Der Sprung, den McLaren von den letzten Testfahrten in Barcelona bis zum ersten Rennen in Melbourne gemacht hat, war in Formel-1-Dimensionen gewaltig. Aus einem wenig zuverlässigen Auto mit mittelmäßiger Pace ist ein nach vier Sessions - drei Trainings und ein Qualifying - ein standfester schneller Renner geworden. Dafür musste der MP4-26 stark umgebaut werden, doch McLaren hat damit nicht das erste Mal gezeigt, dass man rasch entwickeln kann. Dementsprechend glaubte Lewis Hamilton auch, dass man sich Red Bull Racing weiter wird nähern können.

"Wir als Team haben eine gute Entwicklungsrate. Ich denke, über die Jahre hat man uns bereits von recht weit hinten zurückkommen sehen und wir waren in der Lage, etwas schneller als andere zu entwickeln. Wir sind jetzt zumindest im Kampf dabei und von hier aus können wir gute Punkte holen und weiter an der Zuverlässigkeit arbeiten, es wird aber natürlich schwierig, die Lücke zu schließen", sagte Hamilton. Er war vor allem davon begeistert, dass sein Arbeitgeber das Risiko einging, nach dem letzten Test noch einmal alles über den Haufen zu werfen. "Ich denke, wir haben das noch nie gemacht, seit ich hier bin, aber die Ergebnisse aus dem Windkanal sahen gut aus."

Vettels Zeit unglaublich

Der Abstand zu Sebastian Vettels Bestzeit war mit rund acht Zehntelsekunden trotzdem einigermaßen groß. Nimmt man noch hinzu, dass der Deutsche kein KERS eingesetzt hatte, war er sogar noch etwas größer. Hamilton hatte sein Hybrid-System auf der schnellsten Runde zumindest zur Hälfte verwendet. "Mir ist es am Ende dann ausgegangen, ich hatte nichts mehr. Nein, ich hatte wohl noch 40 Prozent übrig. Das ist etwas Zeit, aber nichts, womit ich nahe genug rangekommen wäre. Das ist eine unglaubliche Zeit, die sie gefahren sind. Also Glückwunsch an Sebastian, aber wie gesagt, ich werde aufholen", sage der McLaren-Pilot.

Der Grund für die Auferstehung des Teams in Melbourne lag für Hamilton rein am Abtrieb. Denn der fehlte dem Team bei den Tests noch. "Der Abtrieb ermöglicht es, später zu bremsen, die Kurven schneller anzufahren, früher aufs Gas zu gehen, also verbessert man mit dem Abtrieb auch seine Mindestgeschwindigkeit, wodurch man sich in jeder Kurve um zehn km/h steigern kann. Das bringt viel Zeit, weil man das auf die Geraden mitnimmt", erklärte er.

Rosige Zukunft

Durch die Verbesserung des McLaren-Hecks kann Hamilton die Kurven nun aggressiver anfahren und mehr Geschwindigkeit durch die Turns mitnehmen, wodurch ein massiver Zeitgewinn entsteht. "Es zeigt sich, durch das Umarbeiten eines Teils funktioniert der Rest des Autos drum herum gleich besser. Wir haben noch viel Arbeit, aber die Jungs im Werk haben einen tollen Job gemacht." Und gute Arbeit traute er seinem Team auch weiter zu, weswegen er verkündete: "Ich weiß, dass das Auto noch besser wird und wir in Zukunft nach Siegen greifen."