Bremszone am Ende."

Auch Button geht davon aus, dass dieser Bereich für das DRS genutzt wird, was ihm glänzende Augen beschert. "Wenn es diese Stelle ist, die sie im Rennen als DRS-Bereich wählen, dann denke ich, dass wir einige spektakuläre Überholmanöver sehen werden - und mögliche Rücktäusche - unten auf der folgenden Geraden." Doch James Allison, Technischer Direktor bei Lotus-Renault, gibt zu bedenken, dass die FIA den "DRS-Aktivierungspunkt sorgfältig auswählen muss, weil die DRS-Gerade ungefähr dreihundert Meter länger ist, verglichen mit Sepang."

Mögliche Regenschlacht

Doch eventuell sind solche Entscheidungen ohnedies hinfällig, sollte ein besonderer Spannungsfaktor hinzukommen: Das Wetter. Denn bekannt für Regenschauer, liefert der Shanghai International Circuit meist spektakuläre Rennen. "Das Wetter kann etwas schwierig sein, mit kalten und manchmal nassen Bedingungen", zeigt Adrian Sutil auf. So wurden alleine im vergangenen Jahr, aufgrund der widrigen äußeren Verhältnisse, 67 Boxenstopps verzeichnet, die den Rennverlauf unvorhersehbar machten. Auch die Temperaturen werden deutlich kühler sein, als noch in Malaysia. So wird mit Temperaturen unter 20° gerechnet, was für die Stabilität der neuen Pirelli-Reifen sicher ein Vorteil sein dürfte.