Das ging gehörig schief. Dass Mercedes GP Red Bull an der Spitze nicht gefährden würde können, damit war vor dem Saisonauftakt in Melbourne schon zu rechnen - immerhin sind Testbestzeiten mit Vorsicht zu genießen, besonders in diesem Jahr. Doch einen Abstand von 1,9 Sekunden im Fall von Nico Rosberg und nur ein elfter Startplatz für Michael Schumacher waren doch etwas überraschend. Selbst Vitaly Petrov steht im Renault vor beiden Silberpfeilen.
"Ich kann es mir momentan nicht erklären", war Michael Schumacher nach dem Qualifying ratlos. "Wir sind nicht, wo wir sein wollen, kennen aber die Gründe dafür nicht." Jetzt stehen lange Analysen und Lösungsvorschläge auf dem Programm. Denn nach den guten Testergebnissen mit dem neuen Update-Paket in Barcelona hatte sich das Team mehr versprochen.
Rosberg: Nicht so schlecht wie es aussieht
"Ehrlich gesagt waren wir in Barcelona nie sehr gut, aber diesmal schon, also waren wir für dieses Wochenende sehr zuversichtlich, dass wir ein gutes Ergebnis erzielen können", begründet Teamchef Ross Brawn. "Ich gebe jetzt nicht auf. Ich probiere morgen, das Beste rauszuholen", verriet Rosberg gegenüber Motorsport-Magazin.com. "Aber es ist schon enttäuschend, dass wir momentan so weit hinten sind." An der Spitze sehen beide Mercedes-Piloten ganz klar Red Bull. "Sie haben heute zum ersten Mal das wahre Potenzial gezeigt", musste Schumacher anerkennen.
Dennoch hegen beide Hoffnungen, dass die Probleme von Melbourne spezifisch mit dieser Strecke zusammenhängen könnten. "Die Strecke ist nicht repräsentativ für Abstände", mahnt Rosberg. Schumacher fügt hinzu: "Hier hat es in der Vergangenheit oft seltsame Rückstände gegeben, die dann beim nächsten Rennen anders aussahen." Seine Hoffnung: "Wir holen noch nicht das Meiste aus dem Auto heraus."
Das bestätigt Rosberg: "Wir sind sicherlich nicht so schlecht, wie wir heute ausgesehen haben", ist er überzeugt. "Wir dürfen das nicht hochspielen. Wir sind nicht 1,9 Sekunden zurück." Der Grund dafür sei gewesen, dass einige Dinge an seinem Auto nicht richtig funktioniert hätten. Beim Namen genannt waren dies vor allem die neuen Systeme wie der verstellbare Heckflügel und KERS.
Brawn: Die Basis stimmt

"Wir erleben bislang ein enttäuschendes Wochenende", gesteht Teamchef Ross Brawn. "Es gibt heutzutage viele interessante Systeme am Auto, aber wir hatten damit alle Hände voll zu tun und konnten so unsere grundlegende Setuparbeit nicht erledigen." Das größte Problem für die Fahrer sei gewesen, dass das Auto sich von Kurve zu Kurve inkonstant verhalten habe.
"Sie wussten nicht, wie es reagiert, wenn sie eine Kurve anfuhren", erklärt Brawn. Diese Inkonstanz rühre von einigen Systemen her, nicht nur KERS. So gab es auch aerodynamische Probleme mit dem Heckflügel, die vor allem auftraten, wenn es sehr windig war.
Den Abstand zwischen Rosberg und Schumacher erklärt Brawn damit, dass an Schumachers Auto mehr Probleme mit den Systemen aufgetreten seien. "Wir müssen abwarten, bis beide Autos richtig funktionieren", verteidigt er seinen alten Wegbegleiter. Die ersten Updates sind für die nächsten Rennen bereits geplant. Aber Brawn glaubt dennoch, dass auch in diesem Auto noch viel Potenzial steckt.
"Das Fundament liegt und wenn wir alles zusammenbekommen, werden wir eine viel stärkere Performance zeigen", ist er sich sicher. Bereits im letzten Jahr habe das Team am Ende der Saison Fortschritte erzielt, ohne neue Teile auszuprobieren. "Wir haben das Paket besser verstanden", erinnert Brawn. "Auch jetzt haben wir eine gute Mischung, die wir noch nicht richtig ausnutzen."
Sorgen macht sich der Teamchef deshalb nicht. "Wenn alles perfekt gelaufen wäre an diesem Wochenende und wir soweit zurück lägen, wären wir besorgter, weil dann müssten wir uns fragen, wo wir die Performance herbekommen sollten", begründet er seinen Optimismus. "Aber so wissen wir, was wir zu tun haben."



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